Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 21. Juni 2017
21.06.2017 17:31

RUSSLAND-BESUCH: (Bern) Bundesrat Johann Schneider-Ammann holt die 2014 abgesagte Besuch Russlands nach. Die Reise des Wirtschaftsministers und einer Wirtschaftsdelegation wird vom 9. bis am 12. Juli 2017 stattfinden und nach Moskau und Jekaterinburg führen. Die ursprünglich erst später im Jahr geplante Russland-Reise findet laut Einladung anstelle eines Besuch in Vietnam statt, dessen Regierung wegen der Teilnahme am G20-Gipfel das Treffen verschieben musste. Nach Russland besucht Bundesrat Schneider-Ammann Indonesien vom 12. bis 15. Juli Indonesien und vom 15. bis 16. Juli Saudi Arabien.

KLIMASÜNDER: (Zürich) Die Schweizer Versicherer sollen Milliarden in Firmen und Projekte investiert haben, die fossile Brennstoffe fördern. Gemäss einer Studie der niederländischen Beratungsfirma Profundo steuern sie zudem zum Klimawandel bei, indem sie fossile Brennstoffprojekte versichern. Nachdem bereits die Banken für ihre Investitionen in die Kohleförderung kritisiert worden sind, sind nun die Versicherungskonzerne dran. Die Beratungsfirma Profundo hat eine Studie über das negative Klimaengagement der grössten europäischen Versicherer und Rückversicherer vorgestellt. Die Zurich-Versicherung und der Rückversicherer Swiss Re sind mit 3,7 Milliarden respektive 2,6 Milliarden Dollar in Obligationen und Aktien von Unternehmen investiert, die Kohle und fossile Brennstoffe fördern, wie Studienmitautor Joeri de Wilde sagte.

ERMITTLUNGEN: (München) Der Machtkampf bei Constantin Medien geht in die nächste Runde: Die Staatsanwaltschaft München hat Ermittlungen gegen den Medienunternehmer und FC-Basel-Präsidenten Bernhard Burgener aufgenommen. Die Ermittlungen erfolgten "wegen des Verdachts auf Untreue, Insiderhandel und andere Straftaten", wie Hildegard Bäumler-Hösl, Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, in der Onlineausgabe der "HandelsZeitung" zitiert wird. Den Ermittlungen ging Ende April eine Strafanzeige der Constantin Medien gegen ihren früheren CEO Burgener voraus. Der Medienkonzern wollte sich gegenüber der Nachrichtenagentur sda mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zum Fall äussern.

VOR DEM START: (Bürgenstock ) Das Innerschweizer Luxushotel- und -residenzenresort Bürgenstock öffnet am 28. August seine Tore. Die ersten beiden neu gebauten Hotels sollen dann den Betrieb aufnehmen. Ebenfalls eröffnet werden die Residenzsuiten, 10 von 12 Restaurants, die Event- und Tennishallen. Damit geht nach neun Jahren Planungs- und Bauzeit der Grossteil der Anlage in Betrieb. Bereits seit längerem offen sind das Hotel "Taverna 1879" und der Golfplatz. Im Waldhotel wird indes noch gebaut. Es soll im Oktober Gäste empfangen, ebenso wie die Spa-Anlage. Ebenfalls am 28. August werden die Verkehrsverbindungen per Schiff von Luzern nach Kehrsiten und von dort mit der neuen Bürgenstock-Bahn ins Resort ihren Betrieb aufnehmen. Die Tourismusanlage auf dem Bürgenstock umfasst unter anderem vier Hotels mit 383 Zimmern und 68 Residenzsuiten sowie ein Dutzend Restaurant und Bars sowie Sportanlagen.

FERIENDORF: (Kreuzlingen) Die Schweizer Reisekasse (Reka) plant am Bodensee in Kreuzlingen TG ein neues Feriendorf. Die Anlage soll rund 50'000 Übernachtungen pro Jahr generieren. Der Thurgau erhofft sich dadurch neue Impulse für den bisher wenig entwickelten Tourismus. 418'000 Übernachtungen verzeichnete der Thurgau im vergangenen Jahr. Wenn in rund fünf Jahren das Reka-Feriendorf in Betrieb geht, dürften die Übernachtungszahlen um gut 10 Prozent steigen. Wie Roger Seifritz, Direktor der Reka, vor den Medien sagte, erwartet die Genossenschaft im neuen Feriendorf in Kreuzlingen anfangs 35'000 und später 50'000 Übernachtungen pro Jahr.

SOMMERFERIEN: (Zürich) Die Schweizer lassen sich die Ferienlaune von der angespannten geopolitischen Lage nicht verderben: Trotz erhöhtem Sicherheitsbedürfnis liegen die Buchungszahlen bei fünf der grössten Schweizer Reiseanbietern über dem Vorjahresniveau. Am liebsten reisen die Schweizer in diesem Sommer auf die spanischen und griechischen Inseln. Viele zieht es zudem nach Zypern, Portugal, Kroatien und Italien. Das zeigt eine Umfrage des Schweizer Reiseverbands (SRV) bei den Ferienanbietern ITS Coop Travel, Hotelplan Suisse, Knecht Reisen, Kuoni Schweiz und TUI Suisse. Im Vergleich zum letzten Jahr seien aber die Buchungen in die Türkei teilweise deutlich zurückgegangen, schreibt der SRV in einem Communiqué. Dennoch belege die Südtürkei weiterhin den fünften Platz auf der Liste der beliebtesten Reiseziele, kommentiert Bianca Schmidt, Sprecherin von TUI Suisse, die Zahlen.

