Thyssenkrupp will Wachstumskurs fortsetzen

(Ausführliche Fassung) - Gute Geschäfte mit Komponenten für die Automobilindustrie, Aufzügen sowie bessere Stahlpreise haben im vergangenen Jahr für ein operatives Ergebnisplus beim Industriekonzern Thyssenkrupp gesorgt. Zudem leisteten Einsparungen einen erheblichen Ergebnisbeitrag. Für das neue Geschäftsjahr erwartet der Konzern eine Fortsetzung der operativen Erholung und rechnet mit höheren Gewinnen. Dabei kann sich Thyssenkrupp auf volle Auftragsbücher stützen.
23.11.2017 07:15

So stiegen die Auftragseingänge im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 um 18 Prozent auf 44,3 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg um fast ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro. Das lag über den Erwartungen des Managements sowie der Analysten. Im fortgeführten Geschäft, sprich ohne die mittlerweile verkauften Stahlgeschäfte in Amerika, verbesserte sich das bereinigte Ebit um 15 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Einsparungen leisteten dabei mit 930 Millionen Euro einen höheren Ebit-Beitrag als geplant.

Dennoch stand im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr netto ein Verlust von 649 Millionen Euro. Hintergrund ist die Abschreibung von 900 Millionen Euro auf das mittlerweile verkaufte brasilianische Stahlwerk, die Thyssenkrupp im ersten Halbjahr vorgenommen hatte. Im fortgeführten Geschäft sank das Nettoergebnis um knapp ein Drittel auf 212 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,15 Euro je Aktie erhalten.

Dank der Kapitalerhöhung im vierten Quartal sowie den Erlösen aus dem Brasilien-Verkauf konnte Thyssenkrupp die Nettofinanzverschuldung deutlich von 3,5 Milliarden auf knapp 2 Milliarden Euro senken. Zudem verbesserte sich das Eigenkapital.

Im neuen Geschäftsjahr will Thyssenkrupp seine gute operative Entwicklung fortsetzen und seine Gewinne weiter erhöhen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll 2017/18 auf 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro zulegen. Analysten rechnen im Schnitt mit 2 Milliarden. Der Jahresüberschuss soll deutlich positiv und über dem Vorjahreswert liegen.

Zudem will Thyssenkrupp seinen Umbauprozess fortsetzen. Neben geplanten Einsparungen mit Ebit-Effekten von 750 Millionen Euro steht dabei vor allem die geplante Zusammenlegung der europäischen Stahlaktivitäten mit der indischen Tata im Vordergrund. An dem Gemeinschaftsunternehmen wollen beide Partner 50 Prozent halten. Der endgültige Vertrag soll bis Anfang 2018 ausgearbeitet werden, die Transaktion möglichst bis Ende 2018 abgeschlossen werden.

Thyssenkrupp und Tata erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten Synergien in Millionenhöhe - die erwarteten jährlichen Einsparungen bezifferte der Essener Konzern auf 400 bis 600 Millionen Euro. Wie hoch die Restrukturierungskosten ausfallen, ist jedoch noch unklar. Thyssenkrupp hatte bislang angekündigt, dass in dem Zusammenhang 2000 der zuletzt 27 000 Stellen im Stahlgeschäft des Konzerns wegfallen.

Die Arbeitnehmerseite hat sich bisher vehement gegen die Fusion ausgesprochen, der Betriebsrat von Thyssenkrupp fürchtet einen weiteren Stellenabbau zu einem späteren Zeitpunkt. Die IG Metall drohte zuletzt mit einem "Nein" zu den Plänen, die noch vom Aufsichtsrat und vom Verwaltungsrat von Tata genehmigt werden müssen. Auch die Wettbewerbsbehörden haben noch ein Wörtchen mitzureden./nas/he/stk

(AWP)