Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 22. August 2017
22.08.2017 17:12

STELLENABBAU: (Zürich) Der Versicherer Zurich ist weiter auf Sparkurs. Zwar wurde der ehemals geplante Abbau von 8000 Stellen beerdigt. Dennoch kommt es nun am Hauptsitz im Zuge einer Neuorganisation zu Entlassungen. Davon betroffen sind Funktionen im Bereich Finanzen und Controlling, wie Mediensprecher Frank Keidel einen Bericht des Internet-Portals "Finews" bestätigte. Wie viele Stellen gestrichen werden, könne er nicht sagen, ein Kahlschlag werde es aber nicht geben. Über die Massnahme habe das Management letzte Woche die Mitarbeiter informiert. Der Konsultationsprozess sei derzeit im Gang. Bereits im Januar kündigte die Zurich den Abbau von 123 Stellen im Schweiz-Geschäft und weiteren 240 Stellen in Grossbritannien an.

MEDIEN: (Lausanne/Zürich) Die Redaktionen der Westschweizer Tageszeitungen "20 minutes" und "Le Matin" werden auf den 1. Januar 2018 zusammengelegt. Von der Veränderung sind sechs Personen betroffen, wie das Verlagshaus Tamedia mitteilte. Der Zusammenschluss sei das Ergebnis einer mehrmonatigen, intensiven Projektarbeit der Chefredaktoren der beiden Westschweizer Titel, heisst es weiter. Philippe Favre von "20 minutes" und Grégoire Nappey von "Le Matin" werden die Chefredaktion der neuen Redaktion gemeinsam leiten. Sie wird unter dem Namen "Redaktion 20 minutes & Le Matin" dem Unternehmensbereich Werbung und Pendlermedien von Tamedia angegliedert.

GRÖSSERE PRÄMIENEINNAHMEN: (Wallisellen ZH) Der Versicherer Allianz Suisse hat im ersten Halbjahr 2017 die Prämieneinnahmen um 1,1 Prozent auf 2,67 Milliarden Franken gesteigert. Der Gewinn ging dagegen leicht zurück. Das operative Ergebnis stagnierte mit 170,4 Millionen Franken nach 170,9 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich resultierte ein Minus von 5,2 Prozent auf 134,5 Millionen Franken. Der Kundenbestand nahm mit 15'000 neuen Kunden das dritte Jahr in Folge stark zu. Im Sachgeschäft stieg das Prämienvolumen im ersten Semester um 2,9 Prozent auf 1,41 Milliarden Franken. Im Lebengeschäft sanken die Einnahmen um 0,9 Prozent auf 1,26 Milliarden Franken.

MEHR UMSATZ: (Herisau/Pfäffikon ZH) Eine deutliche Steigerung des Auftragseingangs und des Umsatzes stimmen Huber+Suhner zuversichtlich für die Zukunft. Im ersten Halbjahr 2017 musste der Kabel- und Komponentenhersteller jedoch einen Gewinneinbruch hinnehmen. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT sank um 21,8 Prozent auf 32,8 Millionen Franken. Das Unternehmen begründet den Einbruch mit Investitionen in die Zukunft und Kosten im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus dem europäischen Geschäft mit massgefertigten Bahnkabeln. Unter dem Strich resultierte ein Konzerngewinn von 23,9 Millionen nach 33 Millionen Franken in der Vorjahresperiode. Das entspricht einem Rückgang von 27,5 Prozent. Der Umsatz stieg um 7,7 Prozent auf 410,7 Millionen Franken, der Auftragseingang um 9,5 Prozent 425,1 Millionen Franken.

KLARE GEWINNSTEIGERUNG: (Zürich) Der Boom an den Finanzmärkten hat im ersten Halbjahr den Gewinn der liechtensteinischen VP Bank nach oben getrieben. Unter dem Strich verdiente das Geldhaus 31,5 Millionen Franken. Das sind knapp 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn wäre noch viel höher gestiegen, wenn nicht die Vergangenheit mit deutschen Steuersündern die Bank eingeholt hätte. In der Affäre um Schwarzgelder von deutschen Kunden konnte die VP Bank eine Einigung mit den Steuerbehörden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen erzielen, die knapp 11 Millionen Franken kostete. Ohne die Zahlung im Steuerstreit hätte die VP Bank den Gewinn in den ersten sechs Monaten um knapp drei Viertel gesteigert und das beste Semesterergebnis seit der Finanzkrise erreicht. Am meisten konnte sich die VP Bank im Handelsgeschäft verbessern, dessen Gewinn um über ein Viertel zulegte. Auch die Finanzanlagen florierten.

