Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 23. August 2017
23.08.2017 17:32

VIEL LOB: (Bern) Die Schweiz feiert ihre 25-jährige Mitgliedschaft bei der Weltbank. Aus diesem Anlass haben sich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und Weltbank-Präsident Jim Yong Kim zu einer Jubiläumskonferenz in Bern getroffen. Dabei gab es auch viel Lob für die Rolle der Schweiz bei der Weltbank. "Wäre ich Schweizer, hätte ich den Beitritt zur Weltbank 1992 wohl abgelehnt", sagte der Weltbank-Präsident. Missfallen sei ihm damals vor allem, dass die Weltbank zu wenig in die Menschen investierte, etwa in Bildung oder Gesundheit. Die Weltbank habe sich diesbezüglich aber verbessert. Die Schweiz sei eine wertvolle Partnerin für die Weltbank. Bundesrat Johann Schneider-Ammann betonte, dass sich die Schweiz in der Weltbank einen Namen als "Brückenbauerin" gemacht habe. Beim Thema Schuldenerlass habe sie Pionierarbeit geleistet.

ENTTÄUSCHENDE ZAHLEN: (Luzern) Der Milchverarbeiter Emmi hat für das erste Halbjahr Zahlen vorgelegt, die unter den Erwartungen bleiben. Als Gründe führte das Unternehmen den rückläufigen Detailhandel in der Schweiz und Währungseffekte in Europa an. Emmi erwirtschaftete einen Umsatz von 1,6 Milliarden Franken - ein Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Organisch, also ohne Währungseffekte und Effekte durch Zukäufe, resultierte jedoch ein Rückgang von 1,3 Prozent. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT ging um 2,2 Prozent auf 90,4 Millionen Franken zurück. Unter dem Strich resultierte hingegen mit einem Reingewinn von 66,0 Millionen Franken ein Zunahme von 8,6 Prozent. Diesen Zuwachs erklärt Emmi mit signifikant tieferen Minderheitsanteilen. Vor gut einem Jahr hatte Emmi die Mittelland Molkerei im aargauischen Suhr komplett übernommen.

VATERSCHAFTSURLAUB: (Zürich) Der US-Konsumgüter und Pharmakonzern Johnson&Johnson führt weltweit einen achtwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub ein - auch in der Schweiz. Das sind deutlich mehr Tage als andere internationale Firmen wie IKEA, Axa, IBM, UBS und Swisscom anbieten. Der Konzern beschäftigt hierzulande 7000 Angestellte. Johnson&Johnson ist seit der Übernahme des Biotechkonzerns Actelion der grösste US-Arbeitgeber in der Schweiz neben McDonald's. Die Integration der Baselbieter Biotechfirma kommt laut dem US-Konzern gut voran. Die Marke "Actelion" soll erhalten bleiben. Actelion behalte zudem den Hauptsitz in Allschwil BL sowie einen hohen Grad an Eigenständigkeit. Der hohe Kaufpreis werde sich auszahlen. Bis 2025 wollen die Amerikaner mit Actelion signifikant mehr Patienten mit ihrer Therapie gegen Lungenbluthochdruck (Pulmonale Hypertonie) behandeln. ab dem zweiten Anstellungsjahr.

HALBJAHRESVERLUST: (Zürich) Die grösste Versandapotheke Europas, Zur Rose, ist im ersten Semester kräftig gewachsen. Die Expansionsstrategie hat aber ihren Preis. Hohe Kosten für Marketing und Personal sowie für den Börsengang im Juli drückten das Unternehmen in die roten Zahlen. Operativ fiel ein Verlust vor Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) von 11,6 Mio. Fr. an nach einem Gewinn von 7,8 Mio. Fr. vor einem Jahr. Unter dem Strich klaffte ein Verlust von 18,1 Mio. Franken, nachdem das Unternehmen in der Vorjahresperiode mit 0,15 Mio. Fr. noch knapp schwarze Zahlen geschrieben hatte. Die für das Wachstum nötigen Marketing- und Personalaufwendungen belasteten das Ergebnis mit rund 14 Mio. Franken. Weiter betrugen die Kosten für den Börsengang am 6. Juli 5,3 Mio. Franken. Den Verlust hat die Firmenleitung bewusst in Kauf genommen, um die Expansion voranzutreiben. Wachstumsmotor ist Deutschland.

