Vontobel erhöht Gewinn im ersten Semester - Vermögensdelle wegen Fondsmanager

(Zusammenfassung mit Schlusskurs)
26.07.2016 18:18

Zürich (awp) - Die Bank Vontobel hat im ersten Semester des laufenden Jahres trotz eines schwierigen Marktumfelds einen klaren Gewinnanstieg verbucht. Getrieben wurde die Gewinnverbesserung von einem starken Asset Management-Geschäft, bei dem der Abgang des "Star-Fondsmanagers" Rajiv Jain allerdings zu beträchtlichen Geldabflüssen geführt hat. Die Verwalteten Vermögen bildeten sich entsprechend zurück.

Dank deutlichen Verbesserungen auf der Kostenseite erhöhte sich das Konzernergebnis im Halbjahr um 8% auf 105,7 Mio CHF, wie Vontobel am Dienstag mitteilte. Die betreuten Kundenvermögen (AuM) bildeten sich per Ende Juni auf 140,1 Mrd CHF zurück, nachdem sie Ende 2015 noch 147,8 Mrd CHF betragen hatten.

GELDABFLÜSSE WEGEN JAIN

Der Abgang des Fondsmanagers Rajiv Jain im März 2016 führte bei der New Yorker "Quality Growth"-Boutique zu einem Vermögensabfluss von 11,8 Mrd CHF. Eine Reihe von Anlagekunden habe automatische Kündigungsklauseln für den Fall eines Managementwechsels, weitere Kunden und Berater hätten nach dem Abgang vor Ort "Reviews" mit den neuen Verantwortlichen durchgeführt, hiess es von Seiten Vontobels. Alleine in den ersten beiden Monaten nach dem Abgang Jains im März 2016 seien dadurch bereits 75% der vorhersehbaren Abflüsse erfolgt, erläuterte CEO Zeno Staub vor den Medien.

Ausserhalb der "Quality Growth"-Boutique konnte Vontobel im Halbjahr dagegen Netto-Neugelder in Höhe von 3,1 Mrd CHF anziehen. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren der Bank allerdings Netto-Neugelder über 6,4 Mrd CHF zugeflossen.

KLARER KOSTENRÜCKGANG

Auf der Ertragsseite bekam Vontobel auch die Stimmung an den Finanzmärkten mit gedämpften Handelsvolumen und zurückhaltenden Anlegern zu spüren. Der Betriebsertrag verringerte sich im ersten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode um 2% auf 496,8 Mio CHF. Der Geschäftsaufwand (-5% auf 367,1 Mio CHF) ging allerdings deutlich stärker zurück - damit verbesserte sich auch das Kosten-Ertrags-Verhältnis deutlich auf 72,9% (H1 2015: 75,7%).

Vor allem das grösste Segment Asset Management zeigte sich mit einem Anstieg beim Gewinn vor Steuern um 26% stark verbessert. Dazu trug in erster Linie der klare Rückgang beim Personalaufwand bei - man könne nun über die Bezüge des hochbezahlten Fondsmanagers Jain spekulieren, meinte ein Analyst. Entlastend wirkte auf jeden Fall eine einmalige Kostenminderung von netto 5 Mio CHF für aufgeschobene Vergütungen an Jain.

Der Abgang ihres "Star-Fondsmanagers" traf die Bank Vontobel offenbar nicht unerwartet. "Wir hatten einen soliden Nachfolgeplan, der am Tag des Abgangs von Jain bekanntgegeben wurde", betonte CEO Staub. Das Team sei unter einer neuen Leitung stabil geblieben, auch habe es keine Wechsel in der Anlagestrategie gegeben.

Positiv entwickelte sich im Halbjahr auch das Private Banking-Segment (Vorsteuergewinn +4%). Die Bank stellte weitere Kundenberater in der Schweiz, in Deutschland und in Asien an. Schwächer präsentierte sich dagegen das Investment Banking-Segment (Vorsteuergewinn -19%), was die Verantwortlichen auf einen "generellen Rückgang der Handelsaktivitäten" zurückführten.

AKTIE LEGT ZU

Das laufende Jahr 2016 bleibe "herausfordernd", hielten die Vontobel-Verantwortlichen fest. Ins zweite Halbjahr sei man aber insgesamt "recht gut" gestartet, sagte Staub - dieses dürfte "wie üblich schwächer" als das erste Semester ausfallen. "Wir sind aber auf Kurs, die eigenen Mittelfristziele für 2017 zu erreichen."

Am Aktienmarkt wurde das Semesterresultat positiv aufgenommen, hatten die Analysten doch rückläufige Gewinnzahlen erwartet. Allerdings hätten aber auch die "sehr hohen" Abflüsse im Asset Management nach dem Weggang von Jain enttäuscht, hiess es. Die Vontobel-Aktien schlossen 3,4% höher, während der am SPI gemessene Gesamtmarkt 0,38% zulegte.

tp/uh

(AWP)