Syngenta belastet von Wetter und Dollar - Zuversicht für ChemChina-Transaktion

(Meldung ausgebaut)
22.07.2016 09:43

Basel (awp) - Syngenta hat im ersten Halbjahr 2016 deutlich weniger umgesetzt und verdient. Ungünstige Witterungsbedingungen in Europa und Nordamerika, aber auch Gegenwind von den Währungen führten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn für einen Rückgang. Den Ausblick für den Umsatz musste Syngenta senken; dafür sind immerhin die Aussagen zum Stand der Dinge in Sachen Übernahme durch ChemChina ermutigend.

Erfüllten die Verkäufe im ersten Quartal noch die Erwartungen der Analysten, lagen sie im zweiten Quartal deutlich darunter. Denn das Wetter war auf dem Höhepunkt der Anbausaison im falschen Moment zu feucht und dann wiederum zu kalt. Insgesamt sank der Umsatz von Januar bis Juni um 7% auf 7,09 Mrd USD, dies bei 3% geringeren Absatzmengen. Zu konstanten Wechselkursen hätte der Umsatz lediglich um 2% abgenommen; die Aufwertung des US-Dollars führte also ebenfalls zu Gegenwind. Syngenta konnte nur bedingt gegensteuern: die durchschnittlichen Verkaufspreise des Agrochemiekonzerns lagen 1% höher.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA ging in der Folge um 12% auf 1,77 Mrd USD zurück, zu konstanten Wechselkursen um 2%. Die entsprechende Marge lag mit 24,9% um 1,3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Laut Syngenta schmälerten Währungseffekte den EBITDA um 203 Mio USD. Zudem habe man eine Wertberichtigung auf Forderungen in Venezuela vorgenommen.

Der Reingewinn nahm um 13% auf 1,06 Mrd ab, der Gewinn pro Aktie um 14% auf 12,69 USD. Mit diesem Zahlenset hat Syngenta die Erwartungen des Marktes verfehlt.

EINSPARUNGEN GEGEN DAS WETTER

Syngenta sah sich nach eigenen Angaben mit schwierigen Marktbedingungen konfrontiert, etwa mit niedrigen Rohstoffpreisen sowie wirtschaftlichen und währungsbedingten Herausforderungen. Und die schwierigen Bedingungen dürften auch in nächster Zeit anhalten, lässt sich der neue Konzernchef Eric Fyrwald zitieren. Dieser ist seit Anfang Juni im Amt.

Fyrwald sei daher froh, dass Syngenta mit der AOL-Initiative schon frühzeitig Massnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Effizienz ergriffen habe. Die damit erzielten Einsparungen dürften auch dieses Jahr wieder das Ziel übertreffen, das in 2016 bei 300 Mio USD liegt. Im ersten Semester habe man Einsparungen von 140 Mio USD erreicht; bis 2018 sollen es 1 Mrd USD sein.

Das Unternehmen äussert sich zudem zu den Auswirkungen des Brexit, verfüge es doch über grosse Standorte für F&E und Fertigung in Grossbritannien. Weil der Umsatz im Land hingegen nur etwa 1% des Gesamtumsatzes ausmache, habe Syngenta daher eine Netto-Short-Position gegenüber dem britischen Pfund. Das durch das Pfund bedingte Risiko für das EBITDA 2016 werde aber "grösstenteils" durch Absicherungsgeschäfte abgedeckt.

UMSATZAUSBLICK GESENKT

Syngenta erwartet, dass der Umsatz in 2016 zu konstanten Wechselkursen "knapp" unter dem des letzten Jahres liegen wird. Im April noch hatte sich Syngenta zuversichtlich gezeigt, den Vorjahreswert zu halten. Der ausgewiesene Umsatz werde in diesem Jahr gar um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zurückgehen.

Dank der Einsparungen aber werde man die EBITDA-Marge "etwa" auf dem Vorjahresniveau halten, heisst es weiter. Zudem soll der Free Cashflow auf über 1 Mrd USD steigen. Mit 335 Mio USD sei dieser das erste Mal seit 2011 im ersten Halbjahr positiv gewesen.

Mit Blick auf das zweite Halbjahr rechne Syngenta wieder mit Wachstum in der Region Asien/Pazifik, habe doch zuletzt die Dürre in einigen Ländern nachgelassen. In Brasilien hingegen kämpften die Landwirte in Brasilien noch immer mit wirtschaftlicher Ungewissheit und Kreditbeschränkungen.

Zum Stand der laufenden Übernahmeofferte von ChemChina gab es wenig Neues: Man führe konstruktive Gespräche mit allen Regulierungsbehörden, was das Vertrauen stärke, dass bis Ende des Jahres die Transaktion abgeschlossen sein werde. Falls der Deal trotz aller positiven Vorzeichen dennoch scheitern sollte, hat Syngenta keinen "Plan B" in der Schublade. "Unser 'Plan B' ist der 'Plan A'", präzisierte Finanzchef John Ramsay im Gespräch mit AWP.

ra/cp

(AWP)