Tamedia fehlen Printwerbeeinahmen - Digital wächst weiter profitabel

(Um weitere Angaben ergänzt)
25.08.2016 10:29

Zürich (awp) - Das Medienhaus Tamedia hat im ersten Semester des laufenden Jahres deutlich unter den rückläufigen Print-Werbeerlösen gelitten. Das erneut klare Wachstum der digitalen Aktivitäten vermochte den Rückgang im angestammten Publizistikgeschäft nicht ganz zu kompensieren. Mittlerweile sind die digitalen Angebote für knapp 31% des Umsatzes und über die Hälfte des EBIT verantwortlich.

Der Umsatz des grössten privaten Medienhauses in der Schweiz sank in den ersten sechs Monaten um gut 5% auf 504 Mio, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Der EBIT nahm dabei überproportional um 15% auf 61,3 Mio CHF ab, die Marge verringerte sich damit auf 12,2% nach 13,6% im Vorjahr. Unter dem Strich verblieb ein Gewinn von 55,8 Mio nach 71,6 Mio. Die Vorjahreszahl war indes durch den Verkauf der Beteiligen an Naville und dem Winterthurer Stadtanzeiger begünstigt worden.

Die ausgewiesenen Zahlen liegen bezüglich Umsatz im Rahmen, auf Stufe EBIT aber deutlich unter den Erwartungen von Analysten.

SONNTAGS- UND FINANZPRESSE MIT HOHEM INSERATERÜCKGANG

In einem anhaltend herausfordernden Umfeld bewegten sich die beiden publizistischen Geschäftsfelder, heisst es. Publizistik Regional musste einen Umsatzrückgang um 11,2% hinnehmen, Publizistik National weist ein Minus von 5,3% aus. Auch bezüglich Profitabilität musste das Mediengeschäft Federn lassen. Die regionalen Titel generierten eine EBIT-Marge von 6,4% nach 9,0% im Vorjahr, die nationalen Medien der Gruppe erreichten 16,9% (VJ 17,8%).

Trotz steigender Erlöse auf den digitalen Medienplattformen hat sich der Umsatz in der Publizistik gesamthaft rückläufig entwickelt. Hauptgrund dafür sind die sinkenden Werbeerlöse im angestammten Printgeschäft, deren Rückgang sich nach Angaben von Tamedia gegenüber dem Vorjahr gar noch beschleunigt habe und um die 10% betragen dürfte. Besonders stark betroffen sind die Sonntags- und die Wirtschaftpresse - beide mit Abnahmen von über 20%.

EFFIZIENZSTEIERUNGSMASSNAHMEN IM UMFANG VON 74 MIO

Um die Wirtschaftlichkeit der regionalen Tageszeitungen, Sonntagszeitungen und Zeitschriften zu erhalten, prüft Tamedia laufend weitere Massnahmen zur Steigerung der Effizienz und Kooperationen. So sind per Mitte Jahr bereits wieder Effizienzsteigerungsmassnahmen mit einem erwarteten Effekt von rund 74 Mio umgesetzt oder entschieden, wovon 43 Mio bereits 2016 wirksam werden. Gleichzeitig arbeitet die Mediengruppe an der bereits zu früherem Zeitpunkt angekündigten Neuaufstellung des Werbe- und Nutzermarktes. Diese wird voraussichtlich Anfangs November abgeschlossen

TECHNOLOGIE WIRD ORGANISATORISCH WEITER AUFGEWERTET

Wachstum generiert Tamedia weiter im Digitalgeschäft. Der Umsatz wuchs hier um 8,5% auf 117 Mio, die EBIT-Marge verbesserte sich auf 23,4% von 19,7%. Neben dem organischen Wachstum der Rubriken- und Marktplatz-Angebote wirkten sich auch die Ergebnisbeiträge der Verzeichnisdienste von search.ch und local.ch, die erstmals direkt im Geschäftsfeld Digital ausgewiesen werden, positiv aus.

Das wachsende Digitalgeschäft kommt künftig in der Unternehmensorganisation stärker zur Geltung. So wird Samuel Hügli per 1. Januar 2017 zum neuen CTO & Head Digital Ventures ernannt und nimmt in dieser Funktion auch Einsitz in der Unternehmensleitung. Der neue Unternehmensbereich Technologie & Digital Ventures umfasst die bisherige Corporate IT, die IT Publishing, die IT Digital sowie die digitalen Ventures. Damit entstehe erstmals ein ganzheitlicher und nutzerorientierter IT-Kompetenzbereich innerhalb der gesamten Gruppe, heisst es. Hügli übernimmt zudem die Verantwortung für Doodle, Olmero und starticket.ch sowie unter anderem für die Beteiligungen an local.ch & search.ch und Zattoo.

Der bisher alleinige Leiter des Digitalgeschäfts Christoph Brand verantwortet ab 2017 als Head Classifieds & Marketplaces die strategischen Kernaktivitäten wie homegate.ch, ricardo.ch, JobCloud sowie tutti.ch.

QUALITÄTS-MONITORING FÜR ALLE MEDIEN

In separater Mitteilung kündigte das Medienhaus zudem die Einführung eines gruppenweiten Qualitätsmonitorings für alle Medien an. Damit sollen neben allgemeingültigen journalistischen Grundsätzen auch spezifische, auf die Medien zugeschnittene Qualitätsdimensionen berücksichtigt werden. Mit dem Aufbau des Monitorings wurde der langjährige Chefredaktor des Tages-Anzeigers Res Strehle betraut.

gab/uh

(AWP)