WENIGER GEWINN: (Poschiavo GR) Der Bündner Stromkonzern Repower ist zufrieden mit dem Geschäftsverlauf in der ersten Jahreshälfte 2017. Das operative Ergebnis (EBIT) von 20 Millionen Franken übertraf die eigenen Erwartungen. Die Gesamtleistung von 905 Millionen Franken lag leicht über dem Vorjahreswert und ist nicht mehr rückläufig. Der Gewinn hingegen schrumpfte von 18 Millionen Franken auf eine Million. Allerdings hatten im Vorjahr Sonderfaktoren zum besseren Resultat geführt. Finanzchefin Brigitte Krapf sprach abgesehen vom unbefriedigenden Gewinn von einem insgesamt guten Ergebnis. Massgeblich zum positiven Ergebnis beigetragen hat das Geschäft in Italien, wo insbesondere das Gaskombikraftwerk Teverola über den Erwartungen abschloss. In der Schweiz resultierte wie erwartet ein operatives Defizit von zwei Millionen Franken. Die Herausforderung liege im tiefen Preisniveau, hiess es.

HÖHERE PROFITABILITÄT: (Zofingen AG) Der Pharmazulieferer Siegfried hat im ersten Semester einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Dagegen machte sich der Kauf des Wirkstoff-Geschäfts von BASF positiv bemerkbar: Bei der Rentabilität legte Sigfried klar zu. So nahm die operative Marge (EBITDA) um 2,8 Prozentpunkte zu und lag bei 15,2 Prozent - dies bei einem um 1,3 Prozent tieferen Umsatz von 349,1 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg im ersten Semester um 20,9 Prozent auf 52,9 Millionen Franken. Unter dem Strich schrieb Siegfried einen Reingewinn von 21,6 Millionen Franken, 55,1 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Siegfried erzielt rund drei Viertel seiner Verkäufe mit Wirksubstanzen und Zwischenprodukten. Rund ein Viertel entfallen auf Fertigformulierungen, bestehend aus sterilen Abfüllungen sowie Tabletten und Kapseln.

ABSCHÖPFUNG: (Bern) Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) will eine Strafanzeige gegen die Swisscom wegen Anrufen auf die Combox von Abo-Kunden im Ausland einreichen. Der Telekomkonzern hat laut SKS über Jahre Roaminggebühren verrechnet, die gar nicht angefallen seien. Die Swisscom habe Abonnementskunden, die im Ausland Sprachnachrichten auf die Combox erhielten, übervorteilt. Für den Handykunden, der sich im Ausland aufhalte, fielen hohe Kosten an, wenn jemand auf die Combox spreche. Der Kunde bezahlt Roaminggebühren, wenn der Anruf ins Ausland geleitet wird und nachher wieder zurück auf den Comboxserver. Die Swisscom wende sei einigen Jahren einen Trick an, um mehr zu verdienen. Der Telekomanbieter habe ein sogenanntes Anti-Tromboning-System eingeführt. Dieses erkennt, ob sich der Angerufene im Ausland befindet. Spreche nun jemand aus der Schweiz auf die Combox, leite das System den Anruf direkt auf das Schweizer Netz zur Swisscom um. Obwohl die Swisscom so Roaminggebühren spare, verrechne sie diese jedoch seit mehreren Jahren weiterhin ihren Kunden, kritisieren die Konsumentenschützer. Die Swisscom wies die Vorwürfe des SKS zurück.

NEUPOSITIONIERUNG: (Andermatt UR) Immer weniger Passagiere fahren mit dem Glacier Express. Daher wollen die Betreiber die berühmte Bahn neu positionieren. Dafür gründen sie eine eigene Aktiengesellschaft. Ziel sind 250'000 Passagiere pro Jahr - auch dank Fotohalten. Die Rhätische Bahn (RhB) und die Matterhorn Gotthard Bahn (MGBahn) sind zu je 50 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt, wie anlässlich der Gründung der Glacier Express AG in Andermatt UR bekannt gegeben wurde. Die Geschäftsführung übernimmt Annemarie Meyer, Verwaltungsratspräsident wird der Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann. Die eigenständige Firma ist für die Organisation und Führung der Bahn zuständig, die zwischen St. Moritz und Zermatt verkehrt.

