Tagesüberblick - Dienstag, 8. November 2016

Bern (awp/sda) - STABILER ARBEITSMARKT: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist im Oktober stabil geblieben. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 3,2 Prozent. Im Oktober waren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) 144'531 Personen eingeschrieben. Das sind zwar 1856 mehr als im Vormonat. Doch die Quote blieb unverändert. Laut den Experten vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) dürfte die Quote auch in den kommenden Monaten nicht sinken. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, spricht von einer Stabilisierung auf hohem Niveau. Die Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige) verringerte sich im Oktober um 932 Personen oder 4,7 Prozent.
08.11.2016 17:28

KAUM VERMÖGENSABFLUSS: Die Weissgeldstrategie hat auf dem Schweizer und Liechtensteinischen Finanzplatz zu keinem signifikanten Abfluss von Kundenvermögen geführt. Zu diesem Schluss kommt die Beratungsfirma PWC Schweiz in einer Studie. Heute verwalten die Banken fast so viel Kundenvermögen wie im Spitzenjahr 2007. Allerdings liessen höhere Ansprüche der Kunden und die strengeren regulatorischen Vorschriften laut der Studie die Bruttogewinne der Schweizer Vermögensverwaltungsbanken einbrechen. Diese hätten sich seit 2007 um rund 30 Prozent verringert. Zudem verschwanden in der Schweiz rund ein Viertel der Vermögensverwaltungsbanken seit 2007. Dieser Prozess werde anhalten.

PLATZ ZWEI FÜR SCHWEIZ: Im europaweiten Kaufkraftvergleich rangiert die Schweiz auf dem zweiten Platz, hinter dem Fürstentum Liechtenstein. Klarer Gewinner ist diesem Jahr Island, das von Platz neuen auf Platz vier vorrückte. Mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von mehr als 63'000 Euro belegt Liechtenstein nach wie vor den ersten Platz. Damit verfügt das Fürstentum über die fast achtzigfache Pro-Kopf-Kaufkraft verglichen mit den Menschen in der Ukraine, dem kaufkraftschwächsten Land Europas, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK-Geomarketing mit. Europaweit verfügen Konsumenten in den 42 untersuchten Ländern über ein Einkommen von insgesamt 9,18 Billionen Euro. Dies sind 0,3 Prozent mehr als 2015.

SECO FÜR DEREGULIERUNG: In der Diskussion um Uber und Airbnb hat der zuständige Chefbeamte im Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), Eric Scheidegger, Stellung zu Gunsten der neuen Konkurrenten genommen. Während Politiker neue Regeln schaffen wollen, propagiert er die Deregulierung. "Abermillionen Menschen" profitierten täglich vom Angebot solcher Unternehmen. "Solche Innovationen bringen die Volkswirtschaft als Ganzes weiter", sagte Scheidegger im Interview mit den Zeitungen "Tages-Anzeiger" und "Der Bund". Zumeist sind die gesetzlichen Grundlagen im Schweizer Recht laut Scheidegger offen genug, um die neuen Geschäftsmodelle abzudecken. Ein mögliches Digitalisierungsgesetz würde seiner Ansicht zu einem "Regulierungsmonster".

UMSATZPLUS BEI ADECCO: Der weltgrösste Personalvermittler Adecco hat im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal mehr umgesetzt. Der Umsatz legte um 2 Prozent auf 5,81 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente Adecco 173 Millionen Euro, nach einem Verlust von 513 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum. Im Vorjahresquartal hatte Adecco wegen 740 Millionen Euro schwerer Abschreibungen einen Verlust von 513 Millionen Euro verbucht. Grund für die Wertberichtigung waren die schlechtere Entwicklung in Märkten wie Deutschland und Österreich.

WENIGER STELLEN: Die PostFinance wird sich aufgrund des schwierigen Marktumfelds neu ausrichten. Bis Ende Februar 2017 soll eine neue Organisation entstehen. Es ist allerdings schon heute klar, dass bis 2020 Stellen abgebaut werden. Wie viele das sein werden, ist derzeit noch unklar. Wegen der tiefen Zinsen und des veränderten Kundenverhaltens müsse sich die PostFinance umstrukturieren, wie das Finanzinstitut eine Meldung der "Handelszeitung" bestätigte. Im ersten Halbjahr 2016 zählte der Finanzdienstleister der Post 3622 Vollzeitbeschäftigte. Bis 2020 werde die Bank nicht mehr den gleichen Personalbestand haben, sagte Reto Kormann, Sprecher bei der PostFinance, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

GEWINNRÜCKGANG: Ein schwieriges Marktumfeld im Bereich Gastransport und -lagerung hat das Geschäftsergebnis des Kolbenkompressoren-Herstellers Burckhardt Compression im ersten Halbjahr belastet. Mit der Übernahme der chinesischen Shenyang Yuanda hat sich der Umsatz zwar auf 269,6 Millionen ausgeweitet. Zukäufe ausgeklammert ist dieser im ersten Semester (April bis September) gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch um 5,9 Prozent auf 228,6 Millionen Franken geschrumpft, wie das Winterthurer Unternehmen mitteilte. Der ausgewiesene Betriebsgewinn auf Stufe EBIT reduzierte sich um 2,3 Prozent auf 32,1 Millionen Franken. Der Reingewinn verkleinerte sich um 17,5 Prozent auf 20,7 Millionen Franken.

