Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 23. August 2016
23.08.2016 17:56

EXPANSION NACH INDIEN: Nach einem Rekordergebnis im ersten Halbjahr setzt der Zahnimplantate-Hersteller Straumann seinen weltweiten Expansionskurs fort. Mit einer Akquisition in Indien will sich der Basler Konzern Zugang zu einem riesigen Markt mit fast 1,3 Milliarden Menschen verschaffen. Straumann übernimmt den lokalen Dentalimplantate-Hersteller Equinox zu einem ungenannten Preis. Der Deal soll bald abgeschlossen werden. Bei Equinox, tätig im preiswerten Value-Segment, handelt es sich um ein relativ kleines Unternehmen mit 75 Angestellten. Die Firma mit einem Marktanteil von 15 Prozent in Indien wachse jedoch rasch und profitabel. Weiter konnte Straumann starke Halbjahreszahlen präsentieren: Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 461 Millionen Franken, der Betriebsgewinn (EBIT) um 38 Prozent auf 129 Millionen Franken.

GEBREMSTES WACHSTUM: Der tiefe Milchpreis hat bei Emmi im ersten Semester 2016 auf den Umsatz gedrückt. Der Milchverarbeiter konnte nur dank Zukäufen und positiven Währungseffekten wachsen. Aus eigener Kraft dagegen erwirtschaftete das Unternehmen weniger Umsatz. Wie Emmi mitteilte, betrug der Umsatz in den ersten sechs Monaten 1,6 Milliarden Franken. Dies sind 30'000 Franken oder 2,0 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Enthalten sind in diesem Wachstum auch Zukäufe und Währungseffekte. Organisch schrumpfte der Umsatz hingegen um 0,7 Prozent. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg um 9,5 Prozent auf 92,5 Millionen Franken. Die EBIT-Marge verbesserte sich von 5,4 Prozent auf 5,8 Prozent. Dies sei auch ein Resultat der Effizienzsteigerungen im Ausland, schreibt Emmi im Aktionärsbrief.

STELLENSTREICHUNGEN: Die Privatbank Vontobel übernimmt bekanntlich von Raiffeisen die Vermögensverwaltungstochter Vescore. Jetzt ist klar, dass Vontobel die Asset-Management-Tochter am 20. September übernehmen wird. Dabei können bis zu 60 Mitarbeitende ihre Stelle verlieren. Dies geht aus einem internen Schreiben an die Mitarbeiter hervor, dass der "Finanz und Wirtschaft" vorliegt, wie einem Vorabdruck der Wirtschaftszeitung zu entnehmen ist. Peter Dietlmaier, Sprecher bei der Bank Vontobel bestätigt dies gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Mit dem Stellenabbau sollen die Strukturen bei Vescore schlanker werden und zudem Doppelstrukturen vermieden werden. Darüber hinaus sollen Teile von Vescore verkauft werden.

BESSERER AUSSENHANDEL: Der Schweizer Aussenhandel hat im Juli etwas an Fahrt gewonnen. Zwar gingen die Ausfuhren in dem Sommermonat um 1,5 Prozent auf 17,7 Milliarden Franken zurück. Die Einfuhren erhöhten sich dagegen im Vorjahresvergleich um 2 Prozent auf 14,8 Milliarden Franken. Unter dem Strich schloss die Handelsbilanz der Schweiz im Juli laut der Eidgenössischen Zollverwaltung mit einem Überschuss von 2,9 Milliarden Franken, da die Exporte wertmässig höher waren als die Importe. Im Vergleich mit dem Vorjahr ging der Überschuss allerdings um 0,6 Prozent zurück. Der Juli 2016 hatte im Vorjahresvergleich zwei Arbeitstage weniger, weshalb einige Zahlen bereinigt um diesen Effekt besser aussehen.

KAUM IRAN-GESCHÄFTE: Die Schweizer Exporte in die Islamische Republik von Januar bis Juli brachen sogar um 66 Prozent auf rund 236 Millionen Franken ein. Als Hauptgrund für diesen starken Rückgang gibt die Eidgenössische Zollverwaltung an, dass die Ausfuhren an Edelmetallen und Schmucksteinen im Wert von rund 458 Millionen Franken wegfielen. Exportschlager der Schweiz nach Iran waren in den ersten sieben Monaten aber chemisch-pharmazeutische Produkte, deren Ausfuhrwert sich um 3 Prozent auf rund 136 Millionen Franken erhöhte. Ganz anders sieht es dagegen beim Exportweltmeister Deutschland aus. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters betrugen die deutschen Exporte nach Iran allein im ersten Halbjahr rund 1,1 Milliarden Euro und erhöhten sich damit um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet die Deutsch-Iranische Handelskammer mit einem Zuwachs zwischen 20 und 25 Prozent.