WACHSTUMSSPRUNG: (Zürich) Ein Zukauf in Belgien entwickelt sich für den Lebensmittelhersteller Orior zum Wachstumstreiber. Weniger rund sind im ersten Halbjahr die Geschäfte in der Schweiz gelaufen. Unter dem Strich weist der Convenienceprodukte-Hersteller und Fleischveredler Orior für die Monate Januar bis Juni 2017 einen Reingewinn von 14,8 Millionen Franken aus. Das entspricht einem Plus von 22,3 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA kletterte um 22 Prozent auf 27,7 Millionen Franken. Den Umsatz hat Orior um 17,4 Prozent auf 281,3 Millionen Franken gesteigert, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Dieser Zuwachs ist auf die Übernahme der Culinor Food Group in Belgien zurückzuführen, die seit September 2016 voll konsolidiert ist.

UMSATZPLUS: (Schlieren) Der Schweissanlagen- und Webmaschinenhersteller Schlatter konnte im ersten Halbjahr einen deutlich höheren Umsatz verbuchen. Unter dem Strich erzielt das Zürcher Unternehmen einen Gewinn von 1,3 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT stieg von 0,4 Millionen Franken im Vorjahr auf 1 Million Franken, wie es in einer Mitteilung heisst. Schlatter bestätigt damit die im Juli in Aussicht gestellten Gewinnzahlen. Die Verkäufe legten im ersten Semester deutlich zu. Insgesamt erwirtschaftete Schlatter einen um fast 20 Prozent höheren Umsatz von 47,4 Millionen Franken. Allerdings gingen rund ein Viertel weniger Aufträge ein. Überkapazitäten und hoher Preisdruck in Europa hätten vor allem das Geschäft mit Armierungsgitterschweissanlagen belastet. Der Rückgang sei aber nicht zuletzt auch auf das hohe Niveau des Vorjahres zurückzuführen.

GEDÄMPFTES WACHSTUM: (Bern) Nach sehr dynamischen Monaten hat der Schweizer Aussenhandel im Juli einen Dämpfer erlitten. Sowohl Exporte (-2,0 Prozent) als auch Importe (-4,8 Prozent) gingen verglichen mit dem starken Vormonat zurück, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) mitteilte. Allerdings legten die Exporte verglichen mit dem Vorjahresmonat arbeitstagbereinigt immer noch um 4,5 Prozent zu. Die Importe nahmen leicht ab, um 0,5 Prozent. Und die Handelsbilanz wies mit 3,6 Milliarden Franken einen hohen Überschuss aus. Dabei entwickelten sich bei den Ausfuhren die einzelnen Warensegmente innerhalb einer breiten Spannweite. Als "weiterhin formstark" bezeichnet die EZV die Ausfuhren von Produkten der Chemie- und Pharmaindustrie. Auch die Uhrenexporte haben den Erholungskurs der letzten Monate fortgesetzt.

MANAGERLÖHNE: (Zürich) Der Widerstand der Aktionäre gegen Vergütungsberichte hat dieses Jahr zugenommen. Die Zustimmungsquote bei den 100 grössten SPI-Unternehmen sank laut der Anlagestiftung Ethos von 86,5 Prozent auf 85,7 Prozent. Besonders stark war die Opposition bei Finanzunternehmen. Die Vergütungen der Geschäftsleitung wurden hier im Durchschnitt mit nur 79,6 Prozent angenommen, gegenüber 92,4 Prozent in anderen Sektoren. Dies geht aus der Auswertung der diesjährigen Generalversammlungen durch Ethos hervor.

