Thyssenkrupp sucht weiter nach Fusionsmöglichkeit für europäisches Stahlgeschäft

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat erneut für eine Fusion des europäischen Stahlgeschäfts des Industriekonzerns geworben. In der europäischen Stahlbranche gebe es strukturelle Überkapazitäten. Zudem belaste ein enormer Preisdruck durch Importe aus Asien die europäischen Hersteller. "Seit Jahren verdienen wir unsere Kapitalkosten nicht", wird Unternehmenschef Heinrich Hiesinger am Freitag bei der Hauptversammlung (10 Uhr) laut des vorab veröffentlichten Redetextes sagen. Und das sei so, obwohl das europäische Stahlgeschäft von Thyssenkrupp zu den zwei profitabelsten Herstellern in Europa gehöre.
27.01.2017 07:05

"Sparprogramme verschaffen uns nur kurzfristig eine Atempause", sagte der seit sechs Jahren an der Sanierung arbeitende Hiesinger. "Ohne grundlegende Änderungen würden wir unweigerlich ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen anstossen müssen." Hinzu kämen hohe Risiken und Kosten für Energie und Klimaschutz. "Wir haben immer gesagt, dass wir unter diesen Umständen eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie für erforderlich halten. In einer solchen Situation spricht jeder mit jedem. Unter anderem sprechen wir mit Tata Steel."

Ob, wann und mit wem ein Konsolidierungsschritt kommen werde, sei aber weiterhin offen. "Ein solcher Schritt muss gründlich vorbereitet sein. Deshalb führen wir die Gespräche mit grosser Sorgfalt", so Hiesinger laut des vorab verbreiteten Redetextes. "Tata müsste zum Beispiel eine tragfähige Lösung für die hohen Pensionsverpflichtungen in Grossbritannien finden." Ausserdem müsste jedem möglichen Gemeinschaftsunternehmen oder Zusammenschluss ein überzeugendes industrielles Konzept mit entsprechenden Synergien zu Grunde liegen.

"Manche von Ihnen sind angesichts dieser Gespräche vielleicht skeptisch. Schliesslich geht es bei der Stahlsparte um nichts Geringeres als die Keimzelle unseres Konzerns", so Hiesinger. Anderen hingegen könne eine Lösung für das europäische Stahlgeschäft nicht schnell genug gehen. "Wir sehen die strategische Notwendigkeit. Und auch wir wünschen uns eine zügige Lösung, aber es muss eine gute Lösung sein. Eine Lösung, die die Zukunftsfähigkeit der Stahlproduktion in Deutschland und Europa ermöglicht - und die braucht Zeit."/zb/stk

(AWP)