Tagesüberblick Wirtschaft

Montag, 26. Juni 2017
26.06.2017 17:31

KURSFANTASIE BEI NESTLÉ-AKTIONÄREN: Der Einstieg von US-Milliardär Dan Loeb bei Nestlé sorgt bei Anlegern für Fantasie: Die Aktie des Nahrungsmittelkonzerns schoss am Montag stieg um bis zu 4,8 Prozent auf das Rekordhoch von 86 Franken. Das ist der stärkste Kursanstieg an einem Tag seit August 2011. Der US-Milliardär Daniel Loeb und sein Hedgefonds Third Point hatten am Sonntag bekanntgegeben, Nestlé-Aktien im Wert von 3,3 Milliarden Franken erworben zu haben. Den Angaben zufolge hält Third Point 40 Millionen Aktien sowie einige Derivate. Das entspräche einem Stimmenanteil von rund 1,3 Prozent. Der Fonds ist damit achtgrösster Aktionär von Nestlé. In einem offenen Brief kritisierte Loeb die unterdurchschnittliche Kursentwicklung der letzten Jahre und forderte vom Nestlé-Management einen aktionärsfreundlicheren Kurs. Konkret verlangt Third Point eine Verbesserung der Gewinnmarge, einen Aktienrückkauf und den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft zählenden Geschäftsbereichen.

GLEICH HOHE PRODUKTIVITÄT: In der Schweiz ballt sich zwar die wirtschaftliche Kraft in einigen wenigen Zentren. Das heisst jedoch nicht, dass ausserhalb dieser Zentren weniger produktiv gearbeitet wird. Auch in strukturschwachen Regionen wird gemäss einer Auswertung des Bundesamts für Statistik (BFS) pro Kopf gleich viel Mehrwert generiert. Die annähernd gleiche Wirtschaftskraft pro Kopf erreichen die Regionen gemäss der Studie jedoch nicht mit den gleichen Mitteln. Das BFS macht mit Dienstleistungs- und Industrieregionen zwei grundsätzlich unterschiedliche Wirtschaftsprofile aus. So dominieren in Zürich, in der Genferseeregion und im Tessin die Dienstleistungsunternehmen das Wirtschaftsgeschehen, während im Espace Mittelland, der Nordwest-, Ost- und Zentralschweiz die Industrie vorherrschend ist.

SCHWEIZER VOLKSWIRTSCHAFT: (Zürich) Die Schweizer Volkswirtschaft hat im ersten Quartal dieses Jahres elf Milliarden Franken mehr eingenommen als ausgegeben. Der Leistungsüberschuss war um drei Milliarden höher als im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Dies geht aus einer Mitteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervor. Die Einnahmen aus dem gesamten Warenhandel stiegen um 4 auf 75 Milliarden Franken an, diejenigen aus dem Dienstleistungshandel um eine auf 28 Milliarden Franken. Die Ausgaben im gesamten Warenhandel bewegten sich mit 65 Milliarden Franken in ähnlichem Rahmen wie im Vorjahr. Ebenfalls auf vergleichbarem Niveau befanden sich die Ausgaben für die Dienstleistungsimporte - sie betrugen 23 Milliarden Franken. Das Auslandvermögen stieg gegenüber Vorjahresquartal um 7 Milliarden auf 4489 Milliarden Franken. Dabei profitierte die Bilanz von höheren Börsenkursen im Ausland.

DÜNGERPRODUKTION: (Uetikon ZH) Die CPH Chemie + Holding AG schliesst per Ende Juni ihre Düngerproduktion in Uetikon ZH. Sie fusioniert daher im Geschäftsbereich Chemie zwei ihrer Gesellschaften: Die Chemie Uetikon AG und die CU Deutero + Agro AG werden in die Zeochem-Gruppe integriert. Die Fusion erfolgt rückwirkend per 1. Januar 2017, wie das Unternehmen mitteilte. Die Düngerproduktion war bislang mit dem Geschäft mit deutierten Verbindungen in der CU Deutero + Agro AG zusammengefasst. Die deutierten Produkte werden gemäss der Mitteilung ab 2018 mit den bisherigen Team Standort der Zeochem in Rüti hergestellt und vertrieben. Die Firma hatte bereits im Frühjahr 2016 über die Massnahme informiert. Für die Mitarbeitenden seien Sozialpläne ausgearbeitet worden. Betroffen sind noch rund acht Personen, wie ein Mediensprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

NEUER PARTNER: Das Onlineportal e-hypo.ch der Schwyzer Kantonalbank (SZKB) gewinnt mit der Walliser Kantonalbank (WKB) eine Kooperationspartnerin. Die beiden Banken haben beschlossen, e-hypo.ch künftig gemeinsam zu betreiben. Auch das Marketing und die Weiterentwicklung des Onlineportals erfolge in Zusammenarbeit, um Synergien zu nutzen. Die Umsetzung der Kooperation werde im Verlaufe des Jahres erfolgen, teilt die WKB am Montag mit. Ziel sei es, einen führenden Onlineanbieter für Finanzdienstleistungen zu etablieren. Auf dem Portal können Kunden ihre Hypothek online abschliessen. Es richtet sich an Eigentümer von selbstbewohntem Wohneigentum, die eine Neuhypothek benötigten oder eine bestehende Hypothek verlängern möchten.

