Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 19. Juli 2016
19.07.2016 17:24

SCHWÄCHERE ERGEBNISSE: Novartis hat für das zweite Quartal schwächere Ergebnisse vorgelegt. Der Umsatz sank um 2 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar. Der Hauptgrund ist, dass das einst umsatzstärkste Novartis-Medikament in den USA den Patentschutz verloren hat. Es handelt sich dabei um den Blockbuster Glivec, ein Leukämiemedikament. Zwei andere Medikamente sollen die Umsatzausfälle von Glivec ausbügeln: Das Herzmedikament Entresto und das Schuppenflechten-Medikament Cosentyx. Bis sie ihr Blockbuster-Potenzial erreicht haben, dauert es aber noch. Im zweiten Quartal waren daher auch die Gewinnzahlen rückläufig: Der Betriebsgewinn sank um 8 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar, der Reingewinn um Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar.

NEUER CHEF: Der 48-jährige Stefan Butz wird neuer Chef beim Handels- und Dienstleistungskonzern DKSH. Er wird Ende März 2017 Nachfolger von Jörg Wolle, der das Präsidium übernehmen soll. Wie bereits Anfang Jahr mitgeteilt, hatte DKSH frühzeitig die Weichen für den personellen Wechsel gestellt. In einem umfangreichen Verfahren wurde darum nach einem Nachfolger für Wolle gesucht. Die Wechsel sind für den Zeitpunkt nach der Generalversammlung 2017 geplant. Der gebürtige Deutsche Stefan Butz arbeitete zuletzt in leitender Position bei der Intertek Group in London. Dieses Unternehmen ist in der Prüf-, Sicherheits- und Qualitätssicherungsbranche tätig und beschäftigt 40'000 Mitarbeiter.

UMBAU: Die auf Vermögensverwaltung spezialisierte Bank Julius Bär gruppiert ihre Regionenstruktur um. Neu wird es ab 1. September eine Region Schwellenländer geben, in der die Bank die ehemaligen Ostblock-Staaten in Europa, den Mittleren Osten und Afrika zusammenfasst. Der Region Europa, zu der bereits jetzt Mittel- und Nordeuropa zählen, wird neu Südeuropa und Israel zugeschlagen. Gestrichen wird die Geschäftseinheit "Unabhängige Vermögensverwalter". Diese Kunden werden künftig nicht mehr zentral, sondern von den Regionen betreut. Diese Umgestaltung führt auch zu einem Sesselrücken in der Chefetage. So werden die Chefposten von zwei der insgesamt fünf Regionen neu besetzt. Zudem erhält die Bank einen neuen operativen Chef.

GEWINNPLUS: Der Logistikkonzern Kühne+Nagel hat im ersten Halbjahr trotz schwierigem Marktumfeld den Reingewinn um 9,2 Prozent auf 356 Millionen Franken gesteigert. Der Umsatz ging zwar leicht um etwa ein halbes Prozent auf 8,14 Milliarden Franken zurück. Dennoch hat Kühne+Nagel effizient gearbeitet. Dies zeigt sich gemäss Kühne+Nagel im Rohertrag (Bruttogewinn). Dieser legte um 7,9 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken zu. Der operative Gewinn (EBIT) stieg sogar um 11 Prozent auf 455 Millionen Franken.

REKORDBUSSE: Wegen illegaler Preisabsprachen bestraft die EU-Kommission vier Lkw-Hersteller mit einer Rekord-Geldbusse von knapp 2,93 Milliarden Euro. Die höchste Strafe entfällt mit über einer Milliarde Euro auf Daimler. Gebüsst werden zudem der US-Produzent Paccar, dessen Lastwagen unter der Marke DAF fahren, der schwedische Hersteller Volvo und der französische Konzern Renault, die beim Lkw-Bau zusammenarbeiten, sowie der italienische Konzern CNH mit seiner Lkw-Marke Iveco. Die Münchner VW-Tochter MAN kommt als Hinweisgeberin straffrei davon. Sie hatte die Ermittlungen durch eine Selbstanzeige ins Rollen gebracht. Das Kartell war nach Angaben der EU-Kommission 14 Jahre lang aktiv. Die Lkw-Hersteller sprachen unter anderem die Verkaufspreise für Lastwagen ab.

GEDÄMPFTE ERWARTUNGEN: Nach dem Brexit-Votum sind die Konjunkturaussichten für den Euroraum laut Einschätzung von Finanzmarktexperten drastisch gesunken. Im Juli stürzte dieser Teilindex des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) um 34,9 Punkte auf minus 14,7 Punkte ab. Auch die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum bewerteten die Experten negativer. Hier ging der Index um 2,4 Punkte auf minus 12,4 Punkte zurück, wie das Institut mitteilte. Das ZEW befragte von Anfang bis Mitte Juli 220 Analysten und institutionelle Anleger.

STEIGENDE PREISE: Flüge von Fussball-Fans zur EM nach Frankreich haben die britische Inflation im Juni in die Höhe getrieben. Die Konsumentenpreise lagen im Schnitt rund 0,5 Prozent höher als vor Jahresfrist, wie das nationale Statistikamt ONS mitteilte. "Die steigenden Preise bei europäischen Flügen, wohl angeschoben durch die Fussball-EM, waren der entscheidende Grund für das Anziehen der Inflation in dem Monat", sagte ein Statistiker. Zudem habe der höhere Ölpreis das Leben verteuert.

