US-Banken vergrössern Abstand zu europäischen Wettbewerbern

Zehn Jahre nach der Finanzkrise sprudeln an der Wall Street die Gewinne. Europas Banken hinken hinterher. Nach Einschätzung von Experten wird sich daran so schnell auch nichts ändern.
24.09.2017 10:15

Die grossen US-Banken laufen ihren europäischen Wettbewerbern in Sachen Profitabilität immer weiter davon. Zwar konnten Europas Grossbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern.

Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber deutlich kräftiger, wie eine am Sonntag veröffentlichte Auswertung des Beratungsunternehmens EY ergab.

Die zehn nach Bilanzsumme grössten Geldinstitute in Europa verdienten demnach in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres unter dem Strich zusammen rund 24,2 Mrd EUR und damit 5% mehr als vor Jahresfrist.

In Europa führt die britische Grossbank HSBC (rund 6,6 Mrd EUR Gewinn) die Rangliste an vor der französischen BNP Paribas (rund 4,3 Mrd EUR).

Die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse wurden in der Untersuchung nicht berücksichtigt, weil sie nicht in die europäische Top-Ten zählen, sagte ein EY-Sprecher auf Anfrage.

Die US-Konkurrenz kam derweil zusammen auf umgerechnet fast 57,5 Mrd EUR - ein Plus von 19%. Spitzenreiter dort: JPMorgan Chase mit 11,8 Mrd EUR Überschuss im ersten Halbjahr.

"In Europa sind viele Banken nach wie vor damit beschäftigt, Altlasten abzuarbeiten und sich neu aufzustellen", sagte EY-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier. Oft sei das mit hohen Kosten verbunden.

Gerade in südeuropäischen Ländern belasteten noch immer ausfallgefährdete Kredite die Bilanzen. In den USA trugen staatlich verordnete Milliardenspritzen nach der jüngsten Finanzkrise 2007/2008 dazu bei, dass sich die dortige Finanzbranche schneller erholte.

US-BANKEN IM VORTEIL

"Obendrein erwirtschaften die Banken wegen des niedrigen Zinsniveaus im Zinsgeschäft kaum noch Gewinne", führte Müller-Tronnier mit Blick auf die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. "Dank des dort höheren Zinsniveaus sind auch in diesem Punkt die US-Banken im Vorteil."

Nach Einschätzung von EY könnte sich der Abstand in den kommenden Monaten noch vergrössern - unter anderem, weil die US-Regierung sich für lockerere Regeln für die heimische Finanzbranche einsetzt.

"Die Deregulierungspläne der neuen US-Regierung versprechen den US-Banken einen kräftigen Gewinnschub", prognostizierte EY-Partner Claus-Peter Wagner. "Auch geringere Kapitalanforderungen könnten die Chance zu erheblichen Gewinnsteigerungen bieten."

dm/

(AWP)