Tagesüberblick Wirtschaft

Freitag, 30. Juni 2017
30.06.2017 17:49

NEUER GAV: (Bern) Der Branchenverband Callnet.ch schliesst sich dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Contact- und Callcenter-Branche an. Damit profitieren die Angestellten fast aller Schweizer Callcenter von einem verbindlichen Rahmen für Löhne, Arbeitszeit und Ferien. Bisher stand es den Mitgliederfirmen von Callnet.ch frei, einen individuellen Vertrag mit der Medien- und Kommunikationsgewerkschaft Syndicom abzuschliessen. Ab 1. Juli gilt der GAV, an dem auch der Arbeitgeberverband contactswiss angeschlossen ist, automatisch für alle Agenten von Verbandsmitgliedern.

REKORDAUSGABEN: (Neuenburg) Schweizer haben 2016 auf ihren Reisen im Ausland 252 Millionen Franken mehr ausgegeben als ausländische Gäste in der Schweiz. Zu Buche schlägt, dass seit dem Frankenschock nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 ausländische Gäste weniger in der Schweiz in Hotels und in der Parahotellerie übernachteten. Dadurch schrumpften die Einnahmen aus dem Reiseverkehr mit Übernachtungen um 1,2 Prozent. Insgesamt gaben Schweizer Gäste im Ausland 16,3 Milliarden Franken aus. Das ist ein neuer Rekord. Umgekehrt machten ausländische Gäste in der Schweiz lediglich 16 Milliarden Franken locker.

EINLAGESICHERUNG: (Zürich) Die Einlagesicherung der Schweizer Banken (Esisuisse) will bei der Absicherung der geschützten Einlagen weniger weit gehen als der Bundesrat. Dieser empfahl für die anstehende Vernehmlassungsvorlage, den Anteil der Bankbeiträge auf 1,6 Prozent der Gesamtsumme der gesicherten Einlagen, respektive mindestens 6 Milliarden Franken zu erhöhen. Laut Esisuisse-Präsident Barend Fruithof ist eine Erhöhung der Systemobergrenze nicht nötig wegen den bereits grossen Liquiditätspolstern. Ein weitere Massnahme unterstützt Esisuisse: die Einlagensicherung soll durch eine Hinterlegung von Wertschriften in der Höhe von 0,8 Prozent der Beitragsverpflichtungen der Banken finanziert werden.

MEHR GÄSTE: (Engelberg OW) Die Titlis Bergbahnen haben die Wintersaison mit einem Plus abgeschlossen. Vom 1. November 2016 bis am 30. April 2017 registrierte das Unternehmen 597'000 Gäste, 8,4 Prozent mehr als in der Wintersaison 2015/16 und 10,6 Prozent mehr als im Fünfjahresdurchschnitt. Gemäss Halbjahresbericht kamen im Dezember 2016 trotz guten Verhältnissen auf den Hauptpisten weniger Skifahrer in das Wintersportgebiet in Engelberg. Ab Januar 2017 verbesserte sich die Situation. Der Halbjahresumsatz der Titlis Bergbahnen legte von 31,4 Millionen Franken auf 34,5 Millionen Franken zu. Der Gewinn stieg von 2,9 Millionen Franken auf 5,0 Millionen Franken.

BESSERE AUSSICHTEN: (Zürich) Die Schweizer Wirtschaft dürfte an Fahrt gewinnen und in der näheren Zukunft überdurchschnittlich wachsen. Nach dem Taucher im Mai stieg das KOF-Konjunkturbarometer im Juni wieder klar über das langfristige Mittel. Das von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) berechnete Barometer stieg im Juni um 3,5 Punkte auf den Stand von 105,5, wie die KOF mitteilte. Positive Impulse kamen insbesondere aus dem Verarbeitenden Gewerbe, namentlich aus den Branchen Holz, Nahrungsmittel und Metall. Die Stimmungsaufhellung liegt primär an der deutlich besseren Auftragslage.

NEUE PREISSPANNE: (Zürich) Die Versandapotheke Zur Rose hat die Preisspanne für die im Börsengang angebotenen Aktien eingeengt. Neu beträgt sie 135 bis 140 Franken pro Aktie statt zuvor 120 bis 140 Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Als Grund wird die hohe Nachfrage genannt. Zudem wird das Bookbuilding-Verfahren um einen Tag auf den 4. Juli verkürzt. Die neue Preisspanne würde einer Marktkapitalisierung von maximal rund 850 Millionen bis 870 Millionen Franken entsprechen. Der Handelsbeginn an der SIX Swiss Exchange wird weiterhin für den 6. Juli 2017 erwartet.

MONSANTO-ÜBERNAHME: (Leverkusen) Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat bei der EU-Wettbewerbsbehörde den Antrag auf Genehmigung der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto eingereicht, teilte Bayer mit. Derzeit laufen in zahlreichen anderen Ländern, unter anderem in den USA, Prüfungen des 66 Milliarden US-Dollar teuren Übernahmedeals durch die Kartellbehörden. Neben den USA gilt die Prüfung in Brüssel als die grösste Hürde für die Übernahme. Ziel sei, die Übernahme bis Ende 2017 abschliessen zu können.

