Umbau von Boehringer stärkt Umsatz und Gewinn

(Ausführliche Fassung) - Mit dem Ausbau des Geschäfts in der Tiermedizin will Boehringer Ingelheim seine Stellung unter den 20 grössten Pharmakonzernen der Welt stärken. "Für die kommenden Jahre haben wir uns in der Tiergesundheit viel vorgenommen", sagte Firmenchef Hubertus von Baumbach bei der Vorstellung der Bilanz 2016 am Mittwoch in Ingelheim. "Wir werden weiterhin profitabel wachsen."
05.04.2017 12:28

So will das Familienunternehmen seinen Umsatz mit Mitteln für Haus- und Nutztiere in diesem Jahr verdoppeln. Möglich wird dies durch die Übernahme des Geschäftsbereichs Merial vom französischen Pharmakonzern Sanofi . Im Gegenzug gab Boehringer sein Geschäft mit verschreibungsfreien Mitteln zur Selbstmedikation an Sanofi ab. Jetzt konzentriert sich Boehringer in der Humanmedizin auf verschreibungspflichtige Medikamente. Dies stärke die Wettbewerbsfähigkeit und Kundenfokussierung von Boehringer, sagte von Baumbach.

Im vergangenen Jahr steigerte Boehringer den Umsatz währungsbereinigt um 7,3 Prozent auf 15,85 Milliarden Euro und übertraf damit nach den Worten von Finanzmanagerin Simone Menne die eigenen Erwartungen. Der Gewinn nach Steuern stieg im Vergleich zu 2015 um 17,5 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro. Bezogen auf das Betriebsergebnis von 2,9 Milliarden Euro (plus 26,6 Prozent) weist der Konzern für 2016 eine satte Umsatzrendite von 18,1 Prozent (plus 2,8 Prozentpunkte) aus. 19,6 Prozent des Umsatzes, mehr als drei Milliarden Euro, investierte Boehringer in die Forschung und Entwicklung neuer Präparate.

Auf die Tiergesundheit entfielen bislang neun Prozent des Umsatzes. In diesem Jahr sollen es nach Angaben Mennes rund 20 Prozent werden. Auf dem globalen Markt für Tiergesundheit sieht sich Boehringer jetzt als "starke Nummer zwei".

Konkrete Pläne für weitere Übernahmen verfolgt Boehringer nach den Worten seines Firmenchefs in diesem Jahr nicht. Aber "wir werden uns gute Gelegenheiten nicht entgehen lassen", sagte Menne.

Wichtigster Markt des Unternehmens ist Nord- und Südamerika mit einem Umsatzanteil von 41 Prozent, auf Europa entfallen 32 Prozent, allein auf Deutschland sechs Prozent.

Mit dem zum Jahresbeginn abgeschlossenen Tausch mit Sanofi steigt auch die Zahl der Mitarbeiter von 45 700 auf rund 50 000. Gut ein Drittel der Belegschaft arbeitet an Standorten in Deutschland. Neben Ingelheim am Rhein ist dabei der schwäbische Forschungsstandort Biberach von besonderer Bedeutung.

Kritisch äusserte sich Menne über die Rahmenbedingungen für Pharmaforschung in Deutschland und das neue Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz: "Bei Niedrigpreisen ist Forschung in Deutschland nicht möglich."/pz/DP/jha

(AWP)