Thyssenkrupp-Chef sieht in dem erwarteten Dax-Abstieg kein Problem

Der neue Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat mit dem erwarteten Abstieg aus der ersten Börsenliga nach der geplanten Aufteilung des Konzerns kein Problem. "Der Dax ist kein Selbstzweck", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Dienstagausgabe). "Wir schaffen zwei starke Unternehmen, die sich besser entwickeln können als Thyssenkrupp in der derzeitigen Aufstellung." Das sei für die Mitarbeiter entscheidend. "Es geht hier nicht um Eitelkeiten." Mit Thyssenkrupp würde nach der Commerzbank innerhalb kurzer Zeit ein zweiter Traditionskonzern aus dem Dax verschwinden.
02.10.2018 07:53

Thyssenkrupp selbst ist zwar erst 1999 im Dax notiert - aber mit Thyssen war eine der Vorgängergesellschaften Gründungsmitglied des seit 1988 existierenden Dax, in dem die 30 grössten börsennotierten Konzerne Deutschlands versammelt sind. Die Commerzbank war ebenfalls von Anfang an dabei, musste aber nach den massiven Kursverlusten in den vergangenen Jahren vor wenigen Wochen den Platz für das Fintech-Unternehmen Wirecard räumen.

Bei Thyssenkrupp gilt es als wahrscheinlich, dass die geplanten Gesellschaften Materials (Stahl und Werkstoffhandel) sowie Industrials (Aufzüge, Autoteile, Anlagenbau) nicht die Dax-Kriterien bei der Marktkapitalisierung erfüllen. Um im Dax notiert zu sein, muss man zu den wertvollsten Unternehmen des Landes zählen und zudem muss die Aktie rege gehandelt werden. Kerkhoff betonte aber, dass dies keine Auswirkung auf das Geschäft haben werde. "Beide Unternehmen können sich alleine besser entwickeln", sagte er. "Beide werden auch finanziell stärker sein."

Kerkhoff, der vom Thyssenkrupp-Aufsichtsrat einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten hat, wandte sich gegen Verkäufe von Unternehmensteilen, um schnell Kasse zu machen. "Ich habe zu jeder Zeit klar gemacht, dass ein Ausverkauf mit mir nicht zu machen ist", sagte er. Neben dem Ankeraktionär Krupp-Stiftung hatten auch der Finanzinvestor Cevian und die IG Metall Zustimmung für seine Pläne signalisiert.

"Es ist uns gelungen, den Ausverkauf einzelner Konzernteile zu verhindern, den die Investoren betrieben haben", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der WAZ. "Für uns war entscheidend, dass die Beschäftigung und Standorte langfristig gesichert werden. Das haben wir mit der Grundlagenvereinbarung, die der Aufsichtsrat am Sonntag mitbeschlossen hat, erreicht."/zb/nas/jha/

(AWP)

 
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