WENIGER STELLEN: Die Banken in Deutschland haben im vorigen Jahr fast 13'000 Stellen gestrichen - so viele wie seit 2004 nicht mehr. Die Zahl der Beschäftigten im Kreditgewerbe ging im Vergleich zum Vorjahr um 2,0 Prozent auf 627'150 zurück. Dies zeigt die jüngste Beschäftigtenerhebung des Arbeitgeberverbands des privaten Bankgewerbes (AGV Banken). Und der Abbau dürfte 2016 weitergehen. Die Deutsche Bank will im Zug der Ausdünnung des Filialnetzes allein im Inland mehr als 3000 Stellen streichen. Und auch bei der Commerzbank wird im Zusammenhang mit der neuen Strategie, die im Herbst vorgestellt werden dürfte, ein weiterer Stellenabbau erwartett.

BREXIT-ANGST: Der niederländische Chemiekonzern AkzoNobel warnt vor einer Belastung seines Geschäfts durch das Brexit-Votum. Ein möglicher Abschwung im britischen Haus- und Wohnungsbaumarkt nach dem Brexit-Votum könnte die Nachfrage nach den Innenraum- und Fassadenfarben des Chemiekonzerns dämpfen, sagte AkzoNobel-Chef Ton Buechner. Hinzu kämen Schwankungen beim Pfund und anderen Währungen wegen geopolitischer Unsicherheiten. Die Äusserungen belasteten die AkzoNobel-Aktie. Daran änderte auch nichts, dass der Hersteller der Farben-Marke Dulux für das zweite Quartal mit 491 Millionen Euro einen Betriebsgewinn (Ebit) auswies, der höher als erwartet ausfiel.

GEWINNPLUS: Europas grösster Online-Modehändler Zalando hebt nach einem deutlichen Gewinnsprung im zweiten Quartal seine Ziele fürs Gesamtjahr an. Die bereinigte operative Rendite (Ebit-Marge) werde 2016 zwischen 4,0 und 5,5 Prozent liegen. Bisher hatte Zalando 3,0 bis 4,5 Prozent in Aussicht gestellt. Der Umsatz von Zalando kletterte von April bis Juni um etwa 26 Prozent auf 924 Millionen Euro. Zalando rechnet fürs Gesamtjahr weiterhin mit einem Wachstum von etwa 25 Prozent. 2015 waren es noch 34 Prozent.

ZINSSENKUNG: Nach dem gescheiterten Putschversuch setzt die türkische Zentralbank ihre Serie von Zinssenkungen fort. Sie nahm den Satz für Übernachtkredite von 9,0 auf 8,75 Prozent zurück. Damit hat die Notenbank den fünften Monat in Folge den Zins gesenkt. Experten hatten mit diesem Schritt gerechnet, einige aber auch mit einer stärkeren Senkung um 0,5 Punkte. Ausbleibende Touristen nach mehreren Anschlägen, steigende Anzahl von Firmenpleiten und viele faule Kredite bei den Banken setzten der Türkei zuletzt zu. Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci hatte zu Wochenbeginn gesagt, er erwarte von der Zentralbank eine Fortsetzung ihrer "unerschrockenen" Zinssenkungen.

ZU WENIG: Der US-Saatgutriese Monsanto gibt sich mit der aufgestockten Übernahmeofferte von Bayer noch nicht zufrieden. Das Angebot sei "finanziell unangemessen" und reiche noch nicht aus, um die Aktionäre zur Annahme zu bewegen, erklärte Monsanto. Das US-Unternehmen hatte sich nicht geäussert, seit Bayer am vergangenen Donnerstag seine von 122 auf 125 Dollar je Aktie erhöhte Offerte öffentlich gemacht hatte. Monsanto bleibe offen für konstruktive Gespräche mit Bayer über die Machbarkeit einer Übernahme - aber auch mit anderen Interessenten, hiess es in der Mitteilung.

GEWINNPLUS: Eine Erholung im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Kostensenkungen haben der Investmentbank Goldman Sachs im Frühjahr auf die Sprünge geholfen. Der Nettogewinn schnellte im zweiten Quartal um 78 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar in die Höhe und übertraf damit deutlich die Erwartungen von Analysten. Goldman Sachs sparte - wie die heimischen Rivalen JPMorgan und Bank of America - gegen die schrumpfenden Einnahmen an. Die Erlöse sanken im Quartal binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf 7,93 Milliarden Dollar, sie waren damit aber ein Viertel höher als zu Jahresbeginn.

UMSATZPLUS: Eine starke Nachfrage nach neuen Medikamenten hat dem US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson im zweiten Quartal ein Umsatzplus beschert. Die Erlöse seien um fast vier Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar geklettert, teilte der Hersteller beispielsweise von Neutrogena-Creme mit. Ein grösseres Plus verhinderten Währungsschwankungen, die das Geschäft mit Pflegeprodukten wie Listerine-Mundspülung und o.b.-Tampons bremsten. Der Gewinn fiel unter anderem auch wegen Abschreibungen um mehr als elf Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar. J&J bietet neben Medikamenten und Gesundheitsprodukten auch medizinische Artikel wie künstliche Hüften und Fäden für Wundnähte an.

(AWP)