FINANZIERUNG GESICHERT: Der Solarzulieferer Meyer Burger hat seine Finanzierung über 2017 hinaus gesichert. Die im Frühjahr fällig werdende Obligationenanleihe von 130 Millionen Franken soll mittels einer Aktienkapitalerhöhung von 160 Millionen Franken bezahlt werden. Andere Kredite werden verlängert, die Bedingungen der Wandelanleihe angepasst, wie Meyer Burger mitteilte. Lange Zeit war unklar, ob und wie das Unternehmen seine im Frühjahr auslaufenden Schulden bezahlen kann. Das Unternehmen kämpft darum, wieder die Gewinnzone zu erreichen. Für die ersten neun Monate erwartet Meyer Burger ein kräftiges Auftrags- und Umsatzplus sowie einen Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen.

BKW KAUFT WINDPARKS: Der Energiekonzern BKW hat einen Kaufvertrag für vier Windkraftwerke in Frankreich abgeschlossen, mit der Option für den Erwerb eines fünften. Die installierte Gesamtleistung der vier Windkraftwerke liegt bei 49 Megawatt. Es ist das zweite Engagement der BKW in Frankreich, wie das Unternehmen mitteilte. Einer der Windparks ist seit dem Anfang Mai 2016 in Betrieb, die drei anderen befinden sich noch in der Projektierungs- oder Bauphase und sollen zwischen 2017 und 2018 ans Netz gehen. Mit 22 Turbinen werden die Kraftwerke rund 120 Gigawattstunden elektrischen Strom pro Jahr erzeugen, was dem Jahresverbrauch von mehr als 18'000 Haushalten in Frankreich entspricht.

KOOPERATION BEI FINANZEN: Bundesrat Ueli Maurer hat den turkmenischen Finanzminister Muhammetguly Muhammedov in Bern empfangen. Beide Länder möchten künftig ihre Kooperation in Finanzfragen vertiefen. Deshalb unterzeichneten die beiden Finanzminister eine Absichtserklärung. Turkmenistan soll von den Kompetenzen der Schweiz in Finanzfragen profitieren und den eigenen Finanzsektor stärken, heisst es dazu in einer Mitteilung des Bundesrats. Turkmenistan gehört zur Schweizer Stimmrechtsgruppe in den Bretton-Woods-Institutionen, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds.

VORTEILE DURCH BREXIT: Der Eigentümer der Discount-Bekleidungskette Primark verspricht sich von einem Austritt Grossbritanniens aus der EU Vorteile. Primark könnte von neuen Handelsabkommen mit Ländern wie Indien und China profitieren, sagte der Chef des Primark-Mutterkonzerns Associated British Foods, George Weston. Es sei aber wichtig, dass Grossbritannien die in EU-Abkommen mit grossen Bekleidungsproduzenten wie Bangladesch erzielten niedrigen Zölle beibehalte. Den Expansionskurs will Primark mit der Eröffnung zahlreicher neuer Läden weiter vorantreiben und damit auch den vergleichbar gerechneten Umsatz steigern.

BREXIT-DRAMA UM TOBLERONE: Aus Kostengründen hat der amerikanische Süsswarenhersteller Mondelez International auf dem Schweizer Schokoladenriegel für den britischen Markt 3 Berggipfel gestrichen. Britische Toblerone-Fans zeigen sich empört. Nicht nur dass die britische Toblerone um 3 Dreiecke geschrumpft ist, sorgte für viel Wirbel in den sozialen Netzwerken. Auch die neue Form kommt bei den Toblerone-Liebhabern mehrheitlich schlecht an. Anstatt den Riegel entsprechend zu verkleinern, sind nun die Lücken zwischen den einzelnen Dreiecken gewachsen. Grund für die Sparmassnahme sind die höheren Preise für die Zutaten, wie der Süsswarenkonzern mitteilte. Um nicht die Verkaufspreise anheben zu müssen, habe sich die Herstellerfirma dazu entschlossen, das Gewicht zu reduzieren. Nach dem Brexit-Entscheid sind die Rohstoffpreise in Grossbritannien wegen des schwachen Pfunds allgemein gestiegen.

MEHR GEWINN NACH UMBAU: Die französische Grossbank Credit Agricole profitiert von ihrem Konzernumbau. Der Gewinn verdoppelte sich im Sommerquartal auf 1,86 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Dabei spielte ein Sondereffekt im Rahmen der Restrukturierung eine wichtige Rolle, der allein 1,25 Milliarden Euro beisteuerte. Die Einnahmen von Credit Agricole sanken dagegen im dritten Quartal auf 3,74 Milliarden Euro von 3,92 Milliarden vor Jahresfrist. Im französischen Privatkundengeschäft lief es schlechter, auch die Versicherungs- und Fondsabteilung nahm weniger ein. Die Investmentbank profitierte dagegen wie die Konkurrenz vom starken Anleihenhandel.

