Toshiba prüft Verkauf des verlustreichen US-Atomgeschäfts

(Ausführliche Fassung) - Der angeschlagene japanische Technologiekonzern Toshiba will die grosse Probleme bereitende US-Atomsparte loswerden. Derzeit werde überprüft, inwieweit die Tochter Westinghouse noch zum Konzern passe, und ob die Sparte verkauft werden soll, teilte Toshiba am Dienstag in Tokio mit. Der Konzern bekamt zudem die Erlaubnis, die Vorlage der Quartalszahlen erneut zu verschieben.
14.03.2017 07:05

Die nächste Frist zur Vorlage der Bilanzzahlen für die ersten neun Monate des bis Ende März laufenden Geschäftsjahres ist der 11. April. Kann Toshiba auch diese Frist nicht einhalten, droht die Streichung vom Börsenzettel. Der Konzern hatte kürzlich eine Wertberichtigung in Höhe von 721,5 Milliarden Yen (5,9 Mrd Euro) bekanntgegeben.

Auslöser für die Wertberichtigung sind Verzögerungen und Kostenüberschreitungen beim Bau von Atomkraftwerken in den USA. Die Japaner hatten den US-Atomkonzern Westinghouse für über fünf Milliarden Dollar gekauft und dieser hatte wiederum die Spezialbaufirma Stone & Webster übernommen, auf die sich die Abschreibungen zu grossem Teil beziehen.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Toshiba mit einem Verlust von 390 Milliarden Yen statt zuvor erwarteter 145 Milliarden Yen Gewinn. Wegen der massiven Probleme prüft Toshiba derzeit auch den Verkauf des Geschäfts mit Speicherchips. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg wird Toshiba bei dem Verkauf mit rund 13 Milliarden Euro deutlich weniger erlösen als erhofft.

An der Börse sorgte die Ankündigung eines möglichen Westinghouse-Verkaufs für deutliche Kursgewinne. Die Aktie zog zuletzt um rund fünf Prozent an. Mit aktuell rund 215 Yen liegt die Aktie allerdings noch rund die Hälfte unter dem Niveau, das sie vor der Ankündigung der Wertberichtigung hatte./ln/zb/stk

(AWP)