UBS-Vorsorgeindex zeigt Verschlechterung im Schweizer Vorsorgesystem

Zürich (awp) - Um die Gesundheit und Stabilität des Schweizer Vorsorgesystems scheint es schlecht zu stehen. Dessen Zustand hat sich seit Anfang 2015 aufgrund der schlechten Wirtschaftsentwicklung sowie dem beobachteten Wendepunkt in der Demografie stark verschlechtert, wie dem neuen, quartalsweise berechneten und am Dienstag vorgestellten UBS-Vorsorgeindex zu entnehmen ist. Im ersten Quartal 2016 zeigt der Pulsmesser des Schweizer Vorsorgesystems zwar eine gewisse Stabilisierung, die Dynamik bleibt aber weiterhin im negativen Bereich.
14.06.2016 12:52

"In der AHV klafft ein Finanzierungsloch von etwa 1'000 Mrd CHF, was über 170% des Schweizer Bruttoinlandprodukts ausmacht", sagte Veronica Weisser, Leiterin Schweizer Makro- und Sektoranalyse, UBS CIO Schweiz, anlässlich der Präsentation des neuen Index. Eine Reform der Altersvorsorge tue daher Not, was aber ihrer Meinung nach von einem sehr grossen Teil der Bevölkerung nicht erkannt werde. Mit ihrem neuen Vorsorgeindex wolle die UBS einen Beitrag zur Sensibilisierung gegenüber dieser Problematik leisten, sagte Weisser weiter.

2015 WENDEPUNKT IN DER DEMOGRAFIE

Der deutliche Rückgang des UBS-Vorsorgeindex Schweiz, der auf die vier Subindizes Wirtschaftsentwicklung, Demografie, Finanzen und Reformen abstützt, war gemäss Weisser hauptsächlich auf die zwei Faktoren Demografie und Wirtschaftsentwicklung zurückzuführen.

"Das Jahr 2015 markiert einen Wendepunkt bei der Schweizer Demografie, da erstmals mehr Personen das Rentenalter, als Personen das Alter 20 erreichten", führte Weisser aus. Der Subindex Demografie verschlechterte sich aufgrund des stark zunehmenden Altersquotienten somit markant.

Einen stark negativen Beitrag leistete auch der Subindex Wirtschaftsentwicklung, der den konjunkturellen Einbruch seit Aufgabe des EUR/CHF-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang 2015 reflektiert.

VERBESSERUNGSPOTENZIAL BEI REFORMEN

Aufgrund einer leichten Verbesserung in den Subindizes Wirtschaft und Reformen - in letzterem wegen des vom Bundesrat vorgelegten Reformvorschlages Altersvorsorge 2020 - zeigt der UBS-Vorsorgeindex im ersten Quartal 2016 eine gewisse Stabilisierung. "Die Dynamik bleibt aber klar negativ", so Weisser.

Die UBS-Expertin erhofft sich im Subindex Reformen eine weitere Verbesserung der Dynamik. Immerhin weise der Reformvorschlag des Bundesrats in die richtige Richtung. Da die vorgeschlagenen Massnahmen aber die Lücken in der ersten und zweiten Säule bestenfalls zur Hälfte schliessen könnten, brauche es weitere Reformen des Systems.

Ein positive Entwicklung erwartet Weisser auch beim Subindex Wirtschaftswachstum auf Grund der anziehenden Wirtschaft und einer Verbesserung der Arbeitsmarktsituation ab der zweiten Jahreshälfte 2017.

JURA UND TESSIN AM STÄRKSTEN VON DEMOGRAFIEWANDEL BETROFFEN

Die Ökonomen der UBS untersuchten in einer Regionalanalyse auch, welche Konsequenzen sich aus der der demografischen Entwicklung und der damit verbundenden Mehrbelastung für die Kantone ergeben. Dabei zeigt sich, dass besonders hohe Belastungen für die kommenden 30 Jahre auf die Kantone Tessin und Jura zukommen. Mit hohen Mehrbelastungen müssen auch die Kantone Bern, Wallis, Neuenburg, Uri, Genf, Solothurn, Basel und Schaffhausen rechnen.

Auf der anderen Seite der Skala befinden sich die Zug, Zürich, Schwyz, Aarau und Freiburg. Diese stehen dank einer jüngeren Bevölkerung oder einer komfortableren finanziellen Lage des Staates und der Privatpersonen besser da. "Ohne Anpassung der Kostenverteilungen drohen aber auch hier beträchtliche Neuschulden, sagte Elias Hafner, Leiter Regionalanalyse. Reformen würden sich aufdrängen, welche die Kantons- und Gemeindefinanzen entlasten würden.

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(AWP)