ThyssenKrupp schliesst Traditionsstandort im ostfriesischen Emden

Der Industriekonzern Thyssenkrupp will seinen Standort im ostfriesischen Emden mit 220 Mitarbeitern schliessen. Alle Beschäftigten der ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) sollten Arbeitsplatzangebote an anderen Standorten bekommen, sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher am Freitag. Die Umstrukturierung sei Folge des verschärften Wettbewerbsdrucks bei einer steigenden Nachfrage nach Marineschiffen. Über die Pläne hatten zuvor die "Emder Zeitung" und die "Ostfriesen-Zeitung" (Freitagausgabe) berichtet.
01.09.2017 12:24

Am Vormittag hatte das Unternehmen die Emder Belegschaft bei einer Betriebsversammlung informiert. Gewerkschafter kritisierten anschliessend die Schliessungspläne als wirtschaftlich nicht sinnvoll und nachvollziehbar.

"Das Kalkül ist, dass damit nur der Personalabbau vorangetrieben werden soll", sagte der Geschäftsführer der Emder IG Metall, Michael Hehemann. Viele in Ostfriesland verwurzelte Mitarbeiter wollten die Region nicht für einen Umzug nach Kiel oder in andere Standorte verlassen. ThyssenKrupp habe den Standort nach und nach zerschlagen und verbrannte Erde hinterlassen, sagte Hehemann.

TKMS-Geschäftsführer Rolf Wirtz zeigte in einer Erklärung Verständnis, dass für die Mitarbeiter jetzt viele Unwägbarkeiten entstünden. Das Unternehmen wolle und könne auf die qualifizierten Mitarbeiter nicht verzichten. "Die strategische Entscheidung ist jedoch nötig, um in einem harten Wettbewerb auch in Zukunft bestehen zu können", so Wirtz.

Thyssenkrupp hatte am Donnerstag die Streichung von zusätzlich bis zu 1000 Stellen in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt sollte der Grossanlagenbau sein, zu der auch der Marineschiffbau gehört. Insgesamt ist der Abbau von weltweit bis zu 1500 Stellen in den kommenden drei Jahren vorgesehen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits die Streichung von bis zu 500 Stellen im Verwaltungsbereich angekündigt, davon bis zu 300 in Deutschland.

TKMS Emden mit Technikern und Schiffskonstrukteuren ist der letzte Unternehmensteil von ThyssenKrupp auf der ehemaligen Traditionswerft Nordseewerke. Thyssen hatte die 1903 gegründete Werft 1974 übernommen und im Jahr 2010 verkauft. Nach dem letzten Stapellauf 2009 und zwei Insolvenzanträgen wurde der Schiffbau eingestellt. Inzwischen sind zwei Nachfolgeunternehmen auf dem Werftgelände aktiv, die nicht zu ThyssenKrupp gehören./woe/DP/edh

(AWP)