UASC-Fusion soll Hapag-Lloyd aus roten Zahlen bringen

(Ausführliche Fassung)
10.08.2016 13:07

HAMBURG (awp international) - Die Container-Reederei Hapag-Lloyd hofft nach tiefroten Zahlen im ersten Halbjahr auf die schnelle Fusion mit dem arabischen Konkurrenten UASC. Mit den erhofften Einsparungen von mindestens 400 Millionen US-Dollar durch den Zusammenschluss will Vorstandschef Rolf Habben Jansen dem Preiskampf in der Branche trotzen. Für das laufende Jahr sieht es allerdings eher düster aus, wie das Unternehmen am Mittwoch mit seiner Zwischenbilanz bestätigte.

Die Hapag-Aktie reagierte mit Kursverlusten auf die Nachrichten. Obwohl der Vorstand seine Gewinnprognose für 2016 bereits im Juli gesenkt hatte, verlor das Papier angesichts der jüngsten Geschäftszahlen 3,23 Prozent an Wert auf 15,87 Euro. Die Reederei hatte ihre Aktien erst im vergangenen Herbst nach einer Hängepartie für 20 Euro je Stück an die Börse gebracht.

Im zweiten Quartal drückte nun der verschärfte Preiskampf im Container-Geschäft die Hamburger Reederei wieder tief in die roten Zahlen. In den Monaten April bis Juli fuhr das Unternehmen einen Verlust von 99 Millionen Euro ein. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Gewinn von 29 Millionen Euro gestanden.

Seit Jahresbeginn ist insgesamt ein Nettoverlust von 142 Millionen Euro aufgelaufen - nach 157 Millionen Gewinn ein Jahr zuvor. "Das Halbjahresergebnis ist enttäuschend", räumte Habben Jansen ein.

Dem Hapag-Chef zufolge reichten die erzielten Einsparungen aus dem 2015 erfolgten Zusammenschluss mit der chilenischen Reederei CSAV nicht aus, um den Rückgang der Transportpreise auszugleichen. "Auch wenn die Frachtraten zuletzt in der Hochsaison in verschiedenen Fahrtgebieten wieder angestiegen sind, kommt diese Erholung später als wir es erwartet haben."

Im ersten Halbjahr lag die Frachtrate im Schnitt bei 1042 Dollar je Standardcontainer (TEU) - nach 1296 Dollar ein Jahr zuvor. Hapag-Lloyd beförderte in dieser Zeit mit rund 3,7 Millionen Standardcontainern etwa gleich viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank jedoch um über 19 Prozent auf rund 3,79 Milliarden Euro.

Auf Grund des schwierigen Marktumfelds sei es "umso wichtiger, die Transaktion mit UASC schnellstmöglich umzusetzen", sagte Habben Jansen. Bislang erwarten beide Unternehmen eine Zustimmung der international zuständigen Wettbewerbsbehörden bis Jahresende.

Bei der Fusion mit der United Arab Shipping Company (UASC) geht es Hapag-Lloyd nicht allein um Marktzugänge, sondern auch um die Flotten der beiden Unternehmen. "Das fusionierte Unternehmen hat eine sehr junge, sehr effiziente Flotte und das sollte es uns ermöglichen, sehr kostengünstig zu werden", hatte Habben Jansen im Juli angekündigt. Es führt dann 237 Schiffe mit einer Transportkapazität von rund 1,6 Millionen Standardcontainern.

Für das Gesamtjahr rechnet der Manager seit Juli mit einem deutlich rückläufigen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit), nachdem er zuvor noch eine deutliche Steigerung anvisiert hatte. 2015 hatte Hapag-Lloyd ein Ebit von 366 Millionen Euro erzielt.

Mit einer Eigenkapitalquote von 44,4 Prozent und einer Liquiditätsreserve von rund 775 Millionen Euro sei Hapag-Lloyd im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt, bekräftigte der Vorstand.

Der CSAV-Fusion hatten im Juli wesentliche Gremien und die Hauptaktionäre zugestimmt. Die Investmentgesellschaften des Emirats Katar und Saudi-Arabiens werden mit 14,4 und 10,1 Prozent der Aktien neue Kerngesellschafter. Sie wollen mit CSAV (künftig 22,6 Prozent) sowie dem Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne (14,6 Prozent) eine Kapitalerhöhung um 400 Millionen Euro stemmen. Dieser müssen die Aktionäre auf ihrer Hauptversammlung am 26. August in Hamburg noch zustimmen./stw/akp/das

(AWP)