Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 8. Februar 2016
08.02.2016 17:33

DEM GEGENWIND GETROTZT: Das Zürcher Vertriebsunternehmen DKSH hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Terroranschläge in Thailand und politische Unruhen in Malaysia haben das Geschäft gebremst. Dennoch konnte sich DKSH 2015 steigern. So erhöhte sich der Umsatz des vor allem in Asien tätigen Unternehmens um 2,4 Prozent auf 10,1 Milliarden Franken. Der Gewinn stieg um 2,1 Prozent auf 199,7 Millionen Franken. Die Steigerung erreichte DKSH vor allem dank dem Vertrieb von Medikamenten. In diesem Bereich erhöhten sich die Verkäufe um 9,4 Prozent auf 5,0 Milliarden Franken. Bei den Konsumgüter dagegen sind die Verkäufe um 5,3 Prozent auf 3,9 Milliarden Franken geschrumpft.

DROHENDER STELLENABBAU: Der Schweizer Maschinenindustrie droht ein schleichender Stellenbau. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Branche kämpfen laut Swissmechanic-Direktor Oliver Müller ums Überleben. Eines der Hauptprobleme ortet Müller darin, dass wegen hoher Kosten und sich verschlechternder Rahmenbedingungen vielen Unternehmen der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche (MEM) die Möglichkeit zum Investieren fehlt. "Wenn es ihnen nicht gelingt, das Geld für die Investitionen zu verdienen, dann schaufeln sie sich langfristig das Grab", warnte Swissmechanic-Direktor Oliver Müller warnt in einem Interview mit der Zeitung "Südostschweiz". Ein Unternehmen müsse Jahr für Jahr in seine Infrastruktur investieren. Viele Firmen seien aber schon seit längerem nicht mehr dazu in der Lage. "Und Unternehmern, die jetzt 60 Jahre alt sind, stellt sich die Frage, ob sie aufhören oder verkaufen sollen", sagte Müller.

NEUER VR-PRÄSIDENT: Der Co-Verwaltungsratspräsident von LafargeHolcim, Wolfgang Reitzle, steht bei der Generalversammlung im Mai für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Den Aktionären wird der gegenwärtige Vizepräsident des Verwaltungsrates, Beat Hess, als neuer Präsident vorgeschlagen. Dies teilte der Zementriese LafargeHolcim mit. Zunächst war bekannt geworden, dass Reitzle beim deutschen Konzern Linde die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden übernehmen wird. Reitzle soll dort den jetzigen Vorsitzenden Manfred Schneider per 21. Mai ablösen.

EINBRUCH BEI DEN ÜBERNAHMEN: Schweizer Unternehmen sind für ausländische Investoren wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses teurer geworden. Die Zahl der Übernahmen von Schweizer KMU brach 2015 daher um mehr als 40 Prozent ein. Am meisten Schweizer KMU wurden von US-Firmen sowie von deutschen und französischen Firmen erworben. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte dürfte sich dieser Trend angesichts des Wertzuwachses des US-Dollars künftig noch verstärken. Die Zahl der Fusionen und Übernahmen, an denen Schweizer KMU insgesamt beteiligt waren, ging um 19 Prozent auf 176 zurück. Zwar hat das Transaktionsvolumen insgesamt abgenommen, während es weltweit auf 4000 Milliarden Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2007 zugenommen hat. Doch immerhin waren bei 84 Prozent der Mehrheitstransaktionen in der Schweiz KMU-Betriebe involviert.

MEHR HEIZÖL VERKAUFT: Nach dem ausserordentlich milden Winter 2014 ist in der Schweiz im vergangenen Jahr wieder mehr Heizöl verkauft worden. Weil zudem der Heizölpreis tief war und viele Kunden ihre Tanks füllten, nahm der Heizölabsatz gegenüber dem Vorjahr um knapp 16 Prozent zu. Das Heizöl hat stark zum Gesamtabsatz von 10 Millionen Tonnen mit Erdölprodukten beigetragen. Dies entspricht einem Anstieg von 3 Prozent, wie die Erdöl-Vereinigung mitteilte. Dagegen sank der Absatz von Autobenzin mit 6,7 Prozent überdurchschnittlich stark. Mit der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar 2015 hat sich das Tanken von Benzin in der Schweiz für ausländische Kunden deutlich verteuert. Der Absatz von Dieselöl, das zu einem grossen Teil im Bau- und Transportgewerbe eingesetzt wird, ging 2015 leicht um 0,6 Prozent zurück. Beim Flugpetrol stiegen die Verkäufe gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen.

