Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 3. Februar 2016
03.02.2016 17:33

MILLIARDENÜBERNAHME: Das Gerücht bestätigt sich: Die chinesische ChemChina kauft den Basler Agrochemiekonzern Syngenta für 43,7 Milliarden Franken. Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen, wie Syngenta mitteilte. Diese geplante Übernahme ist gekennzeichnet durch eine ganze Reihe von Superlativen: Sie ist die grösste Übernahme in der Chemie-Branche weltweit; in Europa ist sie die Grösste, die je in Cash getätigt wurde; und sie ist die Grösste, die die Chinesen je in Übersee getätigt haben. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Syngenta würde dann von der Börse genommen. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. Das derzeitige Management von Syngenta wird das Unternehmen weiterhin leiten. Nach Abschluss der Übernahme wird Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina, dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen.

GEWINNEINBRUCH: Der starke Franken und die Zinssituation an den Märkten hinterlässt tiefe Spuren im Ergebnis des weltgrössten Uhrenkonzerns Swatch. Der Umsatz ging um 3 Prozent auf 8,451 Mrd. Fr. zurück. Der Gewinn schrumpfte gar um 21 Prozent auf 1,119 Mrd. Franken. Das Geschäftsjahr 2015 war durch den Frankenschock geprägt, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 auslöste. Als Konsequenz kam es zu signifikanten Verschiebungen in den Absatzmärkten, sowie zu einer markanten Verzerrung des internationalen Preisgefüges der Produkte. Der starke Franken frass 185 Mio. Fr. Umsatz weg. Der Umsatz des Konzerns schrumpfte auch, wenn von konstanten Wechselkursen ausgegangen wird, und zwar um 0,9 Prozent. Der Betriebsgewinn sank um 17,2 Prozent auf 1,451 Mrd. Franken.

HERBE RÜCKSCHLÄGE: Der Energietechnikkonzern ABB hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Bei den Einnahmen ging es um 11 Prozent auf 35,4 Milliarden Dollar nach unten. Der Konzerngewinn 2015 gab im Vorjahresvergleich sogar um 25 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar nach. Als Hauptgründe für das vergleichsweise schlechte Abschneiden gibt das Unternehmen die Wechselkurssituation an, die besonders von der starken Konzernwährung, dem Dollar, getrieben gewesen war. Zudem habe das widrige Marktumfeld und dort insbesondere fehlende Aufträge aus der Erdöl- und Erdgasindustrie die Firma belastet. ABB hat für das Jahr 2015 zwei der fünf selbstgesteckten Ziele nicht erreicht.

ERNEUTER GEWINNRÜCKGANG: Der Krankenversicherer Helsana hat im vergangenen Jahr erneut einen starken Gewinnrückgang ausgewiesen. Damit wollte Helsana überschüssige Reserven an die Kunden zurückgeben, indem die Prämien weniger stark erhöht wurden, als die Kosten dies eigentlich erfordert hätten. Dies führte laut Firmenangaben zu einem bewusst in Kauf genommenen Verlust im Krankenversicherungsgeschäft. Mit 16 Mio. Fr. ist das Unternehmensergebnis deutlich tiefer als in den letzten Jahren. Im Vorjahr 2014 hatte Helsana noch einen Reingewinn von 138 Mio. Fr. eingefahren. Allerdings hat die Gesellschaft die Rechnungslegung auf den Schweizer Standard FER umgestellt. Ein direkter Vergleich der Zahlen mit den Vorjahren ist deshalb nicht möglich. Derweil stiegen die Prämien von 5,734 Mrd. auf 5,982 Mrd. Franken.

STAGNIERENDE VOLUMEN: Die Schweizer Versicherer haben 2015 ein weiteres Jahr der Stagnation erlebt. Nur bei den Schadenversicherungen ist das Prämienvolumen leicht um 0,5 Prozent auf 26,3 Milliarden Franken gewachsen. Das Lebensversicherungsgeschäft dagegen stagnierte bei 32,6 Milliarden Franken. Gewachsen ist in diesem Bereich jedoch nur das Pensionskassengeschäft. Hier hat das Prämienvolumen um 0,7 Prozent zugenommen. Einen Rückgang von 2,2 Prozent musste die Versicherungswirtschaft dagegen bei den Lebensversicherungen verzeichnen. Grund dafür ist gemäss SVV die tiefen Zinsen, die Lebensversicherungen für die Kunden zurzeit unattraktiv machen.

TALSOHLE DURCHSCHRITTEN: Der Abwärtstrend auf dem Schweizer Arbeitsmarkt könnte bald zu Ende sein. Der Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich rechnet zwar weiterhin mit einem Stellenabbau, jedoch scheint die Talsohle durchschritten. Wie im Oktober lag der Beschäftigungsindikator im Januar im negativen Bereich. Damit ist die Zahl der Unternehmen, welche einen Stellenabbau ins Auge fassen, immer noch grösser als die Zahl der Unternehmen, die einen Stellenaufbau anpeilen. Die befragten Unternehmen waren Anfang Jahr aber weniger pessimistisch als noch vor drei Monaten. Der Indikator liegt neu bei minus 2,9 Punkten, was gegenüber dem Oktober-Wert von minus 5,9 Punkten eine deutliche Verbesserung darstellt.

UMRÜSTUNG BEGINNT: Der Schweizer VW-Importeur AMAG hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen damit begonnen, Dieselmotoren mit Schummelsoftware umzurüsten. Zuerst ist das Modell Volkswagen Amarok dran. Die Nachbesserung aller betroffenen Autos wird das ganze Jahr über andauern. Die Rückrufaktion habe wie angekündigt mit den Dieselmotoren mit 2,0 Liter Hubraum des Trucks Amarok begonnen, teilte AMAG in der Nacht mit. "In Kürze" folge der Passat. Die betroffenen Kunden würden "jetzt angeschrieben" und informiert. Sie müssten sich dann bei einer Partner-Garage melden, um einen Termin zu vereinbaren. Der Rückruf findet laut AMAG in Gruppen nach Motorentypen statt. Für die 2-Liter Motoren wird die eigentliche Umrüstung im März beginnen, im Juni kommen die 1,2-Liter-Motoren dran und ab September die 1,6-Liter-Motoren.

WEGZUG AUS DER SCHWEIZ: Die Reitz Schweiz Ventilator AG, Herstellerin von Ventilatoren für die Industrie und für Schienenfahrzeuge, hat im Januar ihr Werk in Bern geschlossen. Wegen der Frankenstärke produziert die Firma neu in Deutschland. 25 Personen haben in Bern ihren Arbeitsplatz verloren. Drei Angestellte sind mit der Firma nach Deutschland gezogen. Weitere rund zehn Personen haben eine andere Anschlusslösung gefunden, wie Geschäftsleiter Sven Faubel auf Anfrage sagte. Er bestätigte damit eine Meldung der "Berner Zeitung" vom gleichen Tag. Für die Betroffenen gab es einen Sozialplan. Die Schliessung des Werks gehe nicht auf mangelnde Aufträge zurück, bestätigte Faubel weiter, sondern auf die immer grösser gewordenen Schwierigkeiten, die Nachteile des starken Frankens auszugleichen.

EMMI AUF EINKAUFSTOUR: Der grösste Schweizer Milchverarbeiter Emmi übernimmt 60 Prozent am niederländischen Ziegenmilchproduzenten Bettinehoeve. Der Familienbetrieb mit 115 Mitarbeitern ist der grösste Produzent von frischem und gereiftem Ziegenkäse in den Benelux-Ländern. Die Übernahme des Aktienpakets erfolgt voraussichtlich per Februar 2016, wie Emmi mitteilte. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bettinehoeve führt zwei Standorte in den Niederlanden. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der über 30-jährige Betrieb einen Umsatz von 40 Millionen Euro. Das Unternehmen werde trotz neuem Mehrheitseigner am Markt weiterhin unabhängig auftreten, heisst es in der Mitteilung.

ZUKAUF IM WALLIS: Der zur Migros gehörende Fleischverarbeiter Micarna übernimmt die Spezialitiätenmanufaktur Gabriel Fleury. Das Walliser Traditionsunternehmen werde mit allen Mitarbeitenden in die Micarna-Gruppe integriert, teilte Micarna mit. Derzeit beschäftigt Gabriel Fleury rund 15 Mitarbeitende am Produktionsstandort Granges. Gabriel Fleury wurde den Angaben zufolge 1963 gegründet und ist das zweitgrösste Trockenfleischunternehmen im Wallis. Zu den Spezialitäten gehörten unter anderem das traditionelle Trockenfleisch, sowie Rohschinken und Speck, die ausschliesslich aus Schweizer Fleisch und in den Walliser Bergen hergestellt würden. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

STABILER GEWINN: Die Appenzeller Kantonalbank leidet unter den tiefen Zinsen. Diese schmälern die Margen der Bank. Entsprechend sank der Betriebsertrag - obwohl der Bank Kundengelder zuflossen und sie mehr Hypotheken ausgab. Trotz tieferen Ertrags konnte die Bank den Gewinn stabil halten. Dies weil sie sparte und von zwei Sondereffekten profitierte. Unter dem Strich verdiente die Appenzeller Kantonalbank 2015 wie schon im Vorjahr 11,9 Millionen Franken. Von der soliden Verfassung der Kantonalbank von Appenzell Innerrhoden (APPKB) profitiert auch der Kanton: Wie in den Vorjahren würden wiederum 7,45 Millionen Franken in die Staatskasse von Innerrhoden abgeliefert, teilte die Bank mit.

LIZENZVERTRAG FÜR CHILE: Der Sportartikelhändler Intersport International expandiert nach Südamerika. In Chile hat das Unternehmen eine Lizenzvereinbarungen mit einem lokalen Händler abgeschlossen. Bis 2020 soll es im Land über 40 Intersport-Geschäfte geben. Der neue Partner von Intersport in Chile heisst Calzados La Otra Opcion und betreibt derzeit 20 Sportgeschäfte. Bis Ende Jahr sollen diese gemäss einer Mitteilung auf Intersport umfirmiert werden. Zum Preis der Lizenzvereinbarung wurden keine Angaben gemacht. Gemäss Vertrag ist Calzados La Otra Opcion berechtigt, in Chile exklusiv Intersport-Geschäfte zu eröffnen, Exklusivmarken zu verkaufen sowie Serviceleistungen von Intersport in Anspruch zu nehmen. Die Vereinbarung ist Teil der Expansionsstrategie von Intersport, die der Ende Jahr abtretende Konzernchef Franz Julen forciert hat.

KOMPROMISS BEI ABGASTESTS: Das EU-Parlament hat der Einführung neuer Abgastests für Neuwagen ab 2017 grünes Licht gegeben. Mit knapper Mehrheit lehnten es die Abgeordneten in Strassburg ab, den Kompromiss zwischen EU-Staaten und EU-Kommission zurückzuweisen. Umweltverbände und die Bürgermeister mehrerer europäischer Grossstädte wie Paris, Madrid und Mailand hatten die Parlamentarier dazu aufgerufen, ein Veto einzulegen und für strengere Vorgaben zu kämpfen. Nationale Experten der EU-Staaten wollen für eine Übergangszeit grosszügige Abweichungen von Schadstoffgrenzwerten zulassen. Künftig sollen die Emissionen im Strassenverkehr und nicht im Labor getestet werden. Das Thema hatte durch den Abgas-Skandal bei Volkswagen auf EU-Ebene weitere Brisanz erhalten. Die europäischen Autobauer begrüssten die Entscheidung im Strassburger Plenum.

JOBABBAU IN FRANKREICH: Der Zementriese LafargeHolcim hat in Frankreich eine Restrukturierung angekündigt, um die Überkapazitäten am Markt zu reduzieren. Dazu zählt der Umbau von zwei Standorten von Zement- zu Mahlwerken, womit ein Stellenabbau von rund 200 Arbeitsplätzen verbunden ist. Ein anderes Werk soll bis 2017 modernisiert werden. Die Investitionen für die Massnahmen werden auf 117 Millionen Euro beziffert, wie die Tochter Lafarge France mitteilte. Das Werk in Martres-Tolosane (Haute-Garonne) soll durch neue Anlagen modernisiert werden, damit es weniger Energie braucht und Abgase ausstösst. Die Schritte seien notwendig, um in Frankreich ein nachhaltiges, effizientes und wettbewerbsfähiges Netz von Werken zu erhalten, so das Unternehmen. Seit 2008 sei der französische Zementmarkt durch einen strukturellen Rückgang um 30 Prozent geschrumpft.

MILLIONENENTSCHÄDIGUNG: Der japanische Autobauer Toyota entschädigt Afroamerikaner und Asiaten, die beim Autokauf in den USA draufzahlen mussten. Der Diskriminierungsfall wurde mit einem Vergleich über 21,9 Millionen Dollar beigelegt. Das teilte das US-Justizministerium mit. Die für Autofinanzierung in den Vereinigten Staaten zuständige Konzerntochter Toyota Motor Credit soll Vertragshändlern den Spielraum zugestanden haben, Minderheiten bei Autokäufen und -krediten systematisch zu benachteiligen. Im vergangenen Jahr zahlte Honda in einem ähnlichen Fall 25 Millionen Dollar.

WENIGER VERLUST IN EUROPA: General Motors (GM) hat seine Verluste in Europa im Schlussquartal 2015 weiter eingegrenzt. Operativ gebe es noch ein Minus von 300 Millionen Dollar, teilte der grösste US-Autobauer mit. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 400 Millionen Dollar. Im Gesamtjahr hat sich der Verlust in Europa in etwa halbiert - auf 800 Millionen Dollar. Die europäische GM-Tochter Opel will dieses Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Konzernweit läuft das Geschäft indes wie geschmiert. Im Heimatmarkt profitierten die Amerikaner vor allem von der starken Nachfrage nach Geländewagen und Pick-up-Trucks, die auch durch die gesunkenen Benzinpreise angeschoben wird. So kam GM 2015 auf einen Rekordgewinn von 9,7 Milliarden Dollar, nach 2,8 Milliarden Dollar 2014. Wegen des starken Dollar fiel der Umsatz aber um zwei Prozent auf 152,4 Milliarden Dollar.

(AWP)