Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 21. November 2016
21.11.2016 17:30

MEHR STRESS: Arbeitnehmende in der Schweiz erleben ihre Arbeit mehrheitlich als sinnstiftend und nützlich. Nur eine kleine Minderheit macht sich unmittelbar Sorge um den Arbeitsplatz. Für die meisten sind aber immer mehr Stress und und emotionale Erschöpfung Realität. Verbesserungspotenzial gibt es zudem bei Weiterbildungsmassnahmen und Löhnen. Das sind einige der Ergebnisse des "Barometers Gute Arbeit", das vom Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse und der Berner Fachhochschule erarbeitet wurde. 1400 Arbeitnehmende wurden dazu im Mai in der Schweiz befragt. Unzufrieden sind gemäss der Studie vor allem Beschäftigte im Tessin und in der Genferseeregion. Während im Schweizer Durchschnitt gut 13 Prozent der Befragten sich in hohem oder sehr hohen Mass um ihren Arbeitsplatz sorgen, sind es im Tessin rund ein Fünftel und in der Genferseeregion gar über ein Viertel.

SCHWEIZER CS-TOCHTER: Die Schweizer Tochter der Grossbank Credit Suisse hat offiziell ihren Betrieb aufgenommen. Die Credit Suisse (Schweiz) AG gehört vollständig der Nummer zwei im Schweizer Bankenmarkt und bündelt die Schweizer Aktivitäten. Das Institut hat eine eigene Banklizenz. Die Schweizer Tochter wurde geschaffen, damit sich die CS im Notfall besser abwickeln lässt. Wie die Bank mitteilte, geschieht dies im Rahmen der Regulierungen der Too-big-to-fail-Gesetzgebung. Konzernchef Tidjane Thiam liess sich in der Mitteilung zitieren, die Betriebsaufnahme sei ein wichtiger Meilenstein der Unternehmensstrategie. Sie diene nicht nur der Umsetzung der Regulierungen, sondern auch der Ausweitung der Marktanteile als Universalbank.

MEHR ÜBERNAHMEN GEPLANT: Die Schweizer Grossunternehmen erwarten zwar eine Konjunktureintrübung. Dennoch wollen sie gemäss einer Studie von EY vermehrt in Zukäufe investieren. Megadeals sind gemäss des Beratungsunternehmens jedoch nicht geplant. 60 Prozent der 25 befragten Grossunternehmen in der Schweiz wollen in den nächsten zwölf Monaten eine Übernahme tätigen. Das sei der höchste Wert seit dem Rekord vom Herbst 2014, als 80 Prozent der Befragten Zukäufe planten. Vor einem halben Jahr lag dieser Anteil noch bei 35 Prozent. Weltweit ist der Anteil seit April von 50 auf 57 Prozent gestiegen. EY erklärt den gewachsenen Übernahme-Appetit mit dem Wunsch der Unternehmen, sich besser zu positionieren.

NOVARTIS KAUFT ZU: Der Pharmakonzern Novartis kauft im Hämatologie-Geschäft zu. Die Basler übernehmen die US-Biotechnologie-Firma Selexys Pharmaceuticals für bis zu 665 Millionen Dollar. Ein Vorkaufsrecht hatte sich Novartis bereits 2012 gesichert. Zudem beinhaltet die Transaktion auch einen Antikörper zur Behandlung der Sichelzellen-Anämie, einer Erbkrankheit. Der Entscheid zum Kauf basiert vor allem auf einer Phase-II-Studie über den Antikörper, wie Novartis mitteilte. Durch die Krankheit verformen sich die roten Blutkörperchen und verstopfen die Kapillargefässe, was zu Schmerzen führt.

PARTNER FÜR LECLANCHÉ: Der angeschlagene Batterienhersteller Leclanché geht eine strategische Allianz mit der chinesischen Narada Power ein. Die Chinesen werden sich auch am Kapital von Leclanché beteiligen. Wie hoch die Beteiligung sein wird, ist noch nicht bekannt. Angaben zu den finanziellen Details und zur Höhe der Beteiligung sollen erst nach der definitiven Ausführung der Vereinbarungen bekannt gegeben werden - voraussichtlich um den 31. Dezember 2016. Im Rahmen der Kooperation lizensiere Leclanché seine Lithium-Ionen-Technologie an das an der Börse in Shenzen gelistete Unternehmen aus. Die Unternehmen wollen gemeinsam in China produzieren, um Skaleneffekte zu erzielen und Produktionskosten zu senken.

KEINE BEITRITTSGESPRÄCHE: Die EFTA-Länder haben nach dem Brexit formell noch keinen Kontakt mit Grossbritannien aufgenommen. Ein Beitritt des Landes zur Wirtschaftsunion ist jedoch nicht ausgeschlossen. "Es gibt keinen formellen Kontakt" mit der britischen Regierung, sagte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann gegenüber der Nachrichtenagentur sda in Genf. In der Rhonestadt findet zurzeit ein Ministertreffen der EFTA-Länder statt. Als Bedingung für formelle Gespräche nannte Schneider-Ammann die Klärung der Position der Briten gegenüber der EU. Informelle Kontakte dagegen bestehen bereits.

TIEFE UNTERNEHMENSSTEUERN: Die britische Premierministerin Theresa May will mit dem niedrigsten Steuersatz der zwanzig grössten Industrie- und Schwellenländer die nach dem Brexit-Votum abwanderungswilligen Unternehmen im Land halten. "Mein Ziel ist nicht nur, die niedrigste Unternehmensteuer in der G20 zu haben, sondern auch eine, die Innovationen umfassend unterstützt", kündigte May bei einer Rede vor dem Unternehmerverband CBI an. Schon in Kürze wolle sie dazu detaillierte Pläne vorstellen. Nach einem Bericht des "Daily Telegraph" will May die Unternehmenssteuer möglicherweise auf unter 15 Prozent drücken.

