Ungarns Oppositionszeitung 'Nepszabadsag' überraschend eingestellt

BUDAPEST (awp international) - Die unabhängige ungarische Traditionszeitung "Nepszabadsag" hat überraschend ihr Erscheinen eingestellt. Der Eigentümer, die in österreichischem Besitz befindliche Mediaworks AG., begründete die Entscheidung am Samstag mit den Verlusten, die das Blatt erwirtschafte. Mitarbeiter sprachen von einem "Putsch", der politisch motiviert sei. Noch am selben Abend demonstrierten mehrere Tausend Menschen vor dem Parlament in Budapest gegen die Schliessung des Mediums und gegen den "Angriff auf die Pressefreiheit".
09.10.2016 14:25

Ein Sprecher der rechts-konservativen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban bezeichnete die Einstellung der linksliberalen Tageszeitung als "autonome Entscheidung eines Medieneigentümers". Der Vize-Vorsitzende der Regierungspartei Fidesz, Szilard Nemeth, meinte allerdings im Nachrichtensender Hir TV: "Es war hoch an der Zeit, dass diese Zeitung zusperrt." Die linke Opposition kritisierte die Zeitungsschliessung als "weiteren Schritt der Orban-Regierung, die verbliebene Pressefreiheit in Ungarn zu liquidieren".

Tatsächlich traf das Ende der "Nepszabadsag" die Mitarbeiter, Leser und Abonnenten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die gedruckte Samstag-Ausgabe wurde noch ordnungsgemäss ausgeliefert. Die Online-Version verschwand aber am Samstagvormittag ohne weitere Erklärung aus dem Netz. Wenig später wurde eine Verlautbarung der Mediaworks AG aufgeschaltet. "Die Herausgabe der "Nepszabadsag" in allen ihren Versionen - Print und Online - wird mit dem heutigen Tag bis zur Ausarbeitung beziehungsweise Umsetzung einer neuen Konzeption ausgesetzt", hiess es darin.

Die Facebook-Seite des Blattes, die vorerst unter Kontrolle der Mitarbeiter blieb, schrieb von einem "Putsch". Das Blatt hatte in den letzten Monaten immer wieder über Skandale aus dem Umfeld von Regierungschef Orban berichtet./gm/DP/jha

(AWP)