Thyssenkrupp-Stahlkocher wollen bis Freitag Klarheit über Jobverluste

(Ausführliche Fassung) - Die Beschäftigten der Thyssenkrupp -Stahlsparte fordern vom Vorstand bis zu diesem Freitag Klarheit über die Stellenverluste bei der geplanten Fusion mit Tata. "Die angekündigten 2000 Jobs, die weg gehen, werden nicht alles sein", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssenkrupp-Steel Europe (TKSE), Günter Back, am Dienstag in Duisburg. Zuvor waren Mitarbeiter an zehn Standorten zu ausserordentlichen Betriebsversammlungen zusammengekommen. Die Wahrheit über weitere Stellenkürzungen werde aber vom Vorstand verschleiert, befürchten sie.
07.11.2017 15:02

Wenn das Management bis zum Freitag keine Zahlen auf den Tisch lege, werde der Betriebsrat sich neue Schritte überlegen. Am 23. November werde es eine grosse Demonstration bei der TKSE-Tochter Rasselstein in Andernach in Rheinland-Pfalz mit mehreren tausend Teilnehmern geben - parallel zur Essener Bilanz-Pressekonferenz. Auch regelmässige Informationsveranstaltungen in den Betrieben seien denkbar. Dabei sind erfahrungsgemäss Einschränkungen in der Produktion möglich.

"Ausserdem haben wir eine Menge Leute, die die Villa Hügel und die Thyssenkrupp-Stiftung gern mal wieder besuchen würden", sagte Back. Er spielte damit auf den Sturm wütender Arbeiter auf den ehemaligen Stammsitz der Krupps Ende 1987 im Zuge der Thyssen-Krupp-Fusion an.

Die Mitarbeitervertreter kritisierten die Fusionspläne: Das geplante Stahl-Joint-Venture solle Schulden und Pensionsverpflichtungen für 6,5 Milliarden Euro übernehmen. Gewinne würden nach den Plänen von Thyssenkrupp und Tata abgeschöpft - für den Fall einer schwächeren Stahlkonjunktur seien aber keine Verlustübernahmen vorgesehen. "Und wenn das Ganze in Probleme gerät, will keiner etwas damit zu tun haben", sagte Back.

Ausserdem lehnen die Betriebsräte die geplante Verlegung des Sitzes der neuen Gesellschaft in die Niederlande strikt ab. Nach niederländischem Recht dürften dort nämlich keine Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sitzen. Damit würden die deutschen Mitbestimmungsrechte degradiert, kritisierte Back.

Thyssenkrupp hatte angekündigt, im Zuge der Fusion mit der Tata-Stahlsparte deutschlandweit rund 2000 Stellen zu streichen. Besiegelt werden soll das Geschäft laut Zeitplan Anfang 2018./rs/DP/jha

(AWP)