Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 4. Oktober 2016
04.10.2016 17:28

KEINE ABSPALTUNG: Der Energie- und Automatisierungstechnikkonzern ABB will die Stromnetzsparte weiterführen. Damit erteilt er der Forderung des Grossaktionärs Cevian nach einer Abspaltung eine deutliche Absage. ABB hält somit an seinen vier Divisionen fest und setzt auf Partnerschaften. Mit dem amerikanischen Engineering-Unternehmen Fluor und der norwegischen Ausrüstungsfirma Aibel soll die Netzwerksparte weiter zu höherem Wachstum und mehr Profitabilität geführt werden. Im Vorfeld hat der von den Partnern Christer Gardell und Lars Förberg geführte schwedische Hedge-Fund Cevian den Konzern zu einer Abspaltung des Stromnetzgeschäfts gedrängt, um eine Preissteigerung der ABB-Aktie zu erwirken.

ABSPRACHEN: Die Wettbewerbskommission (WEKO) sanktioniert acht Strassen- und Tiefbauunternehmen für Preisabsprachen mit einer Busse von rund 5 Millionen Franken. In regelmässigen Sitzungen haben die acht Baufirmen bei mehreren hundert Ausschreibungen für die Bezirke See-Gaster (SG) sowie March und Höfe (SZ) im Zeitraum von 2002 bis 2009 die Preise festgelegt. Dadurch haben sie gemäss WEKO die Vergabe der Zuschläge manipuliert. Dies ergab sich aufgrund einer statistischen Analyse von Offertöffnungsprotokollen und Hausdurchsuchungen, welche die WEKO im April 2013 einleitete. Einem Unternehmen wurde die Busse erlassen, da es sich nach den Hausdurchsuchungen selber anzeigte.

AUFWÄRTSTREND: Die meisten Schweizer Industriezweige haben zwar im Sommerquartal weniger umgesetzt als im Vorjahr. Allerdings dürfte es nach dem Frankenschock langsam wieder bergauf gehen. Gemäss den Ökonomen der Credit Suisse scheint die Talsohle vielerorts durchschritten. Für den Maschinenbau beurteilt die Credit Suisse die Aussichten in ihrem Branchenmonitor zum dritten Quartal verhalten positiv. Auch die Metallindustrie hat demnach die schlimmsten Auswirkungen des Frankenschocks hinter sich. Es sei aber verfrüht, von einer breiten Erholung zu sprechen, hält die CS fest. Der Preis- und Importdruck bleibe nach wie vor hoch.

GESTOPPT: Der Campingbetreiber TCS hat in den ersten acht Monaten 442'268 Übernachtungen gezählt. Das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im August konnten die 27 Campingplätze 19 Prozent mehr Logiernächte verbuchen als im Vorjahresmonat. Zwischen 2010 und 2015 hatten gemäss der Mitteilung des TCS die schlechte Wirtschaftslage infolge der Finanzkrise sowie die Aufhebung des Euromindestkurses 2015 für einen Rückgang der Übernachtungszahlen um einen Fünftel gesorgt.

FLAUTE: Der IWF traut der globalen Konjunktur weiter keine grossen Sprünge zu. Die Weltwirtschaft dürfte gemäss neuesten Prognosen in diesem Jahr etwas an Fahrt verlieren und um 3,1 Prozent zulegen. Im nächsten Jahr werde es mit 3,4 Prozent etwas stärker bergauf gehen. In Schwellen- und Entwicklungsländern werde die Konjunktur eher anziehen. Für die USA zeigte sich der IWF aber skeptischer als noch im Juli. Für die weltgrösste Volkswirtschaft senkte der Fonds seine Wachstumsprognose für 2016 auf 1,6 von 2,2 Prozent und für 2017 auf 2,2 von 2,5 Prozent.

FAHNDUNG: Steuerfahnder aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen haben einem Zeitungsbericht zufolge in den vergangenen zwei Jahren Ermittlungsverfahren gegen 57 ausländische Banken eingeleitet. Unter ihnen sollen auch solche aus der Schweiz sein. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, wird den Banken aus der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Luxemburg Beihilfe zur Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Auf die Spur gekommen waren die Fahnder den Finanzinstituten durch die Auswertung von Selbstanzeigen deutscher Bürger, die den Behörden Schwarzgeldkonten im Ausland meldeten.

ABSAGE: Nachdem sich der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kritisch über die Menschenrechtslage im Iran geäussert hatte, hat der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani ein Treffen mit Gabriel kurzfristig abgesagt. Eine offizielle Begründung dafür gab es nicht. Das Treffen war zum Abschluss von Gabriels Iran-Reise geplant gewesen. Während seines Besuchs hatte Gabriel unter anderem gesagt, es gebe viel Verbindendes, aber auch manches Trennende zwischen beiden Ländern. Er nannte in dem Zusammenhang unter anderem das Existenzrecht Israels, das der Iran bestreitet. Gabriel hatte auch den Syrien-Krieg mehrfach angesprochen und die Islamische Republik dabei in die Pflicht genommen.

PROGNOSEN: Nach dem gescheiterten Putsch hat die türkische Regierung ihre Wirtschaftsprognose nach unten korrigiert. Sie rechnet für 2016 nur noch mit einem Wachstum von 3,2 Prozent, wie Ministerpräsident Binali Yildirim bei der Vorstellung des mittelfristigen Regierungsprogramms erklärte. Im Januar hatte die Regierung für dieses Jahr noch einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent erwartet. Die Wachstumsprognose für 2017 korrigierte sie von 5 auf 4,4 Prozent herab.

ABBAU: Mit einem weitreichenden Stellenkahlschlag kappt der schwedische Telekomausrüster Ericsson seine Wurzeln. Der vom Management angekündigte Abbau von 3900 Arbeitsplätzen bedeutet grösstenteils das Aus für die heimische Produktion. Die Zahl entspricht fast einem Viertel der Gesamtbelegschaft in Schweden, auf das zuletzt aber nur noch fünf Prozent der weltweiten Fertigung entfielen. Der Konzern reagiert damit auf eine hartnäckige Branchenflaute.

ZUSAMMENARBEIT: Der Pampers-Hersteller Procter & Gamble setzt beim Vertrieb und Verkauf in Hong Kong auf den Schweizer Handelskonzern DKSH. DKSH ist seit dem 1. Oktober für den Vertrieb im Detailhandel sowie die Auftragssteuerung und die Marketing-Aktivitäten in den Handelsketten verantwortlich. Demnach hat DKSH allein für das Geschäft mit Procter & Gamble ein Team von 80 Marketing- und Vertriebsmitarbeitern aufgestellt. DKSH ist in Hong Kong bereits seit 1923 aktiv und beschäftigt heute vor Ort über 1000 Mitarbeiter.

(AWP)