ERNÄHRERROLLE: (Neuenburg) Trotz wachsender Erwerbsbeteiligung steuern Frauen nicht vermehrt zum Einkommen von Paaren bei. Nach wie vor bringt der Mann rund zwei Drittel des Geldes nach Hause. Der Beitrag der Frau zum Arbeitseinkommen eines durchschnittlichen Paarhaushalts schwankte von 2007 bis 2015 minim zwischen 31 und 32 Prozent, Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen. Der Anteil des Mannes ging von 68 auf 65 Prozent zurück. Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern ist auf die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung und Entlohnung zurückzuführen. Je nach Familiensituation ist es mehr oder weniger ausgeprägt. Bei Paaren ohne Kinder schafft die Frau fast 40 Prozent des jährlichen Einkommens herbei, doppelt so viel wie in einer Familie mit drei oder mehr Kindern.

FIRMENGRÜNDUNGEN: (Freiburg) Schweizer Jugendliche sind im internationalen Vergleich zurückhaltend bei Gründungen von Unternehmen. Nur eine von dreissig Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren ist derzeit daran, ein Geschäft zu gründen oder steht an der Spitze eines Start-ups. Damit klassiert sich die Schweiz laut einer Studie in die hinteren Ränge vergleichbarer innovationsstarker Volkswirtschaften (Rang 23 im Vergleich der 27 Länder). Dies geht aus dem Länderbericht Schweiz des Global Entrepreneurship Monitors hervor. Zwar erachten über zwei Fünftel (knapp 45 Prozent) der jungen Befragten eine unternehmerische Laufbahn als gute Karrierewahl. Aber nur eine eine kleine Minderheit (knapp 15 Prozent) glaubt, dass sie über die erforderlichen Grundlagen verfügt, um ein eigenes Unternehmen zu gründen.

UNTER DRUCK: (Olten) Angestellte im Detailhandel sind zunehmend mit immer flexibleren Arbeitszeiten und Gratisarbeit konfrontiert. Zudem sehen sich viele Arbeitnehmende als schlecht bezahlt. Das zeigt eine schweizweite Umfrage der Gewerkschaft Syna. Den Detailhandels-Angestellten am meisten zu schaffen machen laut der Umfrage die hohe Anzahl an Überstunden und die grosse Flexibilität der Arbeitseinsätze. Von den Befragten wünschen sich denn auch 94 Prozent ein verbindlicheres Arbeitspensum. 89 Prozent wollen, dass Arbeitseinsätze mindestens zwei Wochen vorher angekündigt werden. Die flexiblen Arbeitszeiten führten zudem zu starken Lohnschwankungen. Dies ist gemäss Syna besonders problematisch, da die Stunden- und Monatslöhne im Detailhandel nach wie vor tief sind. So fordern denn auch alle Umfrageteilnehmer bessere Löhne.

NEUE VERWALTUNGSRÄTE: (Bern) Wechsel im Verwaltungsrat der sda: Mit Ueli Eckstein und Serge Reymond hat die Schweizerische Depeschenagentur (sda) zwei neue Mitglieder in ihrem Aufsichtsgremium. Beide sind Vertreter des Medienkonzerns Tamedia. Pietro Supino und Thierry Meyer treten zurück. Supino, Präsident des Verwaltungsrats der Tamedia sowie Präsident des Verbandes Schweizer Medien, war während sieben Jahren Verwaltungsrat der sda. Thierry Meyer, zurzeit noch Chefredaktor von "24 heures", gibt sein Mandat nach drei Jahren ab. Meyer wird nach seiner Zeit als Chefredaktor in der Kommunikation tätig sein. Der 54-jährige Reymond ist seit 1. Mai 2011 Mitglied der Unternehmensleitung von Tamedia. Der 64-jährige Ueli Eckstein betreut seit Januar 2017 verschiedene Projekte bei Tamedia.

FORTSCHRITT FÜR KUROS: (Schlieren) Das Biotechunternehmen Kuros hat grünes Licht, um in Europa ein zweites Produkt zu vertreiben. Sein bei Schädeloperationen als Hirnhautverschluss eingesetzter Dichtungsstoff Neuroseal hat die CE-Kennzeichnung erhalten. Mit der Kennzeichnung Conformité Européene (CE) kann Kuros nun Neuroseal in allen 27 EU-Mitgliedstaaten einschliesslich der vier EFTA-Länder und der Türkei vertreiben. Mit Neuroseal und dem Knochenersatz MagnetOs verfüge Kuros nun über zwei zugelassene und vertriebsbereite Produkte für Europa, schreibt das Unternehmen. Aufgrund der CE-Zertifizierung sei Kuros berechtigt, eine Zahlung über 533'000 Dollar zu erhalten.

