Tamedia machen die fehlenden Printwerbeeinahmen zu schaffen

Zürich (awp) - Das Medienhaus Tamedia hat im ersten Semester des laufenden Jahres etwas weniger umgesetzt und deutlich weniger verdient. Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten um 5,1% auf 503,6 Mio. Der EBIT nahm überproportional um 15,4% auf 61,3 Mio CHF ab, die Marge verringerte sich damit auf 12,2% nach 13,6% im Vorjahr. Unter dem Strich verblieb dem grössten privaten Medienunternehmen des Landes ein Gewinn von 55,8 Mio nach 71,6 Mio. Die Vorjahreszahl war indes durch den Verkauf der Beteiligen an Naville und dem Winterthurer Stadtanzeiger begünstigt worden.
25.08.2016 07:24

Die ausgewiesenen Zahlen liegen bezüglich Umsatz im Rahmen, auf Stufe EBIT aber deutlich unter den Erwartungen von Analysten. HelveaBaader bzw. die ZKB hatten einen Umsatz von 496,9 Mio bzw. 506,7 Mio und einen EBIT von 72,4 Mio bzw. 70,1 Mio prognostiziert.

Wachstum generiert Tamedia weiter im Digitalgeschäft. Der Umsatz wuchs hier um 8,5% auf 117 Mio, der EBITDA verbesserte sich um knapp 31% auf 44,9 Mio, was einer Marge von 38,4% (VJ 31,8%) entspricht, wie Tamedia am Donnerstag mitteilte. Neben dem organischen Wachstum der Rubriken- und Marktplatz-Angebote wirkten sich auch die Ergebnisbeiträge der Verzeichnisdienste von search.ch und local.ch, die erstmals direkt im Geschäftsfeld Digital ausgewiesen werden, positiv aus. Das Geschäftsfeld Digital - zusammen mit den digitalen publizistischen Plattformen von Tamedia - steuert so 30,9% zum Umsatz und 49,9% zum EBITDA der Gesamtgruppe bei.

In einem anhaltend herausfordernden Umfeld bewegen sich dagegen die beiden publizistischen Geschäftsfelder. Publizistik Regional musste einen Umsatzrückgang um 11,2% hinnehmen, Publizistik National weist ein Minus von 5,3% aus. Auch bezüglich Profitabilität musste das Mediengeschäft Federn lassen. Die regionalen Titel generierten eine EBITDA-Marge von 14,1% nach 16,1% im Vorjahr, die nationalen Medien der Gruppe erreichten 18,6% (VJ 19,5%).

Trotz steigender Digitalerlöse entwickle sich der Umsatz in der Publizistik gesamthaft rückläufig. Hauptgrund dafür seien sinkende Werbeerlöse, deren Rückgang sich gegenüber dem Vorjahr erneut beschleunigt habe, schreibt Tamedia. Um die Wirtschaftlichkeit der regionalen Tageszeitungen, Sonntagszeitungen und Zeitschriften zu erhalten, prüft Tamedia deshalb laufend weitere Effizienzsteigerungsmassnahmen und Kooperationen. Gleichzeitig arbeitet die Mediengruppe an der bereits zu früherem Zeitpunkt angekündigten Neuaufstellung des Werbe- und Nutzermarktes.

Eine quantitative Guidance auf das Gesamtjahr gibt Tamedia wie gewohnt keine ab.

QUALITÄTS-MONITORING FÜR ALLE MEDIEN

Mit dem Semesterabschluss gab Tamedia zudem die Ernennung von Samuel Hügli zum neuen CTO & Head Digital Ventures bekannt. Er wird in der neuen Position zudem Mitglied der Unternehmensleitung. Der neue Unternehmensbereich Technologie & Digital Ventures umfasst die bisherige Corporate IT, die IT Publishing, die IT Digital sowie die digitalen Ventures. Damit entstehe erstmals ein ganzheitlicher und nutzerorientierter IT-Kompetenzbereich innerhalb der gesamten Gruppe, heisst es.

In separater Mitteilung kündigte das Medienhaus zudem die Einführung eines gruppenweiten Qualitätsmonitorings für alle Medien an. Damit sollen neben allgemeingültigen journalistischen Grundsätzen auch spezifische, auf die Medien zugeschnittene Qualitätsdimensionen berücksichtigt werden. Mit dem Aufbau des Monitorings wurde der langjährige Chefredaktor des Tages-Anzeigers Res Strehle betraut.

gab/uh

(AWP)