USA: Jobabbau durch Wirbelstürme - Experten dennoch optimistisch

(neu: Aussagen von Fed-Mitglied Dudley im letzten Absatz) - Aufgrund jüngster Auswirkungen der Wirbelstürme gibt der US-Arbeitsmarkt ein durchwachsenes Bild ab. Die Beschäftigung fiel im September erstmals seit sieben Jahren, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Gleichzeitig legten aber die Stundenlöhne so stark zu wie seit 2008 nicht mehr und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie zuletzt vor über 16 Jahren. Unterm Strich sehen Experten die Daten positiv.
06.10.2017 18:38

Ausserhalb der Landwirtschaft wurden 33 000 Stellen abgebaut. Das ist der erste Beschäftigungsrückgang seit September 2010. Volkswirte hatten im Mittel mit einem Zuwachs um 80 000 Jobs gerechnet. Zudem wurde der Stellenzuwachs in den beiden Vormonaten Juli und August um insgesamt 38 000 Stellen niedriger ausgewiesen als bisher bekannt.

Die Zahlen dürften allerdings nur bedingt aussagekräftig für den Zustand des US-Arbeitsmarkts sein. Ausschlaggebend dafür sind die Auswirkungen der beiden schweren Wirbelstürme Harvey und Irma vor allem auf die US-Staaten Texas und Florida. Das Arbeitsministerium sprach von Auswirkungen der Stürme, ohne diese genau zu beziffern.

"Der Beschäftigungsrückgang sollte angesichts der Wirbelsturmauswirkungen relativiert werden", kommentierte Patrick Boldt, Experte bei der Landesbank Helaba. Unterm Strich gäben die Arbeitsmarktdaten ein positives Bild ab und machten einen strafferen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed wahrscheinlicher. Dementsprechend fielen zunächst auch die Marktreaktionen aus. Der Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen legten kurz nach der Veröffentlichung der Jobdaten zu. Die Kursbewegungen wurden aber im späteren Tagesverlauf wieder mehr als ausgeglichen.

Während die Beschäftigung abnahm, legten die Löhne und Gehälter im September deutlich stärker als erwartet zu. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent. Dies ist der stärkste Zuwachs seit November 2008. Volkswirte hatten im Mittel nur mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet. Im August waren die Verdienste je Stunde nach revidierten Daten um 0,2 Prozent gestiegen. Zuvor war man von einem Zuwachs um 0,1 Prozent ausgegangen.

Im Jahresvergleich erhöhten sich die Löhne im September um 2,9 Prozent und damit ebenfalls stärker als erwartet. Gerechnet wurde nur mit einem Zuwachs um 2,6 Prozent. Die Lohnentwicklung, die seit geraumer Zeit eher schwach ausfällt, spielt eine wichtige Rolle für die Geldpolitik der Fed.

Ausserdem fiel die Arbeitslosigkeit um 0,2 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent - und damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2001. Experten hatten dagegen mit einer Stagnation auf 4,4 Prozent gerechnet. Angesichts der geringen Arbeitslosigkeit in der grössten Volkswirtschaft der Welt sprechen einige Fachleute bereits seit geraumer Zeit von Vollbeschäftigung.

Der einflussreiche US-Notenbanker William Dudley hält trotz der jüngsten Delle bei der Beschäftigung an seiner Haltung fest, dass die Fed ihren Leitzins weiter anheben sollte. Es gebe weiterhin Verbesserungen am Arbeitsmarkt, die zu Lohnerhöhungen führen, sagte der Chef der regionalen Notenbank von New York nach der Veröffentlichung des Jobberichts laut einem Redetext. "Obwohl die Inflation derzeit etwas unter unserem langfristigen Ziel verbleibt, komme ich zu dem Schluss, dass es immer noch angemessen ist, weiterhin graduell die geldpolitische Unterstützung zu verringern."/tos/oca/jha/

(AWP)