INDIEN KREBST ZURÜCK: Nach tagelangem Tauziehen zwischen Finanz- und Agrarministerium hat Indien seine radikale Währungsreform aus der vorvergangenen Woche leicht aufgeweicht. Wie das Finanzministerium mitteilte, dürfen Landwirte ab sofort die zunächst für ungültig erklärten alten Banknoten im Wert von 500 Rupien (7,40 Franken) wieder benutzen, um Saatgut zu kaufen. Die Ausnahme gilt jedoch nur bei staatlich kontrollierten Verkäufern. In der Nacht auf den 9. November hatte Indiens Premierminister Narendra Modi überraschend die beiden grössten Banknoten des Landes im Wert von 1000 und 500 Rupien für ungültig erklärt.

NEUE FACEBOOK-JOBS: Facebook will in nächsten Jahr einen neuen Sitz in London eröffnen und dort 500 weitere Arbeitsplätze schaffen. Grossbritannien sei "einer der besten Orte für ein technologisches Unternehmen und ein wichtiger Teil in der Geschichte von Facebook", teilte Vize-Europachefin Nicola Mendelsohn mit. Das Unternehmen sei 2007 "mit einer Handvoll Mitarbeitern" nach London gekommen und wolle bis Ende nächsten Jahres 1500 Menschen in seiner neuen Zentrale in der britischen Hauptstadt beschäftigen. Gesucht werden demnach vor allem hochqualifizierte Ingenieure. In Grossbritannien seien die meisten Ingenieure ausserhalb der USA für Facebook tätig.

AIXTRON-ÜBERNAHME UNKLAR: Die Übernahme und damit die erhoffte Rettung des angeschlagenen Chip-Anlagenbauers Aixtron durch einen chinesischen Investor droht zu scheitern. Wegen Sicherheitsbedenken werden die Pläne nun auch von den US-Behörden torpediert. Bereits das deutsche Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hatte den Deal gestoppt. Das sorgte am Montag bei den Anlegern für Verdruss. Die Aktie brach um knapp zehn Prozent auf 4,25 Euro ein. "Wir haben sachliche Argumente, um die Bedenken auszuräumen", sagte ein Firmensprecher.

SYMANTEC KAUFT ZU: Der IT-Sicherheitsanbieter Symantec kauft erneut zu. Dieses Mal bietet der Anbieter des Virenschutzprogramms Norton für die US-amerikanische Firma LifeLock, einen Spezialisten für Identitätsschutz im Internet. Pro Lifelock-Aktie will Symantec 24 Dollar zahlen, wie das Unternehmen mitteilte. Insgesamt hat die Transaktion ein Volumen von 2,3 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Im Juni hatte Symantec seinen Konkurrenten Blue Coat für 4,65 Milliarden US-Dollar geschluckt und dessen Chef zu seinem neuen Unternehmenslenker gemacht. Der Vorgänger hatte im April wegen enttäuschender Quartalszahlen seinen Hut nehmen müssen.

AIRBNB PLANT STEUERDEALS: Das Zimmervermittlungsportal Airbnb will bis Ende 2017 mit 500 weiteren Städten Steuervereinbarungen schliessen. Die bis Ende 2017 insgesamt angepeilten 700 Städte sorgen für 90 Prozent der Einnahmen des Portals. Es gebe bereits 200 solcher Vereinbarungen, über die das Unternehmen Übernachtungssteuern von seinen Kunden einziehe und an die örtlichen Behörden weiterreiche, sagte Airbnb-Chef Brian Chesky der "Financial Times" . Mit einem Steuerabkommen gebe es kein "existenzielles Risiko", betonte Brian Chesky. In Frankreich, dem zweitgrössten Markt für Airbnb nach den USA, zieht das Unternehmen seit 2015 in Paris und im Skiort Chamonix automatisch Übernachtungssteuern ein. Seither wurde dies auf andere grosse Städte ausgeweitet.

WARNUNG VON FED-VIZE: Die US-Notenbank Federal Reserve warnt angesichts der Ausgabenpläne des künftigen Präsidenten Donald Trump vor einer Ausweitung der Schulden. Es gebe kaum noch Spielraum zur Vergrösserung des US-Defizits, ohne dass es langfristig zu negativen Konsequenzen komme, sagte Fed-Vizechef Stanley Fischer in New York. Derzeit gebe es grosse Unsicherheit, was die künftige Haushaltspolitik in Washington angehe. Damit schlug er ähnliche Töne an wie Fed-Chefin Janet Yellen. Sie hatte jüngst vor einem Kongressausschuss mit Blick auf die von Trump in Aussicht gestellten Steuererleichterungen und Infrastrukturprogramme zu haushaltspolitischer Umsicht gemahnt. 2015 lag der Schuldenberg der Vereinigten Staaten bei 125 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

CITI UNTER EZB-AUFSICHT: Die in Irland ansässige Tochter des US-Geldhauses Citi wird künftig direkt von der Europäischen Zentralbank (EZB) überwacht. Sie ist damit die erste US-Bank, die nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt unter die Fittiche der EZB schlüpft. Viele in Grossbritannien ansässige Unternehmen prüfen derzeit ihre Optionen, wie sie auch nach einem Brexit noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben können. EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hatte vergangene Woche bestätigt, dass mehrere Geldhäuser mit der EZB über eine Verlagerung von Geschäften in die Eurozone gesprochen haben. Die EZB nahm nun am Montag die Citibank Holdings Ireland in ihre Liste der grossen, von ihr direkt überwachten Institute auf.

(AWP)