Trump: Habe kein Problem mit den Deutschen, aber mit ihrem Handel

(Ausführliche Fassung) - US-Präsident Donald Trump hat mit neuer Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen für erhebliche Irritationen gesorgt. Vor dem G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien hatte sich Trump vor der EU-Spitze mit den Worten "very bad" über die hohen Exportüberschüsse Deutschlands beschwert. In deutschen Medien wurde dies mit "sehr böse" oder "sehr schlecht" übersetzt.
26.05.2017 18:23

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bestätigte vor dem G7-Gipfel am Freitag in Taormina die Kritik Trumps und gab indirekt wieder, dass die Worte "bad, very bad" gefallen seien. Allerdings sei das von Trump in keiner Weise aggressiv vorgetragen worden.

Juncker sprach von übertriebener Darstellung. Er sei "kein Spezialist im Englischen", sagte der Kommissionspräsident und fügte hinzu: ""Bad" heisst nicht böse, schlecht reicht." Juncker fügte hinzu: "Er hat nicht gesagt, die Deutschen benehmen sich schlecht. Er hat gesagt, wir haben ein Problem." Trump hatte sich bereits mehrfach über den Handelsüberschuss beklagt.

Nach Angaben seines Wirtschaftsberaters sowie Pressesprechers hat Trump kein Problem mit den Deutschen, sehr wohl aber mit dem Handelsüberschuss. Wirtschaftsberater Gary Cohn sagte am Freitag vor Reportern, dass in der Diskussion mit der EU-Spitze in Brüssel über den deutschen Handelsüberschuss mit den USA die Worte "very bad" über Deutschland gefallen seien. Laut Cohn sagte Trump: "Ich habe kein Problem mit Deutschland, ich habe ein Problem mit dem deutschen Handel." Trump habe auch auf seine deutschen Wurzeln verwiesen.

Trumps Pressesprecher Sean Spicer sagte vor Journalisten, Trump habe grossen Respekt vor Deutschland. Berichte, der US-Präsident habe von "schlechten Deutschen" gesprochen, seien falsch. Trump habe aber das "Ungleichgewicht" in den deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen als "unfair" bezeichnet.

EU-Ratspräsident Donald Tusk wollte die Äusserung Trumps gar nicht kommentieren. "Ich will nicht Teil dieser neuen politischen Kultur des ständigen Durchsickerns sein", sagte er. "Die heutige Diplomatie benötigt professionelle Klempner statt indiskreter Diplomaten."

Trump soll bei seiner Kritik erneut die deutschen Autobauer als Beispiel genannt haben. Der "Spiegel" zitierte Trump laut Teilnehmern mit den Worten: "Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen." Die Äusserungen drückten die Aktien deutscher Autobauer. BMW verloren 1,24 Prozent, für Volkswagen und Daimler ging es um je knapp 1 Prozent abwärts./sl/mfi/lw/du/vsr/DP/she

(AWP)