WENIGER GEWINN: (Frankfurt) Ein unerwartet schwaches Pflanzenschutzgeschäft im brasilianischen Markt wird das Ergebnis von Bayer belasten. Für 2017 erwarte Bayer eine einmalige Belastung von 300 bis 400 Millionen Euro für den bereinigten Betriebsgewinn (EBITDA), teilte das Unternehmen mit. Auch ungünstige Währungskurse hinterliessen Spuren in der Bilanz, zudem verlaufe das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten schwächer als erwartet. Bayer werde deshalb seine Prognosen für 2017 anpassen. Bislang war ein Umsatzanstieg auf etwa 51 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden, das bereinigte Ergebnis sollte im unteren Zehner-Prozentbereich zulegen.3

BANKEN: (London) Die britischen Banken Lloyds, RBS und Tesco stoppten am Freitag den Handel mit der katarischen Landeswährung Rial. Auch soll sie nicht mehr zum Kauf und Verkauf in den Filialen angeboten werden. Grund dafür sei, dass ein Drittanbieter seine Devisenmarkt-Aktivitäten für die Währung am 21. Juni eingestellt habe, sagte eine Sprecherin der Lloyds Banking Group. Die katarische Zentralbank erklärte, sie werde alle Transaktionen für Kunden im In- und Ausland garantieren. Alle Banken und Wechselstuben seien dazu verpflichtet, den Handel mit dem Rial abzuwickeln. Wirtschaftliche Sanktionen und eine schwache Liquidität des Rial hatten zuvor für Chaos an den Devisenmärkten gesorgt.

WIEDER SCHWARZ: (Boise) Der US-Konzern Micron hat dank höherer Verkaufspreise für seine PC-Speicherchips wieder schwarze Zahlen geschrieben. Auch die robuste Nachfrage von Cloud-Anbietern und Smartphone-Herstellern hätten sich positiv ausgewirkt, teilte das Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Den Reingewinn im dritten Quartal (zum 1. Juni) bezifferte Micron mit 1,65 Milliarden Dollar nach einem Verlust von 215 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz verdoppelte sich auf 5,57 Milliarden Dollar.

GRIECHISCHE KONJUNKTUR: (Athen) Griechenlands Notenbank hat ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft des Landes spürbar eingedampft. Für das laufende Jahr rechnen die Experten mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent. Bisher war ein Plus von 2,5 Prozent erwartet worden, wie die Bank mitteilte. Sie begründete ihren Schritt mit den jüngsten Verzögerungen bei Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen europäischen Geldgebern. Die griechische Notenbank drängte die Gläubiger dazu, Massnahmen zur Schuldenerleichterung zu konkretisieren, die bis 2018 umgesetzt werden sollten.

SINKENDE INFLATIONSRATE: (Brüssel) Die Inflation in der Euro-Zone ist auf dem Rückmarsch. Die Konsumentenpreise stiegen im Juni nur noch um 1,3 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistikamt Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte. Dies ist die niedrigste Teuerungsrate in diesem Jahr. Im Mai lag sie noch bei 1,4 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten für Juni sogar einen Rückgang auf 1,2 Prozent erwartet. Ein Grund ist, dass sich Energie mit 1,9 Prozent nicht mehr so stark wie in den Vormonaten verteuerte.

BREXIT BREMST: (London) Die britische Wirtschaft bekommt die Folgen des Brexit-Votums immer stärker zu spüren. Das Wachstum des Bruttoinlandproduktes verlangsamte sich gemäss offiziellen Zahlen zwischen Januar und März auf 0,2 Prozent zum Vorquartal. Ende 2016 hatte die Wirtschaft noch um 0,7 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Die Euro-Zone wuchs dreimal so schnell, ebenso deren grösste Volkswirtschaft Deutschland. Hauptgrund für den Rückschlag: Die verfügbaren Realeinkommen der privaten Haushalte schrumpften um 1,4 Prozent und damit bereits das dritte Quartal in Folge. Eine solche Negativserie gab es seit den 1970er Jahren nicht mehr.

WENIGER ARBEITSLOSE: (Nürnberg) Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni um 25'000 auf 2,473 Millionen gesunken. Das ist der niedrigste Wert in einem Juni seit dem Jahr 1991. Damit gab es 142'000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Saisonbereinigt gab es hingegen einen leichten Anstieg bei der Arbeitslosenzahl. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl lag im Juni bei 2,547 Millionen. Damit waren etwa 7000 Männer und Frauen mehr ohne Job als noch im Mai. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,5 Prozent. Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im Mai rund 44,1 Millionen Erwerbstätige - so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990.

CHINAS INDUSTRIE LEGT ZU: (Peking) Die chinesische Industrie hat im Juni dank neuer Aufträge und einer gut laufenden Produktion das stärkste Wachstum seit drei Monaten geschafft. Der offizielle Einkaufsmanagerindex stieg um 0,5 Punkte auf 51,7 Zähler. Er signalisierte damit den elften Monat in Folge einen Zuwachs, wie das Nationale Statistikamt mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem Rückgang auf 51 Punkte gerechnet. Die Umfrage stützt Erwartungen, dass Chinas Wirtschaft sich stabilisiert und die Konjunktur nicht rapide einbricht.

GOLDENE ÄRA: (Washington) US-Präsident Donald Trump hat eine Wende in der US-Energiepolitik hin zu mehr Exporten und Atomkraft angekündigt. Sein Land stehe vor einer "Goldenen Ära", in der die USA durch eine dominierende Rolle am Energiemarkt ihre weltweite Vormachtstellung untermauern würden, sagte Trump am Donnerstag. Exporte von Flüssiggas nach Asien sollten ebenso ausgebaut werden wie Ausfuhren von Kohle in die Ukraine. Beschränkungen für Exporte sowie für die Finanzierung von Kohleprojekten im Ausland müssten gelockert werden.

(AWP)