US-Arbeitsmarkt weiter robust - Löhne enttäuschen

(Ausführliche Fassung) - Der amerikanische Arbeitsmarkt hat sich auch im November von seiner robusten Seite gezeigt. Die Beschäftigung stieg stärker als erwartet, die Arbeitslosigkeit bleibt niedrig. Allerdings hinkt die Lohnentwicklung weiter hinterher. Das trübt die Aussichten auf eine anziehende Inflation, auf die die US-Notenbank Fed schon seit längerem händeringend wartet.
08.12.2017 15:18

Nach Zahlen des US-Arbeitsministeriums vom Freitag hat die US-Wirtschaft im November ausserhalb des Agrarsektors 228 000 neue Stellen geschaffen. Das waren mehr neue Jobs als die von Analysten erwarteten 195 000 neuen Stellen. Der Zuwachs in den beiden Vormonaten September und Oktober wurde um insgesamt 3000 Stellen höher ausgewiesen als bisher bekannt. Neue Stellen kamen im November etwa in der Industrie, im Gesundheitssektor, am Bau und im Einzelhandel hinzu.

Die Arbeitslosenquote lag mit 4,1 Prozent unverändert auf dem tiefsten Stand seit fast 17 Jahren. Angesichts der geringen Arbeitslosigkeit sprechen einige Fachleute schon von Vollbeschäftigung in der grössten Volkswirtschaft der Welt. Allerdings ist zugleich der Anteil der Personen, die sich am Arbeitsmarkt beteiligen, sehr niedrig. Die Partizipations- oder Erwerbsquote verharrte auf 62,7 Prozent. Vor der Finanzkrise hatte der Wert wesentlich höher gelegen.

Für Enttäuschung sorgte einmal mehr die Lohnentwicklung. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Monatsvergleich zwar um 0,2 Prozent an, allerdings nach einem Rückgang von 0,1 Prozent im Vormonat. Zudem wurden die Markterwartungen nicht erreicht. Im Jahresvergleich erhöhten sich die Löhne um 2,5 Prozent und damit ebenfalls schwächer als erwartet und als in früheren Aufschwungphasen.

Die Lohnentwicklung, die trotz einer robusten Konjunktur eher schwach ausfällt, spielt eine wichtige Rolle für die Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve. Zwar dürfte die Fed auf ihrer Zinssitzung in der kommenden Woche ihren Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr anheben. Allerdings vollzieht sie ihre Zinswende bislang deutlich langsamer als in vorherigen Straffungsphasen. Wesentliche Gründe dafür sind die vergleichsweise schwache Inflation und die ungewöhnlich schwachen Lohnsteigerungen./bgf/tos/das

(AWP)