Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 20. Juli 2016
20.07.2016 17:48

LONZA MIT REKORD-ERGEBNIS: Der Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza hat gemäss eigenen Angaben das beste erste Halbjahr in der Unternehmensgeschichte erzielt. Der Umsatz stieg von 1,9 Milliarden Franken im Vorjahressemester auf 2,0 Milliarden, der Betriebsgewinn (EBIT) von 192 auf 292 Millionen Franken. Und unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 194 Millionen Franken, nach 111 Millionen vor einem Jahr. Aufgrund der starken Entwicklung erhöht Lonza seine Prognose für das Gesamtjahr. Neu erwartet das Unternehmen, dass der von ihr ausgewiesene Kernbetriebsgewinn zweistellig wächst. Bisher war ein Plus von mehr als fünf Prozent angepeilt worden.

BESSERE ERGEBNISSE: Nach dem schwierigen vergangenen Jahr - die Mitarbeiter mussten wegen des Frankenschocks unbezahlte Mehrarbeit leisten - ist Georg Fischer (GF) gut ins laufende Jahr gestartet. Der Reingewinn des Schaffhauser Industriekonzerns betrug im ersten Halbjahr 109 Millionen Franken. Das sind 36 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Das Betriebsergebnis (EBIT) legte um einen Fünftel auf 153 Millionen Franken zu. Dies bei einem um 3 Prozent höheren Umsatz von 1,9 Milliarden Franken. Das Unternehmen hat also die Profitabilität massgeblich gesteigert. Dazu hätten alle Divisionen beigetragen, schreibt Georg Fischer. Insbesondere aber die Rohrleitungssparte, die grösste Sparte des Unternehmens.

ÜBERKAPAZITÄT BEI FRACHT: Das Transport- und Logistikunternehmen Panalpina hat im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch erlitten. Mit 21,8 Millionen Franken fällt der Konzerngewinn nicht einmal halb so hoch aus wie im Vorjahr. Grund für den tieferen Gewinn ist dabei eine Rückstellung von 26 Millionen Franken für die Restrukturierung des Geschäfts. Weil Panalpina keinen unmittelbaren Aufschwung im Öl- und Gasgeschäft erwartet, reduziert das Unternehmen seine Kapazitäten. Operativ konnte sich das Unternehmen in einem insgesamt schrumpfenden Markt vor allem dank dem zunehmenden Luftfrachtgeschäft halten. Beim Ausblick zeigt sich das Logistikunternehmen optimistisch. So erwartet Panalpina insgesamt eine anziehenden Nachfrage.

DROHENDE KÜNDIGUNGEN: Am Roche-Standort Rotkreuz ZG sind 44 Mitarbeitende von der Kündigung bedroht. Findet das Unternehmen keine interne Lösung für diese Angestellten, werden sie entlassen. Grund dafür ist eine Reorganisation. In Forschung und Entwicklung von Roche Diagnostics wird gegenwärtig eine neue, globale Einheit aufgebaut. Die meisten Stellen in Rotkreuz hätten in diese neue Organisation übertragen werden können. Für 44 Mitarbeitende habe man allerdings keine Lösung gefunden, sagte eine Roche-Sprecherin auf Anfrage der sda und bestätigte damit eine Meldung des Nachrichtenportals zentralplus.

HANDY-ABO-VERGLEICH: Ein Handy-Abo von Salt ist für vier von sechs Nutzertypen die beste Wahl. Dies zeigt ein Tarifvergleich von Dschungelkompass.ch und der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Mittelnutzer und Personen, die viel telefonieren, aber wenig Daten brauchen, fahren mit Salts Angebot "Das ABO Swiss" am besten. Vielnutzer und Personen, die wenig telefonieren, aber viel surfen, greifen am besten zu Salts Abo "Plus Basic". Wenignutzern empfiehlt der Vergleich das Prepaid-Angebot "Budget 15" von Sunrise. Und bei den Flatrates ist Coop Mobile mit ihrem Angebot "Swiss Flat" in Kombination mit der Option "Unlimited Data" am günstigsten.

PRODUKTION GESTOPPT: Novartis hat die Produktion von Tuberkulose-Medikamenten in Pakistan eingestellt. Der Konzern bestätigte den Produktionsstopp am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Pharmariese, der rund 30 Prozent des pakistanischen Markts für TB-Medikamente kontrolliert, erwägt laut einem Sprecher gar den kompletten Rückzug aus dem Business. Novartis und andere Pharmakonzerne kritisieren, dass die Drug Regulatory Authority of Pakistan die Preise in den vergangenen Jahren zu wenig stark angehoben hat. Sie verlangen eine durchschnittliche Erhöhung der Preise für regulierte Medikamente um 30 Prozent, damit deren Produktion genügend profitabel bleibt.