GEFÄHRLICHER GELDREGEN: Die Kreditwürdigkeit der meisten wichtigen Schweizer Unternehmen ist laut der Credit Suisse weiterhin gut . Risiken ortet die Grossbank im günstigen Kreditumfeld, das hohe Auszahlungen an Aktionäre fördert und damit die Liquidität einschränken könnte. Die attraktiven Refinanzierungskonditionen und die Unterstützung der Zentralbank für die Anleihen-Anlageklassen unterstützen laut der CS hohe Auszahlungen an Aktionäre. Die Dividenden stiegen bei den erfassten Unternehmen oder blieben stabil. Zusätzlich kauften sie alle deutlich mehr eigene Aktien zurück. Insgesamt beliefen sich diese Aktienrückkäufe auf 13,7 Milliarden Franken - 60 Prozent mehr als im Vorjahr und 429 Prozent mehr als 2013.

IMPLENIA IM AUFWIND: Der Baukonzern Implenia hat im ersten Halbjahr 2016 wieder mehr verdient, nach einem Gewinnknick im Vorjahr. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 9,2 Millionen Franken zu Buche, 14,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis stieg um rund 40 Prozent auf 19,5 Millionen Franken, der Umsatz erhöhte sich um 3,3 Prozent auf 1,57 Milliarden Franken. Im Vorjahr hatten noch Sonderkosten für die Akquisition von Bilfinger Construction das Ergebnis gedrückt. Zudem fuhr Implenia in der Schweiz einen Verlust wegen unrentablen Bauprojekten in der Westschweiz ein. Das Segment schrieb nun wieder Gewinn.

GEWINNRÜCKGANG: Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) hat im ersten Semester weniger Gewinn erwirtschaftet als vor einem Jahr. Der Konzerngewinn ging um 2,4 Prozent auf 89,1 Millionen Franken zurück. Für das Gesamtjahr wird trotzdem unverändert ein Gewinn auf der Vorjahreshöhe von rund 180 Millionen Franken angestrebt. Wichtigstes Standbein ist für die börsenkotierte LUKB das Zinsengeschäft. Dort konnte der Nettoerfolg um 4,2 Prozent auf 154,6 Millionen Franken gesteigert werden. Als Gründe für die Zunahme nennt die Bank das Wachstum bei den Ausleihungen, rückläufige Absicherungskosten und Einnahmen aus Negativzinsen. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten hielten die Kunden viel Liquidität und seien an den Finanzmärkten zurückhaltend, schreibt die Bank. Die Erfolge aus dem Kommissionsgeschäft und dem Handelsgeschäft seien deswegen um 7,2 Prozent respektive 13,0 Prozent tiefer ausgefallen als im Vorjahr.

UMSATZSCHUB FÜR KOMAX: Die Kabelverarbeitungsmaschinen-Herstellerin Komax profitiert von der gut laufenden Autobranche und deren technischen Fortschritten, die mehr zu verarbeitende Kabel und auch Automatisierungen der Kabelverarbeitung nötig machen. Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr um einen Fünftel auf 177,5 Millionen Franken. Dazu trugen auch mehrere Zukäufe bei. Der Bestellungseingang stieg um 5,3 Prozent auf 174 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 15,3 Prozent auf 27 Millionen Franken, wobei Restrukturierungskosten in Deutschland das Ergebnis mit 1,7 Millionen Franken belasteten. Der Reingewinn zog um 72,1 Prozent auf 20,4 Millionen Franken an.

EXPANSION IN WESTEUROPA: Der Lebensmittelhersteller Orior expandiert im Ausland. Der Schweizer Bündnerfleisch- und Salamiproduzent übernimmt das belgische Unternehmen Culinor, das Fertigmenüs und Menükomponenten für den Detailhandel und die Gastronomie herstellt. Dies eröffnet zusätzliches Potential für Wachstum und neue Inspiration für Innovationen. Damit schafft Orior den lange angestrebten Sprung im europäischen Markt. Culinor erzielt mit rund 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 88 Mio. Euro. Das Unternehmen liefert 40 Mio. Mahlzeiten pro Jahr. Orior selber hat im ersten Halbjahr bei einem leicht tieferen Umsatz mehr verdient. Der Umsatz sank um 0,8 Prozent auf 239,5 Mio. Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg dagegen dank Kosteneffizienz um 3 Prozent auf 15,5 Mio. Franken. Unter dem Strich konnte Orior den Reingewinn um gut 17 Prozent auf 12,1 Mio. Fr. steigern.

AUFTRAG VERLOREN: Die Standortförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise hat einen bedeutenden Auftrag verloren. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat das Mandat für das Importförderungsprogramm Sippo ab Anfang 2017 an die Stiftung Swisscontact vergeben. Dies ist das Ergebnis einer öffentlichen Ausschreibung und hat Folgen: Das Team von 14 Personen, das bei Switzerland Global Enterprise, bisher das Sippo betreut hat, wird aufgelöst. Es wird zu Entlassungen kommen. Die Organisation zur Förderung des Schweizer Wirtschaftsstandorts beschäftigt insgesamt rund 110 Mitarbeiter. Die Siegerin Swisscontact ist laut eigenen Angaben eine wirtschaftsnahe Stiftung für internationale Entwicklungszusammenarbeit mit über 1100 Mitarbeitenden. Das vom Seco finanzierte Swiss Import Promotion Programm (Sippo) hat zum Ziel, den Import aus weniger entwickelten Ländern in die Schweiz zu fördern.

