UPS verschafft Boeings Jumbo-Jet rettenden Grossauftrag

(Ausführliche Fassung)
27.10.2016 16:31

ATLANTA/CHICAGO (awp international) - Rettung für den Jumbo-Jet: Der US-Paketdienst UPS kauft beim Flugzeugbauer Boeing 14 Frachtmaschinen vom Typ 747-8. Beide Konzerne gaben den Milliarden-Deal am Donnerstag bekannt. Bei Boeing dürfte der Auftrag für Jubelstürme sorgen: Wegen lange ausbleibender Neubestellungen war in der Branche längst über das Ende des Jumbos spekuliert worden. Laut UPS sollen die neuen Maschinen ab dem kommenden Jahr ausgeliefert werden. Und es könnten noch weitere 14 neue Jumbos hinzukommen.

Die Boeing-Aktie reagierte kaum auf die Nachrichten. Kurz nach Handelsstart in New York legte der Kurs um 0,13 Prozent zu.

Laut Preisliste haben die 14 fest bestellten Flugzeuge einen Gesamtwert von 5,3 Milliarden US-Dollar (4,9 Mrd Euro). Allerdings sind in der Branche hohe Rabatte üblich, besonders bei wenig gefragten Modellen. Durch die vereinbarten Kaufoptionen für weitere Jumbos könnte sich das Geschäftsvolumen für Boeing verdoppeln.

Für Boeing und viele Luftfahrt-Enthusiasten ist die Bestellung eine grosse Erleichterung. Der Jumbo-Jet mit der Typbezeichnung 747 gilt als "Königin der Lüfte". Seine Urversion hob erstmals in den 1960er Jahren ab. Bis der europäische Flugzeugbauer Airbus im neuen Jahrtausend seine doppelstöckige A380 an den Start schickte, war der Jumbo der grösste Passagierjet der Welt.

Inzwischen sind die Riesenflieger beider Hersteller immer weniger gefragt. Fluggesellschaften setzen zunehmend auf mittelgrosse Langstreckenflugzeuge, die sich auch auf weniger gefragten Strecken rentabel einsetzen lassen. Daher hatte Boeing seine Jumbo-Produktion zuletzt bereits auf sechs Maschinen pro Jahr gekappt. Ende Juli beerdigte das Management zudem den Plan, die Produktion in einigen Jahren wieder hochzufahren. Rivale Airbus beschloss im Sommer, die Produktion seines Flaggschiffs A380 ab 2018 mehr als zu halbieren - auf dann noch zwölf Maschinen pro Jahr.

Boeing setzt bei der 747-8 inzwischen vor allem auf die Frachtversion. Vor UPS hatte sich der russische Logistikkonzern Volga-Dnepr im Juli nach langer Auftragsflaute zum Kauf von 20 Fracht-Jumbos entschlossen. Vom noch grösseren Airbus A380 wurde nie eine Frachtversion gebaut./stw/she/he

(AWP)