SCHLECHTER START FÜR SEILBAHNEN: Nach einem schneearmen Dezember auch noch ein sehr milder Januar: Die erste Hälfte der Wintersaison fällt für die Schweizer Seilbahnen schlecht aus: Im Vergleich zum Vorjahr gab es 7,5 Prozent weniger Gäste und einen Umsatzrückgang von 12,8 Prozent. Zwar herrschten dank künstlicher Beschneiung an vielen Schneeorten gute Pistenbedingungen, teilte Seilbahnen Schweiz mit. Doch das frühlingshafte Wetter in den Niederungen habe bisher keine richtige Winterstimmung aufkommen lassen. Und das trübe auch die Lust auf Wintersport. Am meisten betroffen vom Schneemangel war bisher das Tessin. Die dortigen Bergbahnen verzeichneten 90,5 Prozent weniger Gäste und damit einen Umsatzrückgang um 72,1 Prozent. Spürbar sei auch der Einfluss des hohen Frankenkurses, hiess es weiter. Darunter litten vor allem die Bündner Bahnen, die besonders stark auf Gäste aus dem Euroraum ausgerichtet seien. Die Bahnen mussten im Vergleich zum letzten Jahr einen Besucherrückgang von 15,3 Prozent und einen Umsatzeinbruch von 18,8 Prozent hinnehmen.

VON BANK- ZU BAUBRANCHE: Hans-Ulrich Meister, bis letzten Oktober Geschäftsleitungsmitglied der Credit Suisse, wechselt zu Implenia. Der Baukonzern schlägt den 56-jährigen Schweizer als neuen Verwaltungsratspräsidenten vor. An der nächsten Generalversammlung im März soll er gewählt werden. Er folgt dort auf Hubert Achermann. Dieser trat letzte Woche per sofort zurück. Er sei durch weitere Verwaltungsmandate sowie Engagements im kulturellen Bereich stark beansprucht, hiess es. Meister war seit 2008 Chef des Schweizer Geschäfts bei der Credit Suisse und seit 2011 Chef der weltweiten Vermögensverwaltung. Manche hatten ihn in vergangenen Jahren sogar als künftigen Chef der Credit Suisse gesehen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Im März letzten Jahres wurde Tidjane Thiam als neuer Chef vorgestellt. Ein halbes Jahr später musste Meister gehen.

ALLE GENEHMIGUNGEN: Der Schweizer Chiphersteller Micronas darf definitiv an den japanischen Elektronikkonzern TDK verkauft werden. Die zuständigen Wettbewerbsbehörden hätten der Übernahme ohne Auflagen oder Bedingungen zugestimmt, teilte Micronas mit. TDK hatte Mitte Dezember ein öffentliches Übernahmeangebot für Micronas lanciert. Der japanische Konzern bietet den Micronas-Aktionären 7,50 Franken pro Aktie in bar. Damit die Übernahme zustande kommt, müssen TDK mindestens 67 Prozent der Micronas-Aktien angedient werden. Der Verwaltungsrat der angeschlagenen Micronas empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Der Schritt bringe Micronas erhebliche strategische, operative und finanzielle Vorteile. Gemäss dem im Angebotsprospekt veröffentlichten Zeitplan endet die Angebotsfrist am 10. Februar.

