Uber signalisiert Gesprächsbereitschaft in London

Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber signalisiert Gesprächsbereitschaft, um den drohenden Rauswurf aus London zu verhindern. "Obwohl wir nicht aufgefordert wurden, etwas zu verändern, würden wir gern wissen, was wir tun können", sagte der Chef von Uber in London, Tom Elvidge, der "Sunday Times". Dies erfordere einen Dialog. Nach Informationen der Zeitung könnte Uber unter anderem bei Massnahmen zur Sicherheit der Fahrgäste und der Bezahlung der Fahrer einlenken.
24.09.2017 14:27

Zuvor schlug auch der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi einen für das Unternehmen ungewohnt demütigen Ton ein. Für Uber sei jetzt Zeit, darüber nachzudenken, wie es soweit gekommen sei, schrieb er in einer E-Mail an die Mitarbeiter. "Die Wahrheit ist, dass man für schlechten Ruf einen hohen Preis bezahlt." Unabhängig davon, ob Uber sich in London falsch verhalten habe, woran er persönlich nicht glaube: "Die Vorgehensweise in einem Teil der Welt kann ernste Folgen in einem anderen haben." Uber war unter seinem Vorgänger Travis Kalanick aggressiv expandiert und legte sich mit Behörden und Taxibranche an.

Die Londoner Verkehrsbehörde hatte am Freitag erklärt, Uber agiere verantwortungslos und die Ende September auslaufende Lizenz werde nicht verlängert. Das Start-up hat drei Wochen Zeit, dagegen Widerspruch einzulegen - und wird während des wahrscheinlich monatelangen Berufungsverfahrens weiterfahren können. Khosrowshahi bekräftigte, dass Uber gegen die Behördenentscheidung ankämpfen werde.

In London gibt es unterdessen Protest gegen den Rausschmiss von Uber. Weit über 600 000 Menschen unterzeichneten bis Sonntag eine Petition des Unternehmens für den Verbleib des Fahrdienstes in der Metropole.

Nach Firmenangaben buchen in London rund 3,5 Millionen Menschen Fahrten über die App. Mehr als 40 000 Fahrer böten ihre Dienste auf der Plattform an.

In einer repräsentativen Umfrage des britischen Nachrichtensenders Sky News waren 60 Prozent der befragten Londoner für den Verbleib von Uber. 29 Prozent waren dagegen, der Rest unentschieden.

Das Unternehmen habe Straftaten von Fahrern wie sexuelle Übergriffe nicht bei der Polizei angezeigt, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Kritik gab es auch an der medizinischen Begutachtung der Fahrer und am Einsatz der "Greyball"-Software.

Mit dieser Software hatte Uber unter anderem in den USA versucht, Behördenkontrolleure hinters Licht zu führen, die den Dienst bei Regelverstössen auf frischer Tat ertappen wollten. "Greyball" sorgte dafür, dass ihnen in der App falsche Inhalte angezeigt wurden. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Software in London nicht gegen Behördenmitarbeiter eingesetzt.

"Alle Unternehmen müssen sich an die Vorschriften halten", sagte Bürgermeister Sadiq Khan, der Vorsitzender der Verkehrsbehörde ist. Dies gelte besonders dann, wenn es um die Sicherheit von Kunden gehe. Wer sich über das Aus von Uber in London ärgere, solle sich mit seiner Wut an das Unternehmen wenden, nicht aber an die Behörde.

Uber bietet seit etwa fünf Jahren seine Dienste in London an. Vor allem jüngere Kunden nutzen das Angebot, darunter viele Touristen. In der Metropole sind auch andere Fahrdienst-Vermittler aktiv./si/so/DP/he

(AWP)