ThyssenKrupp setzt im Streit um Stahlfusion Arbeitsgruppe ein

Im Streit um die geplante Fusion der Stahlsparte von ThyssenKrupp mit dem Konkurrenten Tata Steel setzt der Verwaltungsrat des Essener Industriekonzerns eine Arbeitsgruppe ein. Das beschloss das Kontrollgremium am Samstag.
24.09.2017 13:49

Die Arbeitsgruppe werde auf Unternehmensseite von Arbeitsdirektor Oliver Burkhard, auf Arbeitnehmerseite von Markus Grolms, Sekretär bei der Gewerkschaft IG-Metall, geleitet, teilte ThyssenKrupp mit. Wann das Gremium zum ersten Mal zusammenkommt, ist laut einem Sprecher noch nicht bekannt.

Bei der Sitzung des Verwaltungsrates stellte Konzernchef Heinrich Hiesinger die Pläne vor: ThyssenKrupp und Tata Steel wollen ihre Stahlaktivitäten in Europa zusammenlegen und so den zweitgrössten europäischen Stahlproduzenten nach ArcelorMittal schmieden.

Am Mittwoch hatten sie eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Die Fusion in einem Joint Venture soll zum Wegfall von bis zu 4000 Jobs führen, rund die Hälfte davon bei ThyssenKrupp.

Mehr als 7000 Menschen protestierten am Freitag auf Aufruf der IG Metall in Bochum gegen diese Pläne. Die Gewerkschaft fürchtet weitere Stellenstreichungen zu einem späteren Zeitpunkt sowie Standortschliessungen und spricht sich auch gegen die geplante Verlegung des Firmensitzes in die Niederlande aus, um die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Unternehmen zu gewährleisten.

Furcht um weitreichende Mitbestimmung

In der deutschen Eisen-, Stahl- und Bergbauindustrie - also auch bei ThyssenKrupp Steel Europe - gelten weitreichende Mitbestimmungsrechte. In Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten muss der Verwaltungsrat jeweils zur Hälfte mit Vertretern der Arbeitnehmerseite besetzt sein, damit deren Interessen bei der Unternehmensführung berücksichtigt werden. Dazu kommt ein "neutrales" Mitglied.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp ist "normal" mitbestimmt. Im Aufsichtsrat sitzen jeweils zehn Vertreter der Unternehmensseite und zehn der Arbeitgeberseite; in einer Pattsituation hat der Vorsitzende Ulrich Lehner, den die Unternehmensseite stellt, das doppelte Stimmrecht.

ThyssenKrupp-Grossaktionär Cevian aus Schweden unterstützt die Pläne Hiesingers, wie die "Bild am Sonntag" berichtete. Entscheidend sei, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen für ThyssenKrupp eine Wertsteigerung bringe, sagte ein Cevian-Insider der Zeitung. "Cevian wird darauf achten, dass die Synergien auch so kommen wie versprochen."

(AWP)