Tui will 350 Mitarbeiter ausgliedern

HANNOVER (awp international) - Der weltgrösste Reisekonzern Tui will den Umbau seiner deutschen Tochter mit Sitz in Hannover vorantreiben. Ziel sei, rund 350 Servicemitarbeiter der Tui in die Service-Tochter TCO auszulagern, sagte ein Tui-Sprecher am Sonntag. Auf diese Weise könnten Mitarbeiter flexibler eingesetzt werden. Der Sprecher räumte aber auch ein, dass Kosten gespart werden könnten, weil die TCO-Beschäftigten unter anderem 40 statt 38,5 Wochenstunden leisteten. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern stünden nun an, bis Ende September solle der Umbau beschlossen sein. Zuvor hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" über die Pläne berichtet.
28.08.2016 14:22

Die Belegschaftsvertreter kündigten dem Bericht zufolge Widerstand gegen die Pläne an. Demnach ist das Weihnachtsgeld der TCO-Beschäftigten geringer, ausserdem gebe es keine betriebliche Altersvorsorge und schlechtere Konditionen bei Mitarbeiterrabatten für Tui-Reisen. Die TCO erfüllt nach Angaben des Tui-Sprechers mit derzeit rund 600 Beschäftigten vor allem Call-Center-Aufgaben.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf der Tui laut Zeitungsbericht vor, nur die Personalkosten senken zu wollen, um Buchungsrückgänge aufzufangen. Tatsächlich hatte Tui-Chef Fritz Joussen trotz der Terrorangst in Europa und der Ausfälle in der Türkei und in Nordafrika an den Gewinnplänen für 2016 festgehalten.

Abstriche gab es aber bei den Umsatzerwartungen: Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September sollen die Erlöse statt um mindestens 3 Prozent nur noch um rund 2 Prozent höher liegen als im Vorjahr, als sie 19 Milliarden Euro erreicht hatten. In diesem Sommer boomt das Geschäft auf dem spanischen Festland, den Balearen und Kanaren. Bei den Urlaubern aus Deutschland und Skandinavien muss Tui aber nach früheren Angaben insgesamt Einbussen hinnehmen. Für den Sommer zählte der Konzern bislang 3 Prozent weniger Kunden aus Deutschland als ein Jahr zuvor. In Skandinavien betrug das Minus sogar 12 Prozent.

Der Unternehmenssprecher verteidigte das Vorhaben: Viele Unternehmen hätten Service-Sparten an externe Dienstleister abgegeben, das Vorhaben der Tui sei dagegen ein "Bekenntnis zum Standort Hannover"./tst/DP/he

(AWP)