Talanx schraubt Prognose nach oben

(Ausführliche Fassung) - Den Versicherungskonzern Talanx stimmen weniger Grossschäden und Fortschritte bei der Neuausrichtung des Deutschlandgeschäfts optimistisch. Nach einem besser als erwartet verlaufenen zweiten Quartal hob der Konzern, zu dem Marken wie HDI und Neue Leben, aber auch die Mehrheit am Rückversicherer Hannover Rück gehören, seine Prognose für 2017 an.
14.08.2017 11:39

Wie Talanx am Montag mitteilte, soll der Konzerngewinn im Gesamtjahr nun rund 850 Millionen Euro betragen, und nicht mehr nur rund 800 Millionen Euro. Die Prämieneinnahmen sollen um mehr als vier Prozent wachsen. Bislang war Talanx hier zuvor von gut einem Prozent Plus ausgegangen.

An der Börse legte die im MDax notierte Aktie zuletzt um ein knappes Prozent zu. Für gute Stimmung sorgten die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen. Die Anhebung der Gewinnprognose kam aus Sicht der DZ Bank hingegen nicht überraschend. Die meisten Analysten waren in ihren Berechnungen bereits von einem Jahresergebnis um die 850 Millionen Euro ausgegangen.

Talanx-Chef Herbert Haas zeigte sich "äusserst zufrieden" mit dem Geschäftsverlauf. Das Konzernergebnis stieg im zweiten Quartal um fast ein Viertel auf 225 Millionen Euro. Operativ verdiente Talanx mit 549 Millionen Euro 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Prämieneinnahmen wuchsen um 5 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro.

Wachstumslokomotive war im ersten Halbjahr das Privat- und Firmenkundengeschäft im Ausland. Im zweiten Quartal ging das Prämienwachstum im Ausland wegen sinkender Einmalbeträge in Italien allerdings gen Null. Fortschritte machte Talanx im Deutschlandgeschäft. Nachdem der Konzern im ersten Quartal noch einen kräftigen Ergebnisrückgang verbucht hatte, stieg der Segmentsgewinn im zweiten Quartal wieder kräftig an. Dies lag an niedrigeren Kosten sowie einer besseren Profitabilität bei der Schaden- und Unfallversicherung. "Wir sehen, dass unsere Digitalstrategie Wirkung zeigt, und hoffen, dass sich dies im zweiten Halbjahr fortsetzt", sagte Haas.

Die Industrieversicherung steuerte ebenfalls ein besseres Ergebnis bei, ebenso die Rückversicherung. Die Hannover Rück hatte vergangene Woche bereits über einen deutlichen Gewinnsprung berichtet. Dies lag vor allem am Ausbleiben schwerer Katastrophen. Die Belastungen durch Naturkatastrophen und Grossschäden für den Talanx-Konzern beliefen sich bis Ende Juni auf knapp 200 Millionen Euro, nachdem sie im Vorjahr fast eine halbe Milliarde Euro betragen hatten.

Mit seinem Grossschadenbudget liege Talanx damit im Plan, sagte Haas. Dies gelte auch in Bezug auf die jüngsten Überschwemmungen in Deutschland oder die entstandenen Schäden beim G20-Gipfel in Hamburg. Allerdings habe nun die Hurrikan-Saison begonnen. Experten rechnen in diesem Jahr mit überdurchschnittlich vielen tropischen Wirbelstürmen./she/men/stb

(AWP)