PASSAGIERREKORD: Dank dem fünften Passagierrekord in Folge und einer Zunahme bei der Fracht hat der Flughafen Basel-Mühlhausen im vergangenen Jahr mehr Umsatz erzielt: Dieser stieg um 17 Prozent auf 136,6 Mio. Euro. Die Einnahmen aus der Luftfracht und ausserhalb der Luftfracht haben sich zu je rund 50 Prozent auf dem Gesamtumsatz verteilt, wie es im Jahresbericht des EuroAirports (EAP) heisst. Neben der "beträchtlichen" Zunahme des Passagierverkehrs und der Steigerung des Frachtverkehrs sei das "erfreuliche" Ergebnis auch auf den starken Franken im Verhältnis zum Euro zurückzuführen. Im Vergleich zum Jahr 2014 hat sich der Bruttobetriebsgewinn um 27 Prozent auf 59,4 Mio. Euro erhöht. Angaben zum Nettoergebnis sind derzeit aufgrund der noch offenen Fragen der Gewinnbesteuerung des Flughafens nicht möglich, wie es weiter heisst.

EXPANSION NACH AFRIKA: Der Bauchemiekonzern Sika eröffnet in Afrika zwei neue Ländergesellschaften. Mit den neuen Niederlassungen in Dschibuti und Kamerun ist das Unternehmen auf dem afrikanischen Konzern nun mit 18 Gesellschaften präsent.

WACHSTUM: Der Autozulieferer Feintool profitiert weiter vom Wachstum der globalen Autoindustrie. Im ersten Halbjahr 2016 hat das Lysser Unternehmen den Umsatz währungsbereinigt um 9,8 Prozent auf rund 279 Mio. Franken gesteigert. Auch der operative Gewinn stieg. Ebenfalls währungsbereinigt nahm dieser um 37,8 Prozent zu und stieg auf rund 21,4 Mio. Franken an. Der EBITDA erhöhte sich um 24 Prozent auf 37 Mio. Franken. Die EBIT-Marge weist Feintool mit 7,7 Prozent aus. Die Unternehmensleitung erwartet für die zweite Jahreshälfte weiterhin eine positive Geschäftsentwicklung. Bei unveränderten Wechselkursrelationen geht Feintool neu von einem Umsatzwachstum von rund 10 Prozent auf 555 Mio. Franken für das Gesamtjahr aus. Ausserdem rechnet das Unternehmen mit einer EBIT-Marge von 7,5 Prozent.

VW LEGT STREIT BEI: Der Streit zwischen dem deutschen Autokonzern Volkswagen und zwei Lieferanten ist nach einem Verhandlungsmarathon beigelegt: VW einigte sich mit den Firmen der Prevent-Gruppe auf ein Ende des Lieferstopps. Die beiden Unternehmen würden die Belieferung in Kürze wieder aufnehmen, sagte ein Volkswagen-Sprecher. Die betroffenen Standorte bereiteten nun schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor. Auch die Zuliefererseite bestätigte die Einigung. Zwischen Volkswagen und den beiden wichtigen Teilezulieferern tobte seit Tagen ein Streit um die Kündigung von Aufträgen.

SECHSTE ZINSSENKUNG: Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins den sechsten Monat gesenkt. Der Satz für Übernachtkredite werde von 8,75 auf 8,50 Prozent zurückgenommen, teilte die Notenbank mit. Ökonomen hatten mit diesem Schritt gerechnet. Denn Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wiederholt billigeres Geld gefordert. Er will eine stärker konsumgetriebene Wirtschaft und appellierte an die Geschäftsbanken, nach dem fehlgeschlagenen Militärputsch keine hohen Zinsen zu nehmen. Er drohte sogar mit Aktionen gegen diejenigen, "die den falschen Weg gehen". Investoren sind seit dem Putschversuch vom 15. Juli verunsichert - zumal der Staat schon fast 80'000 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst entfernt hat.

FUSIONSFIEBER: China forciert den Zusammenschluss staatlicher Unternehmen. Die Regierung genehmigte zum Wochenanfang eine der bislang grössten Übernahmen im Staatssektor, wie die Regulierungsbehörde mitteilte. Demnach schluckt der führende Baustoffproduzent in der Volksrepublik, China National Building Materials Group (CNBM), den kleineren Rivalen China National Materials (Sinoma). Die Übernahme ist Teil des von Präsident Xi Jinping angestossenen Plans, den schwerfälligen und Schulden geplagten Staatssektor neu zu ordnen. Chinas Wirtschaftswachstum hat sich deutlich abgeschwächt und das asiatische Land ächzt unter massiven Überkapazitäten. Damit die Staatskonzerne wieder mehr Gewinne abwerfen und ihre Schulden in den Griff bekommen, sollen sie zusammengelegt und reformiert werden.

(AWP)