Unicredit will sich mit neuen Aktien, Kredite-Verkauf und Sparen retten

(Ausführliche Fassung)
13.12.2016 09:58

MAILAND (awp international) - Die mit dem Rücken an der Wand stehende italienische Grossbank Unicredit versucht mit einer Kapitalerhöhung, der Auslagerung von Krediten und einem forcierten Sparkurs den Befreiungsschlag. Als wichtigster erster Schritt soll die Ausgabe neuer Aktien - wie bereits erwartet - 13 Milliarden Euro bringen, teilte die Mutter der HypoVereinsbank am Dienstag in Mailand mit.

Die Bank will zudem Kredite über fast 18 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkaufen. So sollen die Risiken für den Konzern sinken. Ausserdem forciert die Bank einmal mehr den Sparkurs. Die Kosten sollen bis 2019 um weitere 1,7 Milliarden Euro gedrückt werden. Dazu werden über den bereits bekannten Abbau von tausenden Stellen weitere 6500 Arbeitsplätze wegfallen.

UMBAU KOSTET 2016 VIEL GELD

Insgesamt sollen bis Ende 2019 auf vergleichbarer Basis rund 14 000 Stellen gestrichen werden. Ein Teil davon geht aber auf bereits bekannte Sparprogramme aus der Zeit vor dem Start des neuen Vorstandschefs Jean-Pierre Mustier im Sommer zurück. Ende September hatte die Unicredit rund 123 000 Vollzeitarbeitsplätze. Wie die Konkurrenten auch hat die Bank ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. So hatte die Unicredit im Jahr 2010 noch mehr als 160 000 Mitarbeiter.

Bis 2019 will die Bank dann wieder profitabel sein. In diesem Jahr kostet der Umbau und der Abbau von Risiken erst einmal eine Menge Geld. Im vierten Quartal werden Sonderkosten von 12 Milliarden Euro erwartet, so dass dieses Jahr mit einem hohen Verlust abgeschlossen werden wird. Nach dem Umbau will die Bank im Jahr 2019 wieder hoch rentabel sein und 4,7 Milliarden Euro verdienen.

AKTIE GIBT WEITER NACH

Wegen der vielen Probleme der Bank sank der Börsenwert der Unicredit in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent auf zuletzt nur noch knapp 15 Milliarden Euro. Die aktuellen Nachrichten kamen zunächst gar nicht gut an. Das Unicredit-Papier verlor in den ersten Handelsminuten bis zu 5 Prozent, konnte die Verluste aber schnell wieder reduzieren und drehte zuletzt sogar ins Plus.

Die Unicredit steht seit einiger Zeit vor allem wegen eines Bergs an faulen Krediten und der angeschlagenen Kapitaldecke unter erheblichem Druck. Der 55-jährige Mustier hat deshalb der Verbesserung der dünnen Kapitalpuffer oberste Priorität eingeräumt. So hat er bereits Anteile an der Onlinebank Fineco, dem polnischen Kreditinstitut Pekao verkauft und erst kürzlich auch die Fondstochter Pioneer versilbert./zb/mne/stb

(AWP)