Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 5. Dezember 2017
05.12.2017 17:48

SCHWEIZ AUF EU-LISTE: (Brüssel) Die EU-Finanzminister haben in Brüssel zwei Listen mit Steueroasen verabschiedet: eine schwarze und eine graue Liste. Die Schweiz befindet sich entgegen erster Annahmen nun doch auf der grauen Liste. Gemäss dem französischen Finanzminister Bruno Le Maire figurieren 17 Länder auf der schwarzen Liste. Die betroffenen Staaten und Gebiete täten aus Sicht der EU nicht genug, "um Steuerflucht zu bekämpfen", sagte Le Maire vor Journalisten. Darunter sollen sich nach Angaben aus EU-Kreisen Südkorea, Tunesien, Panama und die chinesische Sonderwirtschaftszone Macau befinden. Staaten auf der grauen Liste, im Fachjargon Watch-List genannt, haben gegenüber der EU Zusagen gemacht, Änderungen an ihren Steuerpraktiken vorzunehmen. Die Schweiz hatte der EU schon 2014 zugesagt, von Brüssel kritisierte Regime zur Steuervermeidung abschaffen. Doch mit der Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III (USR III) an der Urne geschah dies nicht.

ABSCHIED VOM PAPIER: (Cham ZG) Aus der Papierproduzentin Cham Paper Group wird die Immobilienfirma Cham Group. Sie verkauft ihr Spezialpapiergeschäft an den südafrikanischen Zellstoff- und Papierhersteller Sappi. Mit dem Verkaufsertrag erhält sie mehr Flexibilität für die Entwicklung des Immobilienprojekts "Papieri". Insgesamt bezahlt Sappi 146,4 Millionen Franken. Nach Abzug von Schulden und Kosten fliessen der Cham Paper Group 125 Millionen Franken zu, wie die Zuger Gruppe mitteilte. Mit dem Deal, der voraussichtlich im ersten Quartal 2018 abgeschlossen werden soll, gehören neu rund 360 Mitarbeitende zu Sappi. Die meisten davon arbeiten in den beiden Werken Italien, rund 30 Personen in Cham.

MEHR BUCHUNGEN IN HOTELS: (Neuenburg) Hitzetage im Juni und orange leuchtende Herbstwälder im Oktober: Dank des guten Wetters in der Sommersaison sind massiv mehr Hotelbetten gebucht worden als im Vorjahr. Gemäss den Zahlen vom Bundesamt für Statistik sind von Mai bis Oktober 1,2 Millionen mehr Nächte als in der gleichen Zeit im Vorjahr gebucht worden - insgesamt 21,3 Millionen. Im Juni lag die Anzahl Übernachtungen um 9,5 Prozent höher als im Vorjahr. Und im Oktober gab es 7,6 Prozent mehr Übernachtungen. Einen positiven Einfluss hatte zudem der schwächere Franken gegenüber dem Euro und die wirtschaftliche Verbesserung in den USA.

PUBLIC EYE KREBST ZURÜCK: (Zürich/Lausanne) Die Nichtregierungsorganisation Public Eye hatte Anfang November eine Information publiziert, wonach das Schweizer Rohstoffunternehmen Vitol SA einen Vertrag mit dem unter Korruptionsverdacht stehenden nigerianischen Geschäftsmann Kola Aluko gehabt haben soll. Nun räumte Public Eye ein, dass diese Information nicht stimmte. Sie hätten Berichte der Zeitungen "Tribune de Genève" und des Tages-Anzeigers, die im Rahmen der "Paradise Papers" am 8. November publiziert wurden, "falsch interpretiert", teilte die NGO mit. In den Artikeln hiess es, dass Kola Aluko "persönlich" einen Vertrag für Seven Energy mitunterzeichnet habe. Die NGO glaubte, dass es dabei um einen Vertrag zwischen Vitol SA und Seven Energy ging. Vitol hingegen hatte sich bereits Mitte November vehement gegen diese Vorwürfe gewehrt.

AUF REKORDKURS: (Genf) Die internationale Luftfahrtindustrie erwartet dank anziehender Weltwirtschaft und kräftiger Nachfrage für 2018 ein Rekordergebnis. Der Gewinn dürfte um 11 Prozent auf 38,4 Milliarden Dollar steigen, erklärte der weltweite Branchenverband IATA in Genf. Schon 2017 dürften die Airlines mit insgesamt 34,5 Milliarden Dollar gut 3 Milliarden Dollar mehr verdienen als im Sommer gedacht. Die Durchschnittserlöse pro Passagier dürften im nächsten Jahr nach sechs Rückgängen in Folge erstmals wieder klettern. Die IATA rechnet hier mit einem Plus von 3 Prozent. Auch die Zahl der Passagiere werde weiter steigen, wie auch das Frachtvolumen.

STEUERN FÜR INTERNETGIGANTEN: (Brüssel) Die EU-Finanzminister wollen die stärkere Besteuerung von Internetkonzernen wie Google und Amazon auf internationaler Ebene vorantreiben. Das Thema "Digital-Steuer" soll vor allem auf Ebene der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorangebracht werden, hiess es. "Wir müssen die weltweiten Steuerregeln für das Internet-Zeitalter fit machen, damit die faire Besteuerung von Digitalfirmen und herkömmlichen Unternehmen gewährleistet wird", sagte der estnische Finanzminister Toomas Tõniste in Brüssel. Eines der Hauptprobleme aus Sicht der EU-Staaten ist, dass bislang Digitalunternehmen nur dort besteuert werden können, wo sie einen Firmenstandort haben - ihre Geschäfte wickeln sie aber in deutlich mehr Ländern ab. Den öffentlichen Kassen entgehen Jahr für Jahr erhebliche Steuereinnahmen.