STEUERHINTERZIEHUNG: (Brüssel) Im Kampf gegen Steuerhinterziehung nimmt die EU-Kommission nun auch Banken, Anwälte und Berater ins Visier. Unternehmen und Vermittler von Systemen zur grenzüberschreitenden Steuervermeidung sollen den zuständigen nationalen Behörden künftig unaufgefordert ihre Strategien zur Prüfung vorlegen. Dies geht aus einem in Brüssel präsentierten Vorschlag der Kommission hervor. Die Meldepflicht muss demnach erfüllt werden, noch bevor das System zum Einsatz kommt. Gemeldet werden sollen dem Vorschlag zufolge grenzüberschreitende Systeme zur Vermeidung von Steuern, die verschiedene Kriterien erfüllen. Die neue Meldepflicht muss noch von den Mitgliedstaaten angenommen werden und soll 2019 in Kraft treten. Die EU-Länder sind dann auch dazu verpflichtet, sich alle drei Monate über die gemeldeten Systeme gegenseitig zu informieren.

PRESTIGEERFOLG: (New York/Frankfurt) China hat an den internationalen Finanzmärkten einen wichtigen Prestigeerfolg errungen, der zusätzliche Milliarden-Anlagen ins Land locken dürfte. Die Wirtschaftsmacht schaffte im vierten Versuch die Aufnahme in den vielbeachteten MSCI-Aktienindex für Schwellenländer. Der Indexbetreiber bezieht ab August 222 ausgewählte sogenannte A-Aktien in die Berechnung des 1,5 Billionen Dollar schweren Index mit ein, wie MSCI mitteilte. Investoren führten dies darauf zurück, dass die Regierung in Peking in den vergangenen Jahren ihre Märkte für Kapital aus dem Ausland geöffnet habe.

RÜCKTRITT: (San Francisco) Uber-Chef Travis Kalanick hat nach einer Serie von Skandalen die Spitzenposition bei dem Fahrdienst-Vermittler nun doch aufgegeben. Zuvor hatte er lediglich eine Auszeit angekündigt. Der Mitgründer werde aber weiterhin Mitglied im Verwaltungsrat bleiben. Das teilte das Aufsichtsgremium mit. Der Rücktritt gebe Uber Freiraum, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zuvor hatte die "New York Times" berichtet, fünf führende Anteilseigner von Uber hätten einen sofortigen Rückzug Kalanicks gefordert. Angesichts massiver Kritik beispielsweise am Umgang mit Mitarbeitern bei Uber hatte Kalanick vergangene Woche zunächst eine Auszeit von unbestimmter Dauer angekündigt.

KONKURRENZ: (Seattle) Amazon liefert US-Kunden künftig Kleidung zur Anprobe nach Hause und setzt damit Modehändler massiv unter Druck. Der Service "Prime Wardrobe" liefert ab einer Auswahl von drei Artikeln die Ware kostenlos an die Haustür, wie der weltgrösste Online-Händler mitteilte. Kunden haben dann die Möglichkeit die Kleidung sieben Tage lang anzuprobieren, bezahlt wird nur, was sie behalten. Die anderen Artikel werden wieder kostenfrei zu Hause abgeholt. Beim Kauf mehrerer Kleidungsstücke lockt Amazon noch mit Rabatten.

PARTNERWAHL: (Tokio) Der angeschlagene japanische Technologiekonzern Toshiba hat ein von der heimischen Regierung angeführtes Konsortium als bevorzugten Bieter für seine florierende Chipsparte ausgewählt. Die Interessentengruppe, zu der auch der US-Finanzinvestor Bain Capital gehört, habe zwei Billionen Yen geboten, teilte Toshiba mit. Das sind umgerechnet gut 16 Milliarden Euro und offenbar weniger als US-Rivale Broadcom zusammen mit US-Finanzinvestor Silver Lake auf den Tisch gelegt hat. Dem Regierungskonsortium waren bereits zuvor die besten Chancen eingeräumt worden, weil Japan die Kontrolle über die wichtige Halbleitertechnik im Land behalten will.

SCHOGGI-GIPFEL: (London) Den Toblerone-Riegeln in Grossbritannien fehlen seit letztem Jahr wegen Kostengründen 3 Berggipfel. Auf den Protest der Konsumenten lancierte die Einkaufskette Poundshop Anfang Woche einen dem Toblerone-Original sehr ähnlichen Riegel. Hinter der Sparmassnahme des amerikanischen Süsswarenhersteller Mondelez standen höhere Rohstoffpreise infolge der Pfundschwäche nach dem Brexit-Entscheid. Weil die Toblerone-Herstellerin die Preise für die Toblerone-Riegel nicht erhöhen wollte, reduzierte sie das Gewicht der Schweizer Schokolade von 170 Gramm auf 150 Gramm. Zudem wurde die britische Toblerone um 3 Dreiecke geschrumpft.

(AWP)