Thyssenkrupp lässt Mitarbeiter über Werksschliessungen im Unklaren

ESSEN (awp international) - Den Stahlarbeitern beim Industriekonzern Thyssenkrupp drohen neue Einschnitte. Hintergrund ist die anhaltend schwierige Ertragslage. "Wir müssen uns dem Wettbewerb stellen", sagte Finanzvorstand Guido Kerkhoff am Donnerstag in einer Telefonkonferenz, angesprochen auf die Notwendigkeit weiterer Einsparungen und sogar möglicher Werksschliessungen. Angesichts des anhaltenden Preisdrucks sei es eine wichtige Aufgabe, das Geschäft effizienter zu machen. "Wir sehen strukturelle Herausforderungen." Konkreter wollte der Manager aber nicht werden, auch nicht mit Blick auf die Mitarbeiter. "Man muss auch einmal eine Periode einer gewissen Unsicherheit aushalten können." Der Konzern hatte in seinem europäischen Stahlgeschäft Ende Juni 27201 Mitarbeiter.
11.08.2016 11:16

Das "Handelsblatt" hatte zuvor berichtet, dass vor allem ein Warmwalzwerk in Bochum gefährdet sei, da dies im Konzernvergleich zu hohe Kosten habe. Aber auch für Werke im siegerländischen Kreuztal und in Gelsenkirchen könnte es eng werden. In der Diskussion sei auch die Zukunft der Duisburger Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM), das Thysssenkrupp zusammen mit Salzgitter und dem französischen Vallourec-Konzern gehört.

In den ersten drei Monaten des Ende September auslaufenden Geschäftsjahres sackte der operative Gewinn des europäischen Stahlgeschäfts von Thyssenkrupp um mehr als 40 Prozent auf 207 Millionen Euro ab. Ihre Kapitalkosten verdiente die Sparte damit laut Kerkhoff nicht. Grund ist ein erheblicher Preisrückgang. In den vergangenen Monaten zogen die Preise zwar wieder an. Kerkhoff wollte aber keine Prognose wagen, ob diese Entwicklung nachhaltig ist. "Aktuell sehen wir eher eine Seitwärtsbewegung der Preise."

Derzeit führt der Konzern Gespräche mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel über einen möglichen Zusammenschluss der jeweiligen europäischen Stahlaktivitäten. Damit verbunden ist die Hoffnung auf erhebliche Kostenvorteile für beide Seiten. Kern des geplanten Verbunds dürften das Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg und die Tata-Anlage im niederländischen Ijmuiden sein.

Unklar ist, inwiefern der politische Umbruch in Grossbritannien nach dem Brexit-Votum die Pläne durcheinander wirbelt. Denn zu Tata Steel gehören auch marode britische Stahlwerke. Die Inder hatten sich mit der Regierung des zurückgetretenen Premierministers David Cameron bereits auf umfangreiche Subventionen für die dortigen Anlagen und deren hohe Pensionsverpflichtungen verständigt. Mit dieser staatlichen Hilfe sollten die Werke in Grossbritannien modernisiert werden, was einen Verkauf an auswärtige Investoren erleichtern würde. Ob sich die neue britische Premierministerin Theresa May an diese Vereinbarung gebunden fühlt, ist offen. Kerkhoff betonte, dass mit dem Brexit-Votum die mögliche Fusion keineswegs schon gescheitert sei. Er sehe die Folgen eher neutral für den Verhandlungen.

Den Gewerkschaften gehen die Pläne von Thyssenkrupp viel zu weit. Sie wollen Ende des Monats gegen neue Einschnitte im Stahlbereich demonstrieren. Die Arbeiter verzichten bereits seit 2014 auf Geld, seitdem gilt im Duisburger Gross-Stahlwerk eine 31-Stunden-Woche./enl/das/stb

(AWP)