UBS erzielt im Q2 Gewinn von gut 1 Mrd CHF - Ausblick gewohnt vorsichtig

(Ausführliche Fassung)
29.07.2016 08:33

Zürich (awp) - Die UBS hat im zweiten Quartal 2016 in einem anhaltend schwierigen Umfeld überraschend gut abgeschnitten und mehr verdient als von Analysten geschätzt. Bezüglich Ausblick für die nächsten Quartale bleibt die Grossbank zwar gewohnt vorsichtig, sieht sich allerdings gut aufgestellt, um bei einer möglichen Erholung bessere Resultate zu erzielen.

Unter dem Strich hat die grösste Schweizer Bank in der Periode von April bis Juni 1,03 Mrd CHF (nach Minderheiten) verdient: im entsprechenden Vorjahresquartal waren es zwar mit 1,21 Mrd CHF etwas mehr gewesen, im vom schwierigen Umfeld stark geprägten Vorquartal mit 707 Mio CHF aber deutlich weniger.

Das Ergebnis sei erzielt worden vor dem Hintergrund kontinuierlicher wirtschaftlicher und erhöhter geopolitischer Unsicherheit, teilte die UBS am Freitag mit. Dies habe eine (nach wie vor) ausgeprägt niedrige Kundenaktivität und zurückhaltende Emissionstätigkeit am Primärmarkt zur Folge gehabt.

ÜBER DEN ERWARTUNGEN

Auf Vorsteuerebene erzielte die Bank einen Gewinn von 1,49 Mrd CHF (VJ 1,64 Mrd), bereinigt um Sonderfaktoren waren es gar 1,67 Mrd CHF. Als solche genannt werden u.a. Nettorestrukturierungskosten von 377 Mio, ein Veräusserungsgewinn (Visa Europe) von 123 Mio sowie Gewinne aus Immobilienverkäufen in der Schweiz von 120 Mio CHF.

Die zurückhaltende Kundenaktivität zeigt sich auch an den Gesamterträgen: Sie erreichten 7,40 Mrd CHF und waren damit ebenfalls tiefer als im Vorjahresquartal (-5%), aber höher als im Vorquartal (+8%). Bei Aufwendungen von 5,92 Mrd CHF gab sich zuletzt eine Cost-/Income Ratio von 79,8%.

Insgesamt lag die Bank mit ihren Quartalszahlen über den Erwartungen von Analysten. Diese hatten gemäss AWP-Konsens einen Reingewinn von 730 Mio, einen Gewinn vor Steuern von 1,11 Mrd sowie Erträge von 7,02 Mrd CHF prognostiziert.

Das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft hat den Gewinn im Sommerquartal besonders gestützt und war damit am einträglichsten für die UBS. Der Vorsteuergewinn erreichte 534 Mio. In der Vermögensverwaltung (Wealth Management) bekam die Bank dagegen die Zurückhaltung der Kunden stark zu spüren. Der Vorsteuergewinn sank im Vergleich zum Vorjahr um über 30% auf 518 Mio CHF.

Die Wealth Management Einheiten erhielten aber doch Nettoneugelder in Höhe von 6,0 Mrd CHF, gestützt durch kräftige Zuflüsse in der Region Asien/Pazifik und der Schweiz, wie es heisst. Im WM Americas kamen nochmals 2,4 Mrd USD dazu.

Auch bei der Investmentbank sackte der Gewinn ab, und zwar um rund die Hälfte auf 284 Mio CHF (bereinigt -28%). Der Risikoappetit der Anleger sei hier "begrenzt" geblieben, meint die Bank.

KONZERNCHEF ZEIGT SICH ZUFRIEDEN

CEO Sergio Ermotti zeigt sich in der Mitteilung mit dem Ergebnis trotzdem zufrieden: "Wir erzielten dieses starke Resultat, indem wir unsere Kunden unterstützten, mit den anhaltend schwierigen Marktbedingungen umzugehen. Dabei haben wir unsere Risikodisziplin beibehalten und die Kosten weiter reduziert."

Ein weiteres Sparprogramm wurde - obwohl von Marktkreisen zum Teil gefordert - nicht angekündigt. Per Mitte 2016 wurde das angekündigte Kostensparziel von netto 1,4 Mrd erreicht, was einer Verbesserung um 200 Mio CHF im Berichtsquartal entspricht. Bis Ende 2017 will die Bank bekanntlich im Vergleich zu 2013 die Kostenbasis um 2,1 Mrd CHF senken. Obwohl sie diesen Betrag offenbar nicht anheben will, wird in der Mitteilung betont, dass "im derzeit anspruchsvollen Umfeld umsichtige Massnahmen" getroffen würden, um "unternehmensweit Kosten zu senken".

Die Bank gilt bekanntlich als eine der am stärksten kapitalisierten Institute international. Sie habe dies starke Kapitalposition beibehalten, mit einer harten Kernkapitalquote von 14,2% (CET1, vollständig umgesetzt) und einer Leverage Ratio von 3,4% (CET1, vollständig umgesetzt), heisst es in der Mitteilung. Die risikogewichteten Aktiven (RWA) blieben gegenüber dem Vorquartal mit 214 Mrd CHF "trotz anhaltender regulatorischer Inflation" stabil.

VORSICHTIGER AUSBLICK

In ihrem Ausblick bleibt die UBS gewohnt vorsichtig. Die Marktvolatilität, die makroökonomische Unsicherheit und erhöhte geopolitische Spannungen hätten zu anhaltender Risikoaversion der Kunden sowie generell niedrigen Transaktionsvolumen beigetragen. Es sei unwahrscheinlich, dass sich diese Bedingungen in naher Zukunft ändern würden, heisst es dazu. Die tiefen bzw. negativen Zinsen sowie die relative Stärke des Frankens stellten zudem nach wie vor eine "bedeutende Belastung" dar.

Und darüber hinaus erwähnt die Bank auch die Änderungen der schweizerischen Kapitalstandards sowie die angekündigten Anpassungen des internationalen regulatorischen Rahmens, welche steigende Kapitalanforderungen und Kosten zur Folge haben würden. Die UBS sei aber "gut aufgestellt", um von einer auch nur moderaten Erholung des Umfelds zu profitieren und werde ihre Strategie "weiterhin diszipliniert umsetzen, um die genannten Effekte abzufedern", schreibt sie.

Vorbörslich werden die UBS-Aktien 1,9% höher gestellt.

uh/gab

(AWP)