Vonovia will auch 2017 deutlich mehr verdienen - Conwert-Übernahme

(Ausführliche Fassung) - Deutschlands grössten Immobilienkonzern Vonovia will nach einem Gewinnsprung auch im laufenden Jahr deutlich mehr verdienen. Dazu beitragen sollen neben der milliardenschweren Übernahme des Wiener Immobilienunternehmens Conwert auch höhere Mieten, zusätzliche Dienstleistungen rund um das Gebäude sowie ein weiterhin niedriger Leerstand. Zudem liegen die meisten Vonovia-Wohnungen mittlerweile in Ballungszentren, wo es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt.
07.03.2017 09:32

Für 2017 peile Vonovia einen operativen Gewinn (FFO I) inklusive Conwert zwischen 890 bis 910 Millionen Euro an, sagte Unternehmenschef Rolf Buch am Dienstag während einer Telefonkonferenz. Ohne den Zukauf rechne er weiterhin mit 830 bis 850 Millionen Euro.

GEWINNSPRUNG 2016

Vonovia konnte sich bereits knapp 72 Prozent an Conwert mit seinen rund 24 500 vorwiegend in Deutschland gelegenen Wohnungen sichern. Seit dem 23. Dezember läuft eine dreimonatige Nachfrist. Diese ist für Conwert-Aktionäre gedacht, die bisher noch nicht beim Vonovia-Angebot zugegriffen haben. Einschliesslich Schulden kostet Vonovia die vollständige Übernahme bis zu 2,7 Milliarden Euro. Vonovia werde Conwert in Deutschland bis Juli vollständig integrieren, sagte Buch.

Im abgelaufenen Jahr haben Vonovia vor allem ein besseres Wohnungsportfolio durch die jüngsten Zukäufe einen Gewinnsprung beschert. Gleichzeitig verkaufte das Unternehmen Wohnungen in schlechterer Lage unter anderem an Konkurrenten. Das operative Ergebnis - gemessen an der für die Branche wichtigen Kenngrösse Funds from Operations I (FFO I) - erhöhte sich um ein Viertel auf 760,8 Millionen Euro. Analysten hatten bei dem Dax-Konzern allerdings mit etwas mehr gerechnet. Die Aktie gab im frühen Handel zunächst etwas nach und dreht dann ins Plus.

HÖHERE MIETEINNAHMEN

Von der Geschäftsentwicklung sollen auch die Aktionäre profitieren. Das Management will die Dividende je Aktie wie angekündigt auf 1,12 Euro anheben, nach 0,94 Euro ein Jahr zuvor.

Neben einem besseren Wohnungsportfolio profitierte Vonovia (ehemals Deutsche Annington) auch von steigenden Mieteinnahmen sowie einem geringeren Leerstand. Die Mieteinnahmen erhöhten sich im vergangenen Jahr aufgrund der Zukäufe um knapp 9 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Die Leerstandsquote ging im Vergleich zum Vorjahr zurück. "Das Wachstum war nahezu organisch", betonte Buch.

MILLIARDENSCHWERE INVESTITIONEN

Die Aufwendungen für die Instandhaltung und Modernisierung stiegen auf knapp 800 Millionen Euro. Das waren gut 15 Prozent mehr als 2015. Das Periodenergebnis legte auf 2,5 Milliarden Euro zu - der Wert hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Hier profitierte Vonovia auch von Verkäufen von Wohnungen unter anderem an den Konkurrenten LEG, aber auch von einer deutlichen Aufwertung seines Immobilienvermögens.

Zudem plant Vonovia 2017 Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro, davon alleine sollen 730 Millionen Euro in Neubau, Dachaufstockung und Modernisierung gehen. Auch in den folgenden Jahren will Vonovia jährlich eine Milliarde Euro in Neubau und Modernisierung stecken. Vonovia verfügt über bundesweit rund 333 000 Wohnungen mit regionalen Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Baden-Württemberg und beschäftigt rund 7400 Mitarbeitern.

Der Konzern mit Sitz in Bochum ist in den vergangenen Jahren vor allem durch Grossübernahmen wie Gagfah , Süddeutsche Wohnen (Südewo) und Franconia stark gewachsen. Seit vier Jahren steht der ehemalige Bertelsmann-Manager Buch an der Spitze des Vermieters. Am Montagabend teilte Vonovia mit, dass der Aufsichtsrat den Vertrag mit Buch um weitere fünf Jahre bis Februar 2023 verlängert habe.

DAX-EINZUG

Unter seiner Regie wurde aus einem Unternehmen im Besitz eines Finanzinvestors eine seit 2013 börsennotierte Gesellschaft mit einem breiten Streubesitz. Mit dem Zukauf des Konkurrenten Gagfah vor zwei Jahren änderte der zuvor unter dem Namen Deutsche Annington bekannte Konzern auch seinen Namen und zog anschliessend als erstes Immobilienunternehmen in den Dax ein./mne/jha/she

(AWP)