UBS-CEO: Politisierter Steuerstreit mit Frankreich ist Problem der Schweiz

Zürich (awp) - UBS-CEO Sergio Ermotti streicht in einem Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre die Regelung offener Rechtsstreitigkeiten als am ehesten frustrierend hervor. Auf die Frage, ob diesbezüglich noch viel auf die UBS zukomme, sagte er in einem Interview mit der "NZZ" (Ausgabe 17.12.): "Wir haben von 2012 bis heute rund 6 Mrd CHF oder 1,60 CHF je Aktie für die Beilegung offener Rechtsfälle aufgewendet. Viele der noch strittigen Rechtsfälle sind zivilrechtlicher Natur, und da sind wir besser als in strafrechtlichen Verfahren in der Lage, unsere Rechte zu verteidigen."
17.12.2016 12:26

Weiter verwies er auf den "politisierten Steuerstreit mit Frankreich". Dort hätten sowohl die Regierung, als auch andere Banken lange gedacht, dies sei nur ein UBS-Thema und diese alleine gelassen, obwohl es um ein Problem der Schweiz gehe. Auf die Frage, ob der Streit mit Frankreich der gewichtigste noch offene Rechtsfall der UBS sei, sagte Ermotti: "Nicht unbedingt, aber vieles liegt ausserhalb unserer Kontrolle. Wir haben das Mögliche getan haben, um die Rechtsrisiken zu minimieren."

Zum aktuellen wirtschaftlichen Umfeld meinte Ermotti: "Wir leben derzeit in einem perfekten Sturm. Das schwache globale Wachstum, die Niedrigzinsen, die von Konflikten geprägte geopolitische Lage, die Flut an regulatorischen Vorgaben, die neuen Technologien - das macht es für uns schwierig, die Zukunft zu planen. Ich kann nicht sagen, welche dieser Herausforderungen für uns die anspruchsvollste ist."

Mit Blick auf die künftige Entwicklung in den USA rät Ermotti zum Abwarten. Es seien dort Zeichen einer Zinswende sichtbar, und einiges deute auf eine expansive Fiskalpolitik hin. "Das sind grundsätzlich positive Signale für die Banken. Aber ob unsere Kunden deswegen ihre passive Haltung aufgeben werden, bleibt abzuwarten." Das grösste Potential in den USA sieht er im Vermögensverwaltungsgeschäft.

Eher vorsichtig zeigt er sich bezüglich der Schweiz. "Am stärksten unter Druck steht wohl das Schweizer Geschäft, das langsam die Folgen der Negativzinsen zu spüren bekommt. Bleiben die Zinsen so wie sie sind, werden unsere Ergebnisse hier schon leiden", so Ermotti.

cf/cp

(AWP)