UBS laut Medien an Teilen der Commerzbank interessiert - Analysten winken ab

(Meldung mit Aktienschlusskurs ergänzt und wiederholt) - Die Grossbank UBS könnte laut einem Bericht der "NZZ am Sonntag" an Teilen der Commerzbank interessiert sein. Ein Strategieteam der UBS sei "mit Hochdruck daran, verschiedene Szenarien zu prüfen", berichtete die Zeitung mit Berufung auf einen Insider. Allerdings erscheine eine komplette Übernahme der zweitgrössten deutschen Bank laut der Quelle als unwahrscheinlich. Zu unattraktiv sei das wenig rentable Kleinkundengeschäft in Deutschland.
27.11.2017 18:20

Die Commerzbank habe aber auch einige "attraktive Filetstücke" wie das Private Banking oder die Digitalplattform zu bieten, etwa wenn sie bei einem Rückzug auf das Kerngeschäft nicht-strategische Teile veräussere. Die NZZaS verwies auch darauf, dass der heutige UBS Schweiz-Chef Martin Blessing bis 2016 die Commerzbank geleitet habe. Auch UBS-Präsident Axel Weber sei mit den Geldhaus vertraut, so habe er 2008 als damaliger Bundesbank-Präsident dessen staatliche Rettung koordiniert.

Die Commerzbank gilt gemäss dem Zeitungsbericht als Übernahmeziel. So habe die französische Grossbank BNP Paribas Interesse bekundigt, zudem würden auch der Crédit Agricole und der italienischen Unicredit Ambitionen nachgesagt.

Eine UBS-Sprecherin erklärte auf AWP-Anfrage, die beziehe Bank zu Gerüchten in den Medien keine Stellung.

ANALYST: WENIG WAHRSCHEINLICH

Als mögliches Akquisitionsziel der UBS erachtet ZKB-Analyst Javier José Lodeiro einzig das Private Banking. Die Aktivitäten dieser Einheit sind sicher für jeden Bieter der Commerzbank attraktiv. Freiwillig werde das Institut diese Aktivitäten aber nicht verkaufen.

Die Übernahme der digitalen Plattform von der Commerzbank ergebe keinen Sinn, weil die UBS nach Ansicht von Lodeiro der klare Fintech-Leader ist. Und ein Kauf des deutschen Corporate Banking sei ebenfalls wenig wahrscheinlich. Denn das würde bedeuten, dass die UBS in Deutschland vermehrt als Kreditgeber agieren würde. Im Deutschen Retail Banking schliesslich seien die Margen zu gering.

Lodeiro erachtet es daher als unwahrscheinlich, dass die UBS Teile der Commerzbank kaufen wird und geht auch nicht davon aus, dass der Artikel im Börsenhandel Wellen wirft. Das Institut werde sich wohl auf die Entwicklung des eigenen Geschäfts konzentrieren.

Die News wurde am Markt ohne grössere Aufregung aufgenommen, doch konnten sich auch die UBS-Titel dem negativen Markttrend zu Börsenschluss hin nicht entziehen. Sie gaben am Ende um 0,8% nach, während der Gesamtmarkt gemessen am SMI 0,7% verloren hat.

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(AWP)