Übernahme von Syngenta durch ChemChina verzögert sich ins Jahr 2017

(Meldung ausgebaut)
25.10.2016 10:03

Basel (awp) - Die Übernahme des Agrochemiekonzerns Syngenta durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina verzögert sich. Der zweite grosse Deal der Branche, der geplante Kauf von Monsanto durch Bayer, hat den Prozess aufwändiger gemacht. Neu rechnet Syngenta damit, dass sich der regulatorische Prozess bis ins erste Quartal 2017 erstrecken werde. Bisher hatten sich die Parteien zuversichtlich gezeigt, dass der im Februar angekündigte Deal bis Ende 2016 unter Dach und Fach ist.

Neben der US-Behörde CFIUS hätten bisher elf weitere Kartellbehörden rund um die Welt eine Genehmigung ausgesprochen, teilte Syngenta am Dienstag mit. Doch der Mitte September angekündigte Deal zwischen Monsanto und Bayer hat die EU-Kommission aufhorchen lassen: Sie forderte sehr viele zusätzliche Informationen ein, wie Syngenta-CEO Erik Fyrwald im Gespräch mit AWP erklärte.

Der Syngenta-Chef ist sich daher sicher, dass die EU-Kommission den Verkauf an ChemChina nicht im ersten Anlauf durchgehen lassen wird. Eine Phase Zwei der Untersuchungen durch die Behörde würde am 28. Oktober starten und bis zu 90 Tage in Anspruch nehmen. Ein Abschluss der Transaktion bis zum Ende des ersten Quartals 2017 sei daher immer noch möglich, so Fyrwald.

EU-KOMMISSION DÜRFTE ZWEITE STUFE ZÜNDEN

Zu Wochenbeginn hatte die Meldung die Runde gemacht, ChemChina habe ihrem Fusionsantrag bei den EU-Wettbewerbshütern keine so genannten "remedies" beigefügt. Unternehmen entscheiden sich oft dafür, den Verkauf von Vermögenswerten bereits in Aussicht zu stellen, wenn sie wissen, dass ein Deal wahrscheinlich einer vertieften Kontrolle unterzogen wird. Sorgen um ein Scheitern der Transaktion hatten die Syngenta-Aktien am Montag um 6% nach unten geschickt.

Fyrwald verteidigt das Vorgehen der Chinesen: Der Bayer-Monsanto-Deal sei nur zwei Wochen vor Einreichung des eigenen Antrags kommuniziert worden. Solche Abhilfemassnahmen aufs Geratewohl einzureichen, wäre voreilig gewesen. "Wir haben nichts gegen zusätzliche Massnahmen und werden proaktiv mit den Behörden zusammenarbeiten", betonte Fyrwald.

"Es läuft gut", versicherte der Syngenta-Chef. Man habe bisher keine Anhaltspunkte, dass die Transaktion zu Fall gebracht werden könnte. Einer vertieften Überprüfung durch die EU-Kommission blickt er mit Zuversicht entgegen, habe man doch etwa nur sehr wenige Überlappungen mit der ChemChina-Tochter Adama. "Ich wüsste nicht, mit welchen Bedenken wir zu tun haben sollten."

FINANZIERUNG GESICHERT - ZAHLEN ENTTÄUSCHEN

Mögliche Bedenken um die Finanzierung des 43 Mrd USD schweren Deals trat Finanzchef Mark Patrick entgegen. "Die Finanzierung ist gesichert und unwiderruflich", sagte dieser zu AWP. Mitte Oktober wurden die Marktteilnehmer von der Meldung aufgeschreckt, der Syngenta-Käufer ChemChina stehe selbst in Fusionsverhandlungen mit Sinochem - einem anderen chinesischen Staatsbetrieb. "ChemChina hat uns wiederholt versichert, sie stünden nicht in Fusionsverhandlungen mit Sinochem", betonte CEO Fyrwald.

Die Umsatzzahlen zum dritten Quartal gerieten zum Nebenschauplatz. Die Verkäufe sanken von Juli bis September um 3% auf 2,52 Mrd USD. Bei um 7% geringeren Absatzmengen setzte Syngenta Preiserhöhungen von durchschnittlich 3% durch. In der in der zweiten Jahreshälfte wichtigsten Konzernregion Lateinamerika gingen die Verkäufe um 19% auf 999 Mio zurück. Bereinigt um die Änderung der Verkaufsbedingungen betrug der Rückgang hier 10%.

Mit dem vorgelegten Zahlenset hat Syngenta die Markterwartungen knapp verfehlt.

Der Ausblick auf das laufende Jahr bleibt unverändert: Syngenta erwartet, dass der Umsatz in 2016 zu konstanten Wechselkursen etwas geringer ausfallen und der ausgewiesene Umsatz im mittleren einstelligen Bereich zurückgehen wird. Die EBITDA-Marge werde derweil voraussichtlich auf dem Vorjahresniveau liegen, und es sollte ein Free Cashflow von über 1 Mrd USD resultieren.

Die Aktien von Syngenta verdauen ihren Kurssturz vom Vortag und notieren gegen 09.50 Uhr 1,9% fester. Die Bekanntgabe der Q3-Umsatzzahlen wird als eher zweitrangig eingestuft, und Aussagen zur Entwicklung der Übernahme durch ChemChina waren bereits am Vortag über Medienberichte durchgesickert.

ra/tp

(AWP)