Übernahme vertagt: Finanzinvestoren senken Hürde für Kauf von Stada

(Ausführliche Fassung) - Die Finanzinvestoren Bain und Cinven versuchen mit einem doppelten Kniff, die geplante Übernahme von Stada zu retten. Sie räumen den Aktionären des hessischen Arzneimittelherstellers mehr Zeit für die Annahme ihrer milliardenschweren Offerte ein und geben sich zugleich mit einer niedrigeren Zustimmung zufrieden, wie die Beteiligungsgesellschaften am Mittwochabend mitteilten.
07.06.2017 18:27

So müssen sich die Stada-Aktionäre nun bis 22. Juni entscheiden und nicht mehr bis zu diesem Donnerstag, wie zunächst vorgesehen. Zudem fordern Bain und Cinven nicht mehr die Zustimmung von 75 Prozent der Anteilseigner, sondern geben sich mit 67,5 Prozent zufrieden, wie aus den veränderten Angebotsunterlagen hervorgeht. An der Börse kam die Nachricht gut an, Stada-Aktien stiegen im späten Handel um gut zwei Prozent auf 65 Euro.

Um sich nachträglich eine Tür für mehr Rückendeckung der Aktionäre offen zu halten, bieten die Investoren ferner eine zweite Frist an. Sofern am 22. Juni um Mitternacht die neue Quote erreicht sei, hätten Aktionäre noch Zeit bis 11. Juli, um Bain und Cinven ihre Anteile anzudienen. Anteilseigner, die das Übernahmeangebot bereits angenommen hätten, bräuchten nichts Weiteres tun, hiess es.

Probleme, die Stada-Aktionäre vom 5,3 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot zu überzeugen, hatten sich schon abgezeichnet. Am Mittag - und damit einen Tag vor Ende der ursprünglichen Annahmefrist - hatten erst 21,5 Prozent der Anteilseigner der Offerte von Bain und Cinven zugestimmt. Als grosse Hürde gilt der hohe Anteil von Privatanlegern, die 29 Prozent der Aktien von Stada besitzen, darunter viele traditionsbewusste Ärzte und Apotheker. Zudem halten Indexfonds 14 Prozent der Anteile und dürfen diese wegen der Zugehörigkeit des Konzerns zum MDax aus technischen Gründen nicht andienen.

Bain und Cinven wollen bei dem Hersteller von Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad die internationale Expansion vorantreiben und den Konzern ausbauen. Um den letzten unabhängigen Produzenten von Nachahmermedikamenten in Deutschland mit mehr als 10 800 Mitarbeitern hatte es zuvor ein zähes Übernahmerennen gegeben, in dem sich Bain und Cinven gegen andere Beteiligungsfirmen durchgesetzt hatten. Finanzinvestoren kaufen Firmen, um deren Profite zu steigern und sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen./als/DP/she

(AWP)