LOHNERHÖHUNGEN GEFORDERT: (Zürich) Der Kaufmännische Verband Schweiz (KFMV) hat die Lohnverhandlungen für 2018 lanciert. Je nach Branche fordert er zwischen 0,75 und 1,5 Prozent mehr Lohn. Seine Forderungen sieht der Verband, der die Interessen von knapp 50'000 Mitgliedern vertritt, durch den Erholungskurs der Schweizer Wirtschaft gerechtfertigt. Die meisten Branchen entwickelten sich positiv und zudem würden die Konsumentenpreise seit Jahren erstmals wieder ansteigen, schreibt der Kaufmännische Verband in einer Mitteilung. Unternehmen, die unter der Aufwertung des Frankens besonders litten, hätten sich weitgehend an die neuen Rahmenbedingungen angepasst. Auch zeigten die jüngsten Prognosen die besten Beschäftigungserwartungen in der Schweiz seit drei Jahren.

AGROCHEMIE: (Frankfurt) Die EU-Kommission nimmt die geplante Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer genauer unter die Lupe. Die Kommission leitete am Dienstag eine eingehende Prüfung des rund 66 Milliarden Dollar schweren Zukaufs ein, mit dem Bayer zum weltgrössten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut aufsteigen will. Die Kommission hat nun bis zum 8. Januar 2018 Zeit, um eine Entscheidung zu fällen. Der Pharma- und Chemiekonzern will die Übernahme eigentlich bis Ende dieses Jahres abschliessen.

TOURISMUS: (Paris) Viele Touristen haben die französische Hauptstadt nach Terroranschlägen gemieden, jetzt kommen sie nach Paris zurück. Im ersten Halbjahr kamen in Hotels der Region 16,4 Millionen Besucher an, wie die Region Paris am Dienstag mitteilte. Das war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 10,2 Prozent. So gut seien die Zahlen seit rund zehn Jahren nicht mehr gewesen. Ausländische Besucher kämen im laufenden Jahr verstärkt in die französische Hauptstadt, sagte der Präsident des Tourismus-Ausschusses der Region Paris, Frédéric Valletoux. Bei den Briten gebe es jedoch wegen der Brexit-Unsicherheit einen Rückgang. 2016 hatten die Terroranschläge von Paris und Nizza das Tourismus-Geschäft deutlich belastet. Auch im laufenden Jahr bleibt die Sicherheitslage angespannt. Frankreich erwartet nach früheren Regierungsangaben im laufenden Jahr im ganzen Land bis zu 89 Millionen ausländische Besucher. Im Vorjahr waren es 82,6 Millionen Menschen.

AUTOINDUSTRIE: (Hongkong) Der chinesische Autobauer Great Wall Motor hat eigenen Angaben zufolge Fiat Chrysler (FCA) bisher nicht wegen eines möglichen Einstiegs kontaktiert. Es gebe auch keine Vereinbarung mit dem italienischen Konzern, teilte Great Wall Motor mit. Ein Sprecher des chinesischen SUV-Herstellers hatte am Montag ein Interesse an Fiat Chrysler bestätigt. Insider hatten gesagt, Great Wall Motor habe Fiat Chrysler um ein Treffen zu einer teilweisen oder vollständigen Übernahme gebeten. FCA hatte dagegen erklärt, nicht mit Great Wall in Kontakt zu stehen. Spekulationen über ein Interesse aus China an Fiat Chrysler gibt es schon länger, sie hatten die Aktien des italienischen Konzerns am Montag auf den höchsten Kurs seit 19 Jahren getrieben.

TEURE GENUGTUUNG: Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson muss einer schwer krebskranken Frau eine Millionenentschädigung zahlen. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Kalifornien sah es als erwiesen an, dass die 63-Jährige nach jahrzehntelanger Benutzung von mit dem pharmazeutischen Hilfsstoff Talkum hergestelltem Körperpuder an Eierstockkrebs erkrankte. Johnson & Johnson habe nicht angemessen vor den Krebsrisiken des Produkts gewarnt, befanden die Geschworenen und sprachen der Frau am Montag eine Entschädigung in Höhe von 417 Millionen Dollar zu. Der Pharmakonzern, zu dem neuerdings auch das Schweizer Biotechnologieunternehmen Actelion gehört, kündigte an, das Urteil anzufechten. Wissenschaftliche Studien würden die Sicherheit des Körperpuders beweisen, sagte eine Sprecherin. Gegen Johnson & Johnson liegen in den USA tausende Klagen wegen Talkum-haltigen Produkten vor.

(AWP)