Syngenta-Aktien starten schwach - Übernahme durch Chemchina offenbar in Gefahr

Zürich (awp) - Die Syngenta-Aktien sind am Montag in einem sehr starken Gesamtmarkt schwach gestartet. Laut einem Bericht in der Wochenendpresse wächst in den USA der politische Widerstand gegen die Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns durch den chinesischen Staatsbetrieb Chemchina. Als entscheidend für den Mega-Deal gilt letztlich die Haltung des Ausschusses für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS).
20.06.2016 09:57

Die Syngenta-Aktien notieren gegen 9.40 Uhr bei 384 CHF und damit auf dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Der am SMI gemessene Gesamtmarkt gewinn derweil 2,02%. ChemChina offeriert je Syngenta-Aktie 465 USD in bar plus Dividenden im Gesamtwert von 16 CHF. 11 CHF wurden Ende April als ordentliche Dividende ausgezahlt.

Der 44-Mrd-CHF-Deal zwischen den Baslern und den Chinesen scheint offenbar in Gefahr zu sein, schrieb die "Schweiz am Sonntag" am Wochenende. Wie das Blatt mit Verweis auf eine mit der Angelegenheit bestens vertraute Quelle berichtet, zeigen sich sowohl die US-Regierung wie auch Kongressabgeordnete besorgt und könnten die Übernahme blockieren. Hintergrund sind Befürchtungen in den USA, dass sich China über Übernahmen durch Staatskonzerne Marktzugang in andere Länder sichern will, ohne Gegenrecht zu gewähren, wie es bei einem Staatsvertrag üblich wäre.

Würde der Deal tatsächlich scheitern, erwarten die Analysten von Baader Helvea eine negative Kursreaktion der Syngenta-Aktie mit einem Taucher bis auf etwa 330 CHF. Dies ist für die Analysten der "faire" Wert der Aktie. Auch rechnen sie nach einem "Aus" mit Angeboten von Bayer und Monsanto für den Basler Konzern.

ZEITLICHE VERZÖGERUNGEN WEGEN NEUEM ANTRAG - "UNGEWÖHNLICH"

Wegen des politischen Widerstandes kommt es auch zu zeitlichen Verzögerungen beim Deal. ChemChina habe den Antrag bei der US-Regierungsbehörde CFIUS neu eingereicht, womit Verzögerung von bis zu 75 Tagen einhergingen, berichtete in der Vorwoche die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insiderinformationen. Die sei ein Indiz dafür, dass der ursprüngliche Antrag abgelehnt worden wäre, zitiert die "Schweiz am Sonntag" ihren Insider.

Dass der Antrag neu eingereicht werde, sei ein ungewöhnlicher Prozess, heisst es bei Baader Helvea. Die Analysten bekräftigen allerdings ihre Einschätzung, dass Chemchina am Ende die besseren Karten in dem politischen Poker habe. Sie empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf bei einem Kursziel von 449,00 CHF.

cp/uh

(AWP)