WENIGER FAULE KREDITE: (Athen) Die griechischen Banken kommen beim Abbau notleidender Kredite voran. Der Bestand habe sich im Dezember um eine Milliarde auf 104,8 Milliarden Euro verringert, teilte die Notenbank mit. Das entspricht 50 Prozent des gesamten Kreditportfolios. Der Zielwert habe bei 50,5 Prozent gelegen. Bis Ende 2019 sollen die sogenannten "non-performing exposures" auf 66,7 Milliarden Euro fallen, was einem Anteil von 33,9 Prozent entsprechen würde. Dies wurde mit der Europäischen Zentralbank vereinbart. Als notleidend werden Darlehen bezeichnet, deren Rückzahlung mindestens 90 Tage in Verzug sind.

PRÄSENZ IN POLEN: (Warschau) Polen wird für internationale Grossbanken als Standort immer interessanter. Goldman Sachs will dort im kommenden Jahr 250 Mitarbeiter einstellen und die Belegschaft damit um fast die Hälfte aufstocken, wie ein Sprecher des US-Instituts bekanntgab. Auch JPMorgan Chase will in den nächsten drei Jahren mehr als 3000 Mitarbeitende für seinen neuen Standort in Polen anheuern. Zudem schaut sich Standard Chartered Warschau als einen möglichen Standort für ein neues Büro mit 500 Mitarbeitenden an. Einem Sprecher zufolge sind zudem Krakau, Prag und Budapest in der Auswahl. Schätzungen zufolge könnten zwischen 35'000 und 45'000 Arbeitsplätze im Finanzbereich nach Polen wandern. Hintergrund ist der geplante Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union.

WENIGER NEUVERSCHULDUNG: (Brüssel) Die EU-Finanzminister haben Grossbritannien nach fast zehn Jahren offiziell aus dem Defizitverfahren entlassen. Die jährliche Neuverschuldung sei unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung gesunken, teilten die Ressortchefs in Brüssel mit. Damit verbleiben nur noch Frankreich und Spanien unter dieser gesonderten Haushaltskontrolle. In der EU ist laut den sogenannten Maastricht-Kriterien eine jährliche Neuverschuldung von 3,0 Prozent des jeweiligen nationalen Bruttoinlandprodukts (BIP) erlaubt. Im Jahr 2009/2010 lag die Neuverschuldung Grossbritanniens noch bei zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Seitdem ist sie stetig gesunken. 2015/2016 lag sie bei 4 Prozent, 2016/2017 schliesslich bei 2,3 Prozent. Da das Land aber nicht in der Eurozone ist, konnten keine Strafen verhängt werden. Grossbritannien wird die EU im März 2019 verlassen.

DEUTLICHE ERHÖHUNG: (Washington) Das US-Handelsdefizit hat sich im Oktober deutlich erhöht. Die Importe übertrafen die Exporte mit 48,7 Milliarden Dollar so stark wie seit Januar nicht mehr, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Das Defizit fiel damit um 8,6 Prozent höher aus als im Vormonat. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen verharrten bei knapp 196 Milliarden Dollar. Die Einfuhren legten dagegen um 1,6 Prozent auf den Rekordwert von fast 245 Milliarden Dollar zu - nicht zuletzt wegen höherer Preise für Rohöl. Das Defizit im US-Handel mit China erhöhte sich um 1,7 Prozent auf mehr als 35 Milliarden Dollar, das mit Mexiko um fast 16 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. US-Präsident Donald Trump wirft Handelspartnern wie China vor, sich mit unfairen Praktiken Vorteile im internationalen Wettbewerb zu erschleichen. Er hat deshalb wiederholt Strafzölle und andere Gegenmassnahmen ins Spiel gebracht.

ERSTE HÜRDE GENOMMEN: (Washington) Der designierte US-Notenbankchef Jerome Powell hat die erste Hürde im parlamentarischen Bestätigungsverfahren genommen. Der Bankenausschuss des Senats votierte mit 22 zu 1 für den von Präsident Donald Trump nominierten Kandidaten. Alle Republikaner in dem Ausschuss hoben die Hand für Powell, aber auch zehn von elf Demokraten. Damit ist der Weg für eine Abstimmung im Senatsplenum frei, das den langjährigen Direktor noch für den Chefposten bestätigen muss. Eine Mehrheit für den Währungshüter mit republikanischem Parteibuch gilt angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Parlamentskammer als Formsache, da im Senat die Republikaner dominieren. Powell soll Anfang Februar an die Spitze der Notenbank Fed wechseln und Amtsinhaberin Janet Yellen ablösen.

YOUTUBE LÖSCHT VIDEOS: (London) Der Google-Konzern will demnächst 10'000 Mitarbeiter darauf ansetzen, dass bei seinem Videoportal Youtube keine extremistischen oder Kinder gefährdende Inhalte mehr veröffentlicht werden können. Allein letzte Woche hatte Youtube 150'000 Videos von Kindern entfernt. Youtube-Chefin Susan Wojcicki sagte der britischen Zeitung "Daily Telegraph", das Personal für diese Aufgabe werde aufgestockt.

(AWP)