Thyssenkrupp leidet unter schwachen Stahlpreisen - Besserung in Sicht

ESSEN (awp international) - Die niedrigen Stahlpreise haben dem Industriekonzern Thyssenkrupp auch in dessen dritten Geschäftsquartal stark belastet. Der Umsatz sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen am Donnerstag in Essen mitteilte. Der operative Gewinn ging um 18 Prozent auf 441 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich verdiente Thyssenkrupp 130 Millionen Euro, das ist rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr.
11.08.2016 07:17

Besserung ist aber in Sicht. "Wir verzeichnen jetzt erste Verbesserungen bei den Roh- und Werkstoffpreisen", sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Schon im abgelaufenen Quartal hätten sich bereits erste Erholungstendenzen gezeigt. Für den Lichtblick sorgte mit dem brasilianischen Stahlwerk das grösste Sorgensparte des Konzerns. Erstmals seit zwei Jahren erwirtschaftete es wieder schwarze Zahlen.

PROGNOSE BESTÄTIGT

An der vor drei Monaten gesenkten Prognose für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr hielt der Konzern fest. Das Management erwartet einen Rückgang des bereinigten Ebit auf gut 1,4 Milliarden Euro. Zuvor lag das Ziel für dieses Geschäftsjahr bei 1,6 bis 1,9 Milliarden. Eine Milliarde hat Thyssenkrupp nach neun Monaten eingefahren. Im gesamten vergangenen Geschäftsjahr hatte der Konzern operativ knapp 1,7 Milliarden Euro verdient. Unter dem Strich rechnet das Unternehmen mit einem stagnierenden Ergebnis.

Die Erholung der Stahlpreise in den vergangenen Monaten kommt für Thyssenkrupp zu spät, um im Gesamtjahr den ursprünglich erhofften Gewinnanstieg noch zu schaffen. Die höheren Erlöse schlagen sich erst mit einer gewissen Verzögerung in den Ergebnissen nieder. Hinzu kommt, dass Thyssenkrupp zuletzt unter einem schlechter laufenden Geschäft seiner Anlagenbausparte Industrial Solutions litt. Dabei machte sich die Schwäche der Öl- und Bergbauindustrie bemerkbar. Nun soll ein Sparprogramm der Sparte wieder auf die Sprünge helfen.

DÜNNE FINANZDECKE

Weiter angespannt bleibt die Finanzlage. Die Nettoschulden stagnierten wie im Vorquartal bei 4,8 Milliarden Euro. Das Eigenkapital ging noch einmal leicht auf 2,7 Milliarden Euro zurück. Damit liegt das Verhältnis der Schulden zum Eigenkapital bei sehr hohen 175 Prozent. Allerdings versicherte der Vorstand, dass die Quote bis Ende September wieder unter die kritische Marke von 150 Prozent sinken soll. Dies ist für einige Kreditverträge wichtig./enl/he

(AWP)