WENIGER STELLEN: (Spreitenbach ZH) Im April 2018 will Globus seine ersten 27 Fachgeschäfte eröffnen. Wie bereits angekündigt verschwinden damit die Marken Schild und Herren Globus unter der Dachmarke Globus. Zudem fallen durch die Neustrukturierung 30 Stellen in den Filialen weg. Entlassungen soll es jedoch nicht geben. Bis zur Eröffnung der neuen Läden im kommenden Frühling sollen innerhalb von Globus oder auch bei der Migros, der Besitzerin von Globus, möglichst für alle Betroffenen neue Lösungen gefunden werden, sagte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Bereits jetzt seien für die Hälfte der betroffenen Mitarbeitenden neue Arbeitsplätze bei Globus gefunden worden. Fünf Standorte werden aufgegeben und an drei Standorten werden zwei Läden auf einen reduziert.

ÜBERNAHME: (Mailand/Genf) Intesa Sanpaolo, die grösste italienische Privatkundenbank, kauft den Genfer Vermögensverwalter Banque Morval. Intesa Sanpaolo und die Aktionäre der Morval Vonwiller Holding hätten eine Vereinbarung getroffen, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung. Demnach werde die Moral Vonwiller Holding inklusive der Banque Morval, die zur Holding gehört, in den Besitz der italienischen Bankengruppe übergehen. Die Gründer der Morval Vonwiller Holding, die Familie Zanon di Valgiurata, werden einen Minderheitsanteil an der Banque Morval behalten und auch künftig ins Management der Bank einbezogen werden. Über die finanziellen Details der Transaktion und ob Mitarbeitende betroffen sind gaben die Beteiligten keine Auskunft.

NEUE ZUSAMMENARBEIT: (Bentonville) Die weltgrösste Detailhandelskette Walmart geht eine Online-Partnerschaft mit dem US-Internetkonzern Google ein. Ab Ende September arbeite Walmart mit Google zusammen, dann könnten über den Sprachassistenten Google Assistant hunderttausende Artikel bestellt werden, teilte Marc Lore, Chef der E-Commerce-Abteilung von Walmart im Unternehmensblog mit. Dabei handle es sich um das grösste Produktangebot eines Detailhändlers auf der Online-Plattform. In einer Mitteilung von Google hiess es, das Angebot umfasse hunderttausende Produkte "vom Waschmittel bis zu Lego". Walmart wird sich Google Express anschliessen, das unter anderem schon Einkäufe bei der Apothekenkette Walgreen's ermöglicht.

SANKTIONEN GREIFEN: (Peking) China kauft als Reaktion auf die wiederholten Atomwaffen- und Raketentests deutlich weniger Produkte aus Nordkorea. Von Januar bis Juli führte die Volksrepublik nach eigenen Angaben Produkte im Volumen von gut einer Milliarde Dollar aus Nordkorea ein, das sind 16,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Zugleich importierte Nordkorea Waren im Wert von zwei Milliarden Dollar aus China, der gesamte Handel lag damit um 10,2 Prozent über dem Vorjahreswert. China hatte im Februar die Einfuhr von Kohle aus Nordkorea gestoppt. Das erschwert es der Regierung in Pjöngjang, Devisen zu beschaffen.

BESSERES KONSUMKLIMA: (Brüssel) Die Kauflaune im Euro-Raum hat sich im August überraschend aufgehellt. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen stieg zum Vormonat um 0,2 auf minus 1,5 Punkte, wie die EU-Kommission am Mittwoch mitteilte. Experten hatten hingegen mit einem Rückgang auf minus 1,8 Zähler gerechnet. Die Euro-Zone befindet sich derzeit konjunkturell im Aufwind. Die Wirtschaft wuchs im Frühjahr um 0,6 Prozent. Zu Jahresbeginn war das Plus in den 19 Staaten der Währungsunion noch einen Tick niedriger ausgefallen.

(AWP)