EINBRUCH BEI CAMPARI: Campari hat die ersten drei Quartale 2016 mit einem Rückgang beim Nettogewinn um 26,3 Prozent auf 131,5 Millionen Euro abgeschlossen. Der Umsatz stieg um 3,1 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015, teilte der börsennotierte Konzern in Mailand mit. Das Betriebsergebnis Ebit sank um 6,9 Prozent auf 206,4 Millionen Euro. Das bereinigte Ebit stieg dagegen um 6,0 Prozent auf 234 Millionen Euro. Die Verschuldung kletterte gegenüber Ende Dezember von 825,8 Millionen deutlich auf 1358,6 Millionen Euro. Dies war auf Akquisitionen zurückzuführen. Zuletzt hatte Campari Grand Marnier für 683 Millionen Euro erworben.

YEN BREMST TOYOTA: Der Höhenflug des Yen trifft auch Toyota hart. Der operative Gewinn fiel im abgelaufenen Quartal um 43 Prozent auf 474,6 Milliarden Yen, umgerechnet 4,4 Milliarden Franken, wie der japanische Auto-Hersteller mitteilte. Auch der Rivale Nissan konnte wegen der Yen-Aufwertung zuletzt seine Verkaufserfolge in den USA und China nicht in bare Münze umwandeln. Hier ging das Betriebsergebnis um knapp ein Fünftel auf umgerechnet 1,5 Milliarden Franken zurück. Der Yen-Höhenflug verteuert japanische Produkte auf dem Weltmarkt, macht sie für Kunden also unattraktiver. Ausserdem sorgt er dafür, dass im Ausland erzielte Gewinne in den Bilanzen japanischer Konzerne weniger wert sind.

TIEFERE GOLDNACHFRAGE: Sinkende Schmuck- und Münzkäufe in China und Indien haben die Gold-Nachfrage deutlich gedrückt. Im Sommer-Quartal habe es einen Rückgang von zehn Prozent gegeben, teilte der Branchenverband World Gold Council mit. In Indien und China hätten vor allem die hohen Preise und Druck auf die Haushaltseinkommen die Kauflaune gedrückt. Auch Zentralbanken hätten nur noch halb soviel Gold wie zuvor gekauft. Dagegen war das Edelmetall als Investmentanlage gefragt. Die um mehr als 40 Prozent gestiegene Nachfrage von Investoren konnte jedoch die ansonsten herrschende Kaufzurückhaltung nicht ausgleichen.

EXPORTEINBRUCH IN CHINA: Chinas Exporte sind im Oktober erneut eingebrochen und haben Zweifel an der Stärke der Konjunkturerholung im Reich der Mitte genährt. Das Minus belief sich auf 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie aus Daten der Zollbehörde hervorgeht. Experten hatten lediglich einen Rückgang um sechs Prozent auf dem Zettel, nachdem es bereits im September um zehn Prozent nach unten gegangen war. Auch die Importe sanken im Oktober unerwartet deutlich, und zwar um 1,4 Prozent. Hier hatten Experten Einbussen von lediglich einem Prozent erwartet.

INVESTITIONEN IM IRAN: Erstmals seit Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran investiert wieder ein westlicher Konzern in den Energie-Bereich des rohstoffreichen Landes. Der französische Öl- und Gas-Riese Total erklärte, eine Grundsatzvereinbarung mit dem staatlichen iranischen Energiekonzern NIOC unterzeichnet zu haben. Dabei gehe es um die Entwicklung des Gasfeldes South Pars vor der iranischen Küste. Zunächst würden in das Projekt SP11 rund 2 Milliarden Dollar investiert. Das dort geförderte Gas werde in das iranische Netz eingespeist. Total spielt traditionell eine wichtige Rolle in der iranischen Energie-Industrie. Allerdings hatte der Konzern das Land verlassen, nachdem der Westen 2010 im Zug des Atomstreits Sanktionen beschlossen hatte.

SCHLUSS MIT GRATIS LADEN: Dass Tesla-Besitzer ihre Elektroautos an den schneller "Supercharger"-Ladestationen gratis aufladen konnten, war bisher ein Verkaufsargument und eine Rechtfertigung für den relativ hohen Preis. Zumindest Neukunden werden bald dafür bezahlen müssen. Teslas Netz von 4600 "Supercharger"-Ladesäulen wird für Neukunden ab dem kommenden Jahr nicht mehr grundsätzlich kostenlos sein. Sie sollen aber pro Jahr 400 Kilowattstunden gratis laden können - ausreichend für rund 1600 Kilometer, wie der Elektroauto-Hersteller mitteilte. Danach werde "eine kleine Gebühr" fällig, die Tesla später bekanntgeben will. Sie werde kleiner sein als der Preis einer Tankfüllung für einen vergleichbaren Wagen mit Verbrennungsmotor.

(AWP)