Uhrenindustrie und Gewerkschaft einigen sich auf neuen GAV

Neuenburg (awp/sda) - Der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Uhren- und Mikrotechnikindustrie ist unter Dach und Fach. Generelle Lohnerhöhungen für die rund 50'000 Beschäftigten in der Branche gibt es zwar nicht. Dennoch profitieren sie von einigen Verbesserungen.
02.12.2016 17:24

So gelten die Mindestlöhne neu für alle Beschäftigten, die Kategorie "Mindestanfangslöhne" wird aufgehoben. Zudem gelten die Lohn- und Arbeitszeitbestimmungen des GAV neu auch für Temporärangestellte. Das sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Lohndumping, schreibt die Gewerkschaft Unia in einer Mitteilung am Freitag.

GEWINNER AUF BEIDEN SEITEN

Auch Mütter und Väter werden besser gestellt. Für Frauen, die nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubs mindestens ein Jahr lang im Betrieb angestellt waren, wird der Urlaub von 16 auf 18 Wochen erhöht. Der Lohn wird in dieser Zeit zu 100 Prozent bezahlt. Ab dem zweiten Kind kommen zudem auch die Väter in den Genuss eines von 5 auf 10 Tage verlängerten Vaterschaftsurlaubs.

Aber auch für die Arbeitgeber bringt der neue GAV Verbesserungen. So können sie künftig befristet Arbeitsverträge mit einer Laufdauer von bis zu zwei Jahren abschliessen. Bisher war die maximale Dauer ein Jahr. Ebenso haben die Arbeitgeber für sie günstigere Bedingungen bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten, bei Entlassungen und bei den Kinderzulagen ausgehandelt.

"VERTRAG FÜR GUTE UND SCHLECHTE ZEITEN"

Der Arbeitgeberverband der Schweizer Uhrenindustrie und die Gewerkschaft Unia hätten sich auf einen modernen Vertrag geeinigt, der sowohl in wirtschaftlich guten wie auch für schlechte Zeiten anwendbar sei, kommentierte Verbandspräsidentin Elisabeth Zölch vor den Medien in Neuenburg. Die Gewerkschaften strichen die Vorteile des neuen GAV für Familien heraus.

Der Gesamtarbeitsvertrag, der für fünf Jahre gilt, tritt am 1. Januar in Kraft. Er ist für die Unternehmen der Branche nicht obligatorisch. Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Die Arbeitgeber lehnen einen branchenverbindlichen Landesmantelvertrag weiterhin mit dem Argument ab, dass ein freiwilliger GAV von den Unternehmen besser akzeptiert werde als ein obligatorischer.

Die Treue zum Vertragswerk ist tatsächlich gross. Trotz gestiegenem ökonomischen Druck und neuen Verpflichtungen sei kein Unternehmen aus dem GAV ausgestiegen, sagte Zölch. Insgesamt wenden 72 Prozent der Schweizer Uhrenfirmen den GAV an. Sie repräsentieren 85 Prozent der Arbeitsplätze in dieser Branche.

cf/

(AWP)