AUF ALLZEITHOCH: In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein haben noch nie so viele Gebrauchtwagen den Besitzer gewechselt wie im ersten Halbjahr 2016. Die Verkäufe von Occasionsautos stiegen um 3,6 Prozent auf 441'264. Grund dafür ist das historisch tiefe Preisniveau. Dieses sei auf die stark gesunkenen Neuwagenpreise und das Überangebot zurückzuführen, teilten der Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) und der Datenverarbeiter Eurotax mit. Dennoch konnte der Autohandel den rückläufigen Neuwagenabsatz (-2,3 Prozent) nur teilweise kompensieren, da die Margen im Handel mit Gebrauchtwagen stark unter Druck stünden, hiess es in der Mitteilung. Von dem Anstieg konnten fast alle Marken profitieren. Einzig die Gebrauchtwagen von Toyota waren weniger gefragt (-0,1 Prozent).

SINKENDE ERWARTUNGEN: Nach Einschätzung von Finanzexperten wird sich die Konjunkturlage in der Schweiz nicht so schnell verbessern. Ein Grund für die gesunkenen Erwartungen dürfte der Brexit-Entscheid sein. Die neuste Umfrage der Credit Suisse und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist die erste nach dem Volksentscheid der Britinnen und Briten, aus der EU auszutreten. Befragt wurden 35 Analysten im Zeitraum vom 4. -15. Juli. Die Prozentzahl derjenigen Analysten, die eine Verbesserung für die hiesige Konjunktur erwarten, fiel gegenüber der Juni-Umfrage um 11,7 Prozentpunkte auf noch 20,6 Prozent. 14,7 Prozent der Befragten rechnen gar mit einer konjunkturellen Eintrübung (+1,8 Prozentpunkte).

HÖHERE RÜCKSTELLUNGEN: Volkswagen hat wegen des anhaltenden Rechtstreits zur Beilegung des Dieselskandals in den USA weitere 2,2 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Aufgrund weiterer rechtlicher Risiken, die im Wesentlichen auf Nordamerika entfielen, seien im ersten Halbjahr negative Sondereinflüsse in dieser Höhe verbucht worden, teilte der Wolfsburger Konzern mit. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen sei trotz der Abgaskrise in der ersten Jahreshälfte auf 7,5 Milliarden Euro geklettert. Nach Sondereinflüssen lag das operative Ergebnis bei 5,3 Milliarden Euro. Volkswagen hatte seine Rückstellungen wegen des Dieselskandals unlängst bereits auf 16,2 Milliarden Euro aufgestockt. Allein der jüngst mit US-Behörden und Privatklägern vereinbarte Vergleich verschlingt umgerechnet bis zu 13,8 Milliarden Euro.

NEUER SCHUTZMECHANISMUS: Die EU-Kommission entwickelt ein neues Verfahren zur Abwehr von Billigkonkurrenz aus China. Weil Abmachungen mit Peking vorsehen, dass Anti-Dumping-Zölle von Mitte Dezember an nicht mehr wie bisher berechnet werden dürfen, soll möglichst schnell ein völlig neues System eingeführt werden. Es gehe darum, die wirtschaftlichen Interessen Europas und Arbeitsplätze zu verteidigen, erklärte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström in Brüssel. Die EU werde sich mit dem neuen System an die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) halten, gleichzeitig aber das aktuelle Schutzniveau erhalten.

DEM RIVALEN UNTERLEGEN: Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat im zweiten Quartal weniger verdient. Einsparungen konnten dabei Schwächen im Handel nicht ausgleichen. Der Nettogewinn summierte sich auf 1,43 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Ergebnis von 1,69 Milliarden Dollar zu Buche gestanden. Allerdings sind die Zahlen nur bedingt vergleichbar, weil Morgan Stanley nach neuer Rechnungslegung nicht mehr Veränderungen der Schuldenlast im Quartalsergebnis widerspiegeln muss. Morgan Stanley schnitt damit deutlich schlechter als Erzrivale Goldman Sachs ab. Der Konkurrent hatte am Dienstag einen Gewinnsprung von 78 Prozent für das Frühjahresquartal gemeldet.

