Vifor Pharma zufrieden mit eigenem Start - 'Milestone 2020' auf gutem Weg

(2. Zusammenfassung, neu mit Aussagen aus Telefonkonferenz) - Für das Management des Pharmaunternehmens Vifor Pharma war das erste Halbjahr 2017 eine Erfolgsgeschichte. Sowohl mit Blick auf die vorgelegten Zahlen und den erhöhten Ausblick, als auch auf die erfolgreiche Aufspaltung der ehemaligen Galenica in die beiden unabhängigen Unternehmen Galenica und Vifor. Für die nahe sowie die mittelfristige Zukunft hat vor allem die Umsetzung des Strategie-Programms "Milestone 2020" oberste Priorität.
08.08.2017 17:50

Für das laufende Jahr hat das Management des Pharmaunternehmens am Dienstag die Prognosen erhöht. Für den Umsatz und den EBITDA gibt Vifor nun als Zielvorgaben ein Wachstum von mehr als 10% an.

Die mittelfristigen Ziele haben hingegen weiter Bestand. So soll im Rahmen der "Milestone 2020"-Strategie der Nettoumsatz im Jahr 2020 die Marke von 2 Mrd CHF überschreiten und der EBITDA soll bis dahin einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erreicht haben. Wie Vifor-Executive Chairman Etienne Jornod in einer Telefonkonferenz erklärte, ist Vifor dem Plan etwa in puncto Schuldenreduzierung voraus. Denn durch das IPO von Galenica Santé habe Vifor den für den Erwerb von Relypsa aufgenommenen Überbrückungskredit vollständig zurückzahlen können.

KLEINERE BOLT-ONS MÖGLICH

Abgesehen davon, dass mit diesen Mitteln fällig werdende Verbindlichkeiten bedient werden sollen, sind laut CFO Colin Bond aber auch so genannte Bolt-On-Zukäufe denkbar.

Mit Blick auf die Finanzziele aus dem "Milestone 2020"-Programm hatte zuvor der Vifor-Chef Jornod im Interview mit AWP bereits erklärt, dass man diese durch eine Fokussierung auf drei Eckpfeiler in Angriff nehmen werde. "Diese drei Wachstumspfeiler sind sowohl Veltassa als auch Ferinject, die wir in den kommenden Jahren als Blockbuster etablieren wollen", erklärte Jornod. Der dritte Pfeiler sei das gemeinsame Unternehmen mit Fresenius Medical Care, das man weiter vorantreiben wolle.

UMSATZ GESTEIGERT

Bei der Zahlenvorlage hatte Vifor am Morgen den Umsatz für das erste Semester auf 625,7 Mio CHF beziffert, ein Plus von 13,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Dabei sei der ausgewiesene Nettoumsatz von Ferinject zur Behandlung von Eisenmangel zwar etwas unter der jüngsten Trendlinie geblieben. Dies sei hauptsächlich auf unregelmässiges Bestellverhalten der Grosshandelskunden und ungünstige Wechselkurseffekte zurückzuführen, erklärten die Manager. Für das Gesamtjahr rechne man aber weiterhin mit einem Umsatzplus von mehr als 20%. Das Blockbuster-Potenzial des Mittels will Vifor ausschöpfen, indem weiterhin weltweit am Markt das Bewusstsein für Eisenmangel und Eisenmangelanämie geschärft werden soll.

Auch die Umsatzentwicklung des Kaliumbinders Veltassa sei im ersten Halbjahr 2017 "ausgezeichnet" gewesen, betont der Executive Chairman gegenüber AWP. Er habe vollständig den Wachstumserwartungen entsprochen, die das Management beim Kauf von Relypsa im Herbst 2016 hatte. In den ersten sechs Monaten hat Vifor mit dem Kaliumbinder zur Behandlung von Hyperkaliämie Umsätze von 24,3 Mio CHF erzielt. Vifor hofft, mittelfristig mit Veltassa Blockbuster-Umsätze zu erzielen. In der EU hat es erst vor einigen Tagen die Zulassung erhalten, in den USA ist es seit 2015 zugelassen.

GEWINN DURCH SONDEREINFLÜSSE GEZEICHNET

Auf Gewinnseite meldet Vifor einen EBITDA in Höhe von 252,3 Mio CHF. Dies entspricht einem Zuwachs von 20,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, allerdings unter Ausklammerung der Lancierungs- und Anlaufkosten für den Kaliumbinder Veltassa, den Vifor im Zuge der Relypsa-Übernahme im vergangenen Jahr mit ins Portfolio bekommen hat. Nimmt man diese Kosten mit in die Rechnung hinein, weist Vifor einen EBITDA von 132,9 Mio CHF aus, verglichen mit 209,9 Mio im Vorjahr.

Die Lancierungskosten im Berichtszeitraum beziffert das Unternehmen auf 119,4 Mio CHF. Für das gesamte Geschäftsjahr dürften diese auf rund 260 Mio CHF steigen. "Unsere Kosten haben wir sehr gut im Griff", lautet denn auch Jornods knappe Antwort auf die Frage, ob es hier zu Überraschungen kommen könnte.

GEWINNSPRUNG DURCH NICHT FORTGEFÜHRTES GESCHÄFT

Beim Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft weist Vifor 44,4 Mio CHF aus nach 155,2 Mio im ersten Halbjahr 2016. Der Gewinn aus dem nicht fortgeführten Geschäft kam dagegen bei 1'103,3 Mio CHF zu liegen, gegenüber 39,4 Mio im Vorjahr. Unter dem Strich blieb im ersten Halbjahr ein Gewinn nach Minderheiten von 1'094 Mio CHF übrig. Im Vorjahreszeitraum lag er bei 158,9 Mio CHF.

An der Börse wurde der Halbjahresbericht freundlich aufgenommen. Zeitweise stiegen die Papiere um mehr als 5%, beendeten den Handel aber dann um 2% höher.

hr/cf

(AWP)