UBS-Standorteröffnung: Kostendruck verschärft Kampf um Firmenstandorte

Die UBS hat am (heutigen) Freitag in Schaffhausen ihr neues Business Solutions Center eröffnet. Es ist der Startschuss für eine grössere Verlagerung von Arbeitsplätzen der Grossbank. Gleichzeitig ist es ein Anzeichen für einen verschärften Standortwettbewerb in der Schweiz.
17.11.2017 17:42

Für die Stadt Schaffhausen war es ein Feiertag. Im Industriequartier Herblingen eröffnete die Grossbank UBS ihren neuen Standort für Backoffice-Arbeiten mit 500 Arbeitsplätzen für hochqualifizierte Leute. Es ist für die Stadt und den Kanton ein gewichtiger Erfolg für das Standortmarketing.

"Wenn ein global erfolgreiches Unternehmen uns als Standort für eine so gewichtige Einheit wählt, zeigt das, dass unser Gesamtpaket als Wirtschaftsstandort stimmt", sagte Stadtpräsident Peter Neukomm gemäss Redetext an der Eröffnung. Er hofft darüber hinaus auf eine Fortsetzung. "Der Entscheid der UBS hat natürlich Signalwirkung auch auf andere Unternehmen", sagte er.

Tatsächlich ist zurzeit der Schweizer Standortwettbewerb in Bewegung, wie verschiedene Standortförderer in der Schweiz auf Anfrage bestätigen. "Die Situation ist angespannter als auch schon", stellt zum Beispiel Markus Assfalg fest, der Leiter der Standortförderung des Kantons Zürich.

VERMEHRT ANFRAGEN AUS ZÜRICH

Daniel Wüthrich, der stellvertretende Leiter der Standortförderung des Kantons Berns, will zwar nicht von einem eigentlichen Trend zur Dezentralisierung sprechen. "Wir stellen jedoch fest, dass wir immer wieder Anfragen aus dem Raum Zürich haben", sagt er.

Grund für den verschärften Standortwettbewerb ist neben der nach wie vor grossen Unsicherheit wegen der Unternehmenssteuerreform laut allen Experten der Kostendruck insbesondere in der Finanzindustrie. "Wir beobachten bei den Unternehmen Optimierungsbemühungen", sagt Assfalg. Kostensenkungen sind denn auch bei der UBS der Hauptgrund für die Verlagerung.

So hat die Grossbank nach der Auslagerung von Arbeiten nach Polen und Indien damit begonnen, auch das Sparpotenzial im Inland auszuschöpfen. Bereits beschlossen ist nach Schaffhausen eine weitere Verlagerung von 600 Stellen nach Biel und der Ausbau des bereits bestehenden UBS-Standorts in Renens VD. Ein drittes Zentrum soll entlang der Gotthard-Achse entstehen.

Axel Lehmann, der bei der UBS für die Schweizer Verlagerungsprojekte zuständig ist, beziffert das Sparpotenzial dieser Projekte mit 12 bis 20 Prozent. Dass bei der UBS die Wahl auf Biel und Schaffhausen gefallen ist, ist dabei kein Zufall.

RESERVOIR AN FACHKRÄFTEN

"Beide Städte weisen neben tiefen Immobilienpreisen ein grosses Reservoir an gegenüber Zürich günstigeren Fachkräften auf", sagt Andreas Bleisch vom Raumentwickler Wüest Partner auf Anfrage. Schaffhausen habe zudem den Vorteil, dass die Bank an diesem Standort auch das Potenzial der Grenzgänger nutzen könne.

Gemäss Auskunft der UBS ist das für die Wahl von Schaffhausen jedoch nicht ein vordringlicher Grund. Bis jetzt betrage der Anteil an Grenzgängern in Schaffhausen lediglich 5 Prozent, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Richtig sei jedoch, dass die UBS mittel- und langfristig von tieferen Lohnkosten profitieren wolle. Neue Mitarbeiter würden zu 15 bis 20 Prozent tieferen Salären als am Standort Zürich eingestellt.

(AWP)