ANLEIHENKÄUFE GEHEN WEITER: Die EZB wird nach Einschätzung von Experten wegen der nach dem Brexit-Votum erwarteten Konjunkturabkühlung ihre Anleihenkäufe über März 2017 hinaus verlängern. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde voraussichtlich zudem auch Staatsanleihen mit einer Rendite unterhalb des Einlagenzinses von aktuell minus 0,4 Prozent erwerben, ergab eine aReuters-Umfrage unter Ökonomen. Allerdings rechnen die Experten nicht damit, dass die Währungshüter ihre Geldpolitik schon auf der Sitzung am Donnerstag ändern. Investoren waren nach der Entscheidung der Briten für den EU-Ausstieg ihres Landes in als sicher geltende Anleihen geflüchtet. Dies hatte die Renditen vieler Euro-Staatstitel weiter gedrückt mit der Folge, dass inzwischen immer mehr Anleihen eine negative Rendite aufweisen.

SCHLECHTERE STIMMUNG: Das Konsumklima in der Euro-Zone hat sich nach dem Brexit-Votum eingetrübt. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen sank im Juli auf minus 7,9 Punkte von minus 7,2 Zählern im Juni und damit das zweite Mal in Folge, wie die EU-Kommission mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten in etwa mit diesem Wert gerechnet. Die Briten haben sich Ende Juni in einem Referendum entschieden, die Europäische Union zu verlassen. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die britische Wirtschaft im kommenden Jahr in die Rezession rutschen könnte. Dies dürfte auch die Konjunktur in der Euro-Zone belasten.

ÜBERNAHME: Der Roboterhersteller Kuka im deutschen Augsburg ist nach dem Übernahmeangebot des Hausgeräteherstellers Midea zu fast 86 Prozent in chinesischer Hand. Nach Ablauf der Übernahmefrist hält Midea 85,69 Prozent an Kuka, wie die Chinesen mitteilten. Der Erfolg hatte sich abgezeichnet. Midea hatte den Kuka-Anteilseignern mit 115 Euro je Aktie einen kräftigen Aufschlag auf den Börsenkurs geboten. Trotz der hohen Annahmequote haben die Chinesen zugesagt, Kuka nicht von der Börse zu nehmen und dem deutschen Unternehmen mindestens bis Ende 2023 seine Unabhängigkeit zu belassen.

KOOPERATION: General Electric will sein Geschäft mit der zukunftsträchtigen Digitalisierung industrieller Produktion in China vorantreiben. Dazu kündigte der US-Konzern eine Partnerschaft mit dem chinesischen Netzwerk- und Handybauer Huawei an. Ziel sei es, vernetzte Maschinen zu entwickeln, um Kosten zu senken und Produktionsabläufe zu optimieren. Auch könnten auf diese Weise der Schadstoffausstoss und der Wartungsbedarf in der Produktion gesenkt sowie die Sicherheit erhöht werden.

VERKAUF GEBILLIGT: Das Raumfahrtunternehmen Airbus Safran Launchers (ASL) darf den europäischen Raketenbetreiber Arianespace nach einer Entscheidung der EU-Kartellwächter unter Auflagen übernehmen. Zwischen beiden Teilen des künftigen Gemeinschaftsunternehmens dürften Mitarbeiter aber unter anderem nicht frei hin- und herwechseln, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Zudem dürfen wettbewerbsrelevante Informationen über Drittunternehmen nicht ausgetauscht werden. Damit werde sichergestellt, dass konkurrierende Satellitenhersteller nicht benachteiligt würden. Arianespace gehört zu den weltweit führenden Unternehmen für den Start kommerzieller Satelliten. Die Firma vermarktet auch die beiden von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA finanzierten Trägerraketen Ariane und Vega.

GIGANTISCHE TEUERUNG: Die Inflation in Venezuela erreicht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr schwindelerregende Höhen. Die Teuerungsrate liege 2016 voraussichtlich bei über 700 Prozent, teilte der IWF am Mittwoch in einem Bericht zu den Wachstumsaussichten in Lateinamerika mit. Das wäre der weltweit höchste Wert. Der IWF geht zudem davon aus, dass die Wirtschaft in Venezuela in diesem Jahr um zehn Prozent schrumpft, 2017 noch einmal um weitere 4,5 Prozent. Grund für die Entwicklung seien "Verzerrungen" der Wirtschaftspolitik und "budgetäre Ungleichgewichte", die nicht korrigiert worden seien, erklärte der Währungsfonds. Venezuela erlebt derzeit eine tiefe Rezession und steckt in einer schweren Versorgungskrise.

EINE MILLIARDE NUTZER: Facebooks Kurzmitteilungsdienst Messenger hat die Marke von einer Milliarde Nutzer geknackt. Damit untermauert das weltgrösste Online-Netzwerk seine dominierende Position bei den SMS-Alternativen: Zu Facebook gehört auch WhatsApp mit ebenfalls mehr als einer Milliarde Nutzer. Der Messenger, den Facebook auch als Plattform für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden etablieren will, gewann seit Jahresbeginn 200 Millionen Nutzer hinzu.

(AWP)