FAST 4000 STELLEN WEG: Nach der Rettung von zwei norditalienischen Banken verlieren rund 3900 der 10'800 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Die Bank Intesa Sanpaolo, die sich die gesunden Unternehmensteile der Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza einverleibt, wird nach eigenen Angaben 600 von 960 Filialen schliessen. Sie übernimmt die Geschäfte zum symbolischen Preis von einem Euro. Der Staat unterstützt die Rettung der beiden Krisenbanken mit insgesamt bis zu 17 Milliarden Euro. Intesa Sanpaolo erklärte, mit der Übernahme würden "schwere soziale Folgen" vermieden - ohne ihr Einspringen wären die Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza pleite gegangen. Die italienische Zentralbank versicherte, alle Filialen der beiden Krisenbanken hätten am Montag geöffnet, die Geschäfte liefen fortan unter der Verantwortung der Intesa Sanpaolo.

INSOLVENZ ANGEMELDET: Der japanische Autozulieferer Takata hat angesichts des Rückruf-Desasters wegen mangelhafter Airbags Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen und der chinesisch kontrollierte US-Zulieferer Key Safety Systems erzielten eine Grundsatzvereinbarung über den Verkauf von Takata zu einem Preis von rund 175 Milliarden Yen (1,55 Milliarden Franken). Neben dem Mutterkonzern in Tokio wird auch die US-Tochter TK Holdings in die Insolvenz geschickt. Takata kämpft Jahren mit den Folgen eines Skandals um explodierende Airbags. Die Kunden von Takata, also die Autohersteller, mussten rund 100 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, die meisten davon in den USA.

WIDERSTAND GEGEN TRUMP-PLÄNE: (Brüssel) EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat die USA vor einer Abschottung ihres Stahlmarktes gewarnt und mit Gegenmassnahmen gedroht. Sollten unter Berufung auf die nationale Sicherheit allgemeine Einfuhrbeschränkungen für europäische Unternehmen eingeführt werden, wäre das "sehr schlecht" und "ungerechtfertigt", sagte sie in Brüssel. Europa werde in diesem Fall kontern. "Wie genau und zu welchem Zeitpunkt werde ich nicht sagen, aber wir werden Vorbereitungen treffen", erklärte Malmström. US-Präsident Donald Trump hatte im April eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die klären soll, ob Stahlimporte die nationale Sicherheit in den Vereinigten Staaten beeinträchtigen. Sie könnte eine Beschränkung der Einfuhren zur Folge haben.

GOOGLE AM PRANGER: (Brüssel) Die EU-Kommission will den US-Internetriesen Google nach übereinstimmenden Quellen in Kürze mit einer Rekordstrafe wegen Wettbewerbsverzerrung belegen und ihn zur Änderung seiner Geschäftspraktiken zwingen. Brüssel wirft dem US-Konzern vor, seine eigenen Online-Shopping-Angebote als erste Suchergebnisse aufzuführen und damit seine Konkurrenten zu benachteiligen. Die Strafe werde voraussichtlich zwischen 1,1 Milliarden und zwei Milliarden Euro liegen, hiess es aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen in Brüssel. Die bisher höchste von der EU verhängte Strafe beläuft sich auf 1,06 Milliarden Euro. Zu dieser Zahlung war 2009 der US-Chiphersteller Intel verdonnert worden. Mit einer Strafe von bis zwei Milliarden Euro gegen Google bliebe die EU-Kommission andererseits deutlich hinter der zulässigen Höchststrafe zurück, die sich auf zehn Prozent der Jahreseinnahmen von Google und damit auf acht Milliarden Euro beliefe.

NEUE US-INVESTITIONEN: (Spartanburg) Inmitten des schwelenden Streits um Arbeitsplätze zwischen US-Präsident Donald Trump und der deutschen Autoindustrie hat BMW neue Investitionen in sein grosses US-Werk angekündigt. "In den Jahren 2018 bis 2021 werden wir weitere 600 Millionen US-Dollar in die Fertigungsstrukturen für künftige Generationen der BMW-X-Modellreihe investieren", sagte Vorstandschef Harald Krüger am Montag im Werk Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina. "Bis 2021 werden wir weitere 1000 Arbeitsplätze schaffen", kündigte Krüger an. Derzeit arbeiten in der Fabrik gut 9000 Beschäftigte. Der seit Januar amtierende neue US-Präsident hat sich bei seinen Ankündigungen, Industriejobs ins Land zurück zu holen, insbesondere auf die Autoindustrie eingeschossen.

(AWP)