EIN FINANZMINISTERIUM: Die Notenbankchefs von Frankreich und Deutschland fordern eine umfassende Reform der Euro-Zone. Francois Villeroy de Galhau und Jens Weidmann plädieren in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" dafür, dass die Euro-Länder in erheblichem Masse Souveränität und Befugnisse auf die europäische Ebene übertragen. "Eine stärkere Integration scheint der naheliegende Weg zu sein, um das Vertrauen in den Euro-Raum wiederherzustellen." Dazu fordern sie unter anderem die Schaffung eines gemeinsamen Finanzministeriums für die Währungsgemeinschaft, den Aufbau einer effizienten und weniger zersplitterten europäischen Verwaltung sowie die Bildung eines stärkeren politischen Gremiums, das politische Entscheidungen trifft und der parlamentarischen Kontrolle unterliegt. "Diese neuen Institutionen könnten dafür sorgen, das Gleichgewicht zwischen Haftung und Kontrolle wiederherzustellen," schreiben Weidmann und Villeroy de Galhau.

UMSTRITTENE ANLEIHEN: Die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt bei ihren umstrittenen Staatsanleihen-Käufen den Fuss etwas vom Gas. Die Euro-Wächter nahmen in der Woche bis zum 5. Februar Staatsbonds im Volumen von 13,16 Milliarden Euro in ihre Bücher, wie die EZB mitteilte. In der Woche zuvor waren es 14,52 Milliarden. Die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder haben die Käufe im März 2015 gestartet und mittlerweile Titel im Umfang von 557,33 Milliarden Euro erworben. Ziel des auf 1,5 Billionen Euro angelegten und bis mindestens März 2017 laufenden Programms: Banken sollen weniger in Anleihen investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft ausreichen, was die Konjunktur fördern und die aus EZB-Sicht gefährlich niedrige Inflation anheizen würde.

INDIEN HÄNGT CHINA AB: Indien stellt China beim Wirtschaftswachstum in den Schatten. Von Oktober bis Dezember legte das Bruttoinlandprodukt binnen Jahresfrist um 7,3 Prozent zu, wie die indische Regierung mitteilte. In der Volksrepublik lag das Plus bei lediglich 6,8 Prozent. Für das gesamte Steuerjahr - das erst im März endet - rechnet die indische Regierung mit einem Plus von 7,6 Prozent. Im Jahr davor waren es 7,2 Prozent. Chinas Wirtschaft kühlte sich dagegen nach jahrzehntelangem Boom zuletzt ab und wuchs 2015 mit 6,9 Prozent so gering wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Allerdings trauen manche Experten - ähnlich wie in China - der offiziellen Statistik in Indien nicht über den Weg. Sie passe nicht zu den schwachen Exporten sowie den Daten zu Investitionen und Auftragsentwicklung.

MANAGERWECHSEL NACH ABGAS-SKANDAL: Volkswagen wechselt die Leitung des Qualitätsmanagements im Konzern aus. Zum 15. Februar übernimmt Hans-Joachim Rothenpieler, bisher Entwicklungsvorstand bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, das Amt von Frank Tuch, wie der Autokonzern mitteilte. Der bisherige Qualitätschef verlasse das Unternehmen auf eigenen Wunsch und stehe Volkswagen weiterhin beratend zur Verfügung. Das Unternehmen bedauere die Entscheidung, hiess es in der Mitteilung weiter. Tuch gehörte zu den Managern, die wegen des Skandals um die Manipulation von Diesel-Abgaswerten beurlaubt worden waren, wie die Nachrichtenagentur Reuters von zwei Insidern erfahren hatte. Offiziell bestätigt wurde das jedoch nicht. Der 58-jährige Rothenpieler arbeitet seit 30 Jahren bei Volkswagen.

KONSUMFREUDIGE IREN: Die Kauflaune der Iren ist so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen kletterte im Januar um 4,7 auf 108,6 Punkte, wie die KBC Bank Ireland mitteilte. Die Konsumenten schätzen sowohl ihre persönliche finanzielle Situation besser ein als auch die wirtschaftlichen Aussichten des Landes. So erwarten 62 Prozent einen Aufschwung in den kommenden zwölf Monaten, nur 13 Prozent einen Abschwung. Irland hat sich nach Jahren der Krise zu der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft Europas gemausert. 2015 ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 6,6 Prozent gestiegen, schätzt die Notenbank. Für 2016 erwartet sie ein Plus von